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(keystone)

Dalai Lama, Oberhaupt der Tibeter

Tenzin Gyatso, wie der 14. Dalai Lama als Mönch genannt wird, wird 1935 in einem Dorf im Nordosten Tibets geboren. Ausgesandte Mönche erkennen den Sohn eines Bauern im Alter von zwei Jahren als Inkarnation des 1933 verstorbenen 13. Dalai Lama. Nach eingehenden Tests wird Tenzin Gyatso am 22. Februar 1940 in Lhasa inthronisiert.

Neunzehn Jahre Ausbildung
Es folgen lange Jahre der Ausbildung in weltlichen und buddhistisch-geistlichen Dingen, die Tenzin Gyatso im Jahr 1959 mit dem Geshe Lharampa Degree, das entspricht dem Doktor in buddhistischer Philosophie, abschliesst. Einigen Einfluss auf den jungen Dalai Lama hat der österreichische Bergsteiger Heinrich Harrer. Dieser weilt von 1944 bis 1951 in Tibet und bringt Tenzing Gyatso westliches Leben und Werte näher.

China marschiert in Tibet ein

Nach der Machtübernahme der Kommunisten in China 1949 erhebt das neue Regime Ansprüche auf das Gebiet im Himalaya. China besetzt Tibet 1950. Im gleichen Jahr werden dem jungen Dalai Lama die Regierungsgeschäfte übertragen. Tenzin Gyatso sucht zunächst den Kontakt mit der fremden Macht. Er trifft sich auch mehrmals in Peking mit Staats- und Parteichef Mao Tse-Tung, um über eine friedliche Lösung des Konflikts zu verhandeln.

Peking bleibt durch und durch hart
Doch trotz eines Autonomie-Abkommens von 1951 ändert sich die harte Politik Chinas in der Tibet-Frage nicht. Dabei hat der junge Dalai Lama nach eigenem Bekunden durchaus Anerkennung und Sympathien für die Theorien das Kommunismus und Sozialismus als Gesellschaftsform entwickelt.

Blutiger Aufstand, Zehntausend Tote
Nach der blutigen Niederschlagung eines Tibeter-Aufstands durch die chinesischen Truppen am 10. März 1959 muss der Dalai Lama nach Indien fliehen. Bei dem Aufstand und der anschliessenden «Säuberung» durch die Chinesen werden an die 6000 Klöster zerstört, Tausende Menschen, darunter viele Mönche sterben im Kugelhagel der Chinesen. Bis 1997 kommen nach Angaben des Dalai Lama mehr als eine Million Tibeter direkt oder indirekt durch die chinesische Besatzung ums Leben.

Niederlassung in Dharamsala
Im nordindischen Dharamsala bildet der Dalai Lama nach seiner Flucht eine tibetische Exilregierung nach demokratischen Regeln und er lässt die grossen Klosteruniversitäten neu erstellen. Zehntausende Landsleute flohen und fliehen bis heute über die unwirtlichen Pässe des Himalaya nach Indien, die meisten von ihnen gelangen früher oder später nach Dharamsala.

Nobelpreisträger für Frieden

In seinem Exil widmet sich der Dalai Lama nicht nur mehr den heiligen Schriften und der Meditation, sondern er versteht sich auch als Hoffnungsträger für die Tausenden geflohenen und entwurzelten Tibeter in aller Welt. Dank seinem Engagement für eine gewaltfreie Lösung des Tibet-Konflikts erhält der Dalai Lama 1989 den Friedensnobelpreis.

Viel Wohlwollen, wenig Taten aus dem Westen

1990 reformiert der Dalai Lama die tibetische «Verfassung», und 1991 lässt er erstmals Wahlen für das exiltibetische Parlament durchführen. Das Oberhaupt der Tibeter geniesst im Westen grosse Popularität. Trotzdem musste und muss er meist auf die Unterstützung der jeweiligen Regierungen verzichten. Besuche des Dalai Lama bei führenden westlichen Politikern führen regelmässig zu diplomatischen Verwicklungen mit China.

Buddha des universellen Mitgefühls

Der Dalai Lama gilt als das weltliche und geistliche Oberhaupt der Tibeter. Als immer wieder ins Leben zurückkehrender (Reinkarnation) Buddha des universellen Mitgefühls (Bodhisattva Avalokiteshvara) geniesst der Dalai Lama bei den Tibetern bis heute grossen Respekt. Sein Wort hat Gewicht, auch wenn nicht alle (vor allem junge) Tibeter mit seiner Haltung der bedingungslosen Gewaltfreiheit gegenüber den chinesischen Besatzern einverstanden sind. (pet)

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