Fall Lucie: Muss Untersuchungsrichter gehen?
Das Aargauer Obergericht bestätigt das Urteil der Vorinstanz im Blutrache-Fall von Gipf-Oberfrick. (zvg)
Es geht in diesem Fall um die Strafanzeige der Eltern des Opfers gegen die Aargauer Behörden. Seit Beginn der Arbeit Ende Januar 2010 habe der ausserordentliche Untersuchungsrichter Roland Miotti in dieser Sache offenbar nichts gemacht, sagte Justizdirektor Urs Hofmann am Dienstag auf Anfrage.
Wer ist zuständig für die Untersuchung?
Das Obergericht solle den Beamten deshalb abberufen, so die ungewöhnliche Forderung des Justizministers. Das Obergericht aber winkt ab: Auf Anfrage von Schweizer Radio DRS erklärte Sprecher Antonio Carbonara, der Untersuchungsrichter unterstehe ihm gar nicht. Das Obergericht könne diese Forderung deshalb gar nicht erfüllen.
Regierungsrat Urs Hofmann sei selber zuständig, so Carbonara weiter. Hofmann bestreitet dies: Der Regierungsrat dürfe selber nicht in den Fall eingreifen, da Personen aus seinem Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) potenziell Beschuldigte seien, erklärte Urs Hofmann gegenüber dem Regionaljournal von Schweizer Radio DRS.
Untersuchung im Fall Lucie ohne Resultate
Urs Hofmann hatte sich nach seinen Aussagen bereits im April 2010 nach dem Stand des Verfahrens erkundigt. Da sich bereits damals herausstellte, dass noch nichts gemacht wurde, intervenierte Hofmann bei den Justizbehörden.
Im Sommer 2010 stellte Miotti dann den Abschluss des Verfahrens im Oktober in Aussicht. Bis heute ist dies jedoch nicht der Fall. Man müsse davon ausgehen, dass die strafrechtliche Aufarbeitung der Anzeige der Eltern nach einem Jahr «quasi am Anfang» stehe, hielt Hofmann fest. Er zeigte sich enttäuscht. Dies sei «unverständlich und nicht akzeptabel».
Untersuchungsrichter ist bereits weg
Untersuchungsrichter Roland Miotti selber weist diese Vorwürfe zurück. Er habe die Untersuchung so schnell wie möglich voran getrieben, habe aber immer wieder auf notwendige Unterlagen warten müssen.
Die Absetzung seiner Person ist offenbar gar nicht mehr notwendig. Er sei schon demissioniert, sagte Miotti am Dienstag dem Regionaljournal von Schweizer Radio DRS. Nicht aber auf Druck von Urs Hofmann, sondern wegen eines Systemwechsels in der Aargauer Justiz.
Strafanzeige gegen Aargauer Behörden
Die Eltern des ermordeten Au-Pair-Mädchens Lucie hatten im Januar 2010 eine Strafanzeige gegen die Aargauer Behörden eingereicht. Sie äusserten darin den Verdacht, dass Personen des Straf- und Massnahmenvollzuges Dinge getan oder unterlassen hatten, die für den Tod von Lucie mitverantwortlich waren.
Die 16-jährige Freiburgerin war am Abend des 4. März 2009 in Rieden bei Baden AG getötet worden. Ein damals 25-jähriger Schweizer hatte das Mädchen unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt und dort umgebracht. (buec/velm, sda)
