Roman Polanski in der Schweiz verhaftet
Roman Polanski (hier in Cannes, 2007). (Reuters)
Der 76-jährige Regisseur Roman Polanski ist am Samstag bei der Einreise in die Schweiz festgenommen worden. Das bestätigten am Sonntag die Polizei und eine Vertreterin des Filmfestivals Zürich. Am Sonntagabend hätte er am Zurich Film Festival für sein Lebenswerk geehrt werden sollen.
Haftbefehl aus 70er Jahren
Die Verhaftung des heute 76-Jährigen erfolgte auf Grund eines internationalen Haftbefehls von 1978, wie die Festivalleitung bekanntgab. Er entging der Haft, weil er im selben Jahr nach Frankreich flüchtete. Festgenommen wurde er nun im Auftrag des Bundesamtes für Justiz durch die Kantonspolizei Zürich, wie deren Sprecher Stefan Oberlin sagte.
Polanski in Auslieferungshaft
Laut dem stellvertretenden Informationschef des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes (EJPD), Guido Balmer, befindet sich Polanski in provisorischer Auslieferungshaft. Balmer bestätigte, dass die Verhaftung im Zusammenhang steht mit sexuellen Handlungen mit einem 13-jährigen Mädchen in Los Angeles von 1977.
«Es liegt ein Auslieferungsgesuch der USA vor», sagt Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf gegenüber Schweizer Radio DRS. Die Schweiz sei verpflichtet, gesuchte Personen auszuliefern. Er habe «selbstverständlich die rechtlichen Möglichkeiten, dagegen vorzugehen».
Auslieferung noch unklar
Ob Polanski tatsächlich an die USA ausgeliefert wird, stehe noch nicht fest, sagte Balmer. Polanski könne sowohl den Auslieferungshaftbefehl als auch den Auslieferungsentscheid beim Bundesstrafgericht anfechten und dessen Entscheide ans Bundesgericht weiterziehen.
Polanski war in den vergangenen Jahren mehrfach vollkommen unbehelligt in der Schweiz zu Gast. Er wurde jetzt verhaftet, denn «wir wussten diesmal genau, wann er einreist», so Balmer.
Flucht nach Frankreich
Da der in Polen geborene Filmemacher seit bald 35 Jahren die französische Staatsbürgerschaft hat, wurde Roman Polanski bisher nicht in die USA ausgeliefert. Seit seiner Flucht hat er das Land nie wieder betreten. Auch zur Oscar-Verleihung im Jahr 2003, wo er dann für «Der Pianist» als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, hatte er die Einreise nicht gewagt.
Verfahren nicht geschlossen
Die damaligen Vorwürfe einer 13-Jährigen wurden nie schlüssig geklärt. Erst im Mai war Polanski endgültig mit seinem Antrag gescheitert, das Vergewaltigungsverfahren in Kalifornien nach über 30 Jahren endlich für geschlossen zu erklären. Ein Gericht in Los Angeles hatte sein Ersuchen abgelehnt und das persönliche Erscheinen des Regisseurs gefordert.
Filmszene ist schockiert
Die Verhaftung von Polanski löst in der Schweizer Filmszene heftige Reaktionen aus. Das Vorgehen der Behörden sei nicht nur eine «groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheurer Kulturskandal», schreibt der Verband der Regisseure.
Auch Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK), zeigte sich «total erstaunt». Für das Ansehen der Schweiz sei die Sache «sicher nicht gut.» Jauslin plante, am Abend in Zürich eine Laudatio auf Polanski zu halten.
Sarkozy wünscht «schnelle Lösung»
Überrascht zeigte sich auch die französische Regierung von der Festnahme Roman Polanskis in der Schweiz. Er sei «höchst erstaunt» über «das Vorgehen gegen den international renommierten Regisseur», erklärte Kulturminister Frédéric Mitterrand. Präsident Nicolas Sarkozy wünsche «eine schnelle Lösung der Lage». Mitterrand erinnerte daran, dass Polanski französischer Staatsbürger sei.
Polanski ist Regisseur von Filmen wie «Der Tod und das Mädchen», «Der Pianist» und «Tanz der Vampire». (sam/acd, sda/dpa)
Filmredaktor Michael Sennhauser bloggt über die Hintergründe zur Verhaftung Polanskis
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