Literaturnobelpreis für Herta Müller
Herta Müller im Jahr 2004. (Keystone)
Deportation in Herta Müllers neuem Roman
Herta Müller - Atemschaukel
Herta Müller - Wer ist eigentlich die Literaturnobelpreisträgerin?
Die in Rumänien geborene deutsche Autorin Herta Müller erhält den Nobelpreis für Literatur. Sie zeichne «mittels der Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit», begründete die Akademie ihre Entscheidung.
Der Nobelpreis ist mit zehn Millionen Kronen dotiert, das sind umgerechnet knapp 1,5 Millionen Franken. Er ging im letzten Jahr an den Franzosen Jean Marie Le Clézio.
Erfahrungen der Ceausescu-Diktatur
Die im deutschsprachigen Rumänien geborene Müller hat schriftstellerisch vor allem ihre Erfahrungen mit dem System der Ceausescu-Diktatur verarbeitet. Sie pflegt einen spröden und unsentimentalen Stil.
Ihr neuer Roman «Atemschaukel» über die Deportation deutschstämmiger Rumänen nach dem Zweiten Weltkrieg in die damalige Sowjetunion wurde von der Kritik sehr positiv aufgenommen. Er gehört zu den sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis.
Vertrieben und verboten
Müller wurde 1953 in einem deutschsprachigen Ort im Banat in Rumänien geboren. Ihre Eltern gehörten der dortigen deutschsprachigen Minderheit an. Der Vater hatte im Zweiten Weltkrieg in der Waffen-SS gedient, die Mutter wurde wie viele Rumäniendeutsche 1945 in die Sowjetunion deportiert und war fünf Jahre in einem Arbeitslager interniert.
Während ihres Studiums Mitte der 1970er Jahre stand Müller der Aktionsgruppe Banat nahe, einem Kreis junger deutschsprachiger Autoren, die in Opposition zur Diktatur für Meinungsfreiheit eintraten.
Nach Abschluss ihres Studiums verlor sie aufgrund ihrer Weigerung, mit der Geheimpolizei zusammenzuarbeiten und Spitzeldienste zu leisten, ihre Arbeitsstelle. Danach war sie Schikanen der Geheimpolizei ausgesetzt. Wegen ihrer Kritik an der Diktatur wurde sie in Rumänien mit einem Publikationsverbot belegt.
Sie verliess 1987 mit ihrem Mann das Land. Nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland hatte Müller zahlreiche Gastprofessuren in England, Amerika, der Schweiz und Deutschland inne.
Tipper lagen richtig
Müller ist die zwölfte Frau, die mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt wird. Die Auszeichnung für die 56-Jährige kam nicht überraschend. Wenige Stunden vor der Entscheidung der Schwedischen Akademie lag Herta Müller zusammen mit dem israelischen Autoren Amos Oz allein an der Spitze der Ladbrokes-Wettlisten.
In den vergangenen Jahren hatten die Nobelpreis-Tipper mitunter völlig daneben gelegen. Unter «ferner liefen» rangierte beispielsweise 2004 die Österreicherin Elfriede Jelinek, die den Preis bekam.
Oft werden Autorinnen und Autoren erst durch die Auszeichnung mit dem Nobelpreis weltbekannt. Auf der Ladbrokes-Wettliste stehen 60 Schreibende, keiner davon aus der Schweiz. (nab, sda/ap/dpa)
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