UBS-Strategie begeistert mässig
Vermögensverwaltung als Kerngeschäft: UBS. (Reuters)
Die UBS-Aktie ist am Tag nach Sergio Ermottis Ankündigungen zur Zukunft der Bank im Wert gestiegen. Sie gewann ein knappes halbes Prozent, was angesichts der angekündigten Rückkehr der UBS zur Divendenauszahlung wenig ist.
Analysten überrascht das allerdings nicht. Die Pläne des neuen UBS-Chefs Ermotti, die er am Vorabend in New York vorstellte, könnten einschneidender sein, sind sie geschlossen der Meinung. Der Abbau von Risiken und die Verkleinerung der Investmentbank seien angesichts der Umstände zu erwarten gewesen.
«Nagel- statt Heckenschere»
Bankenprofessor Wolfgang Gerke sagte gegenüber Schweizer Radio DRS: «Dass man im Investmentbanking den Eigenhandel zurückfahren will, ist nachdem, was sich dort abgespielt hat, eine Selbstverständlichkeit.» Andere Banken hätten das schon lange gemacht.
Die UBS gehe nur mit der Nagelschere zu Werke, meint die Bank Wegelin und doppelt nach: «Eine Heckenschere wäre deutlich wirkungsvoller». Die Deutsche Bank schrieb, dass die UBS in der Investmentbank nur aus 4 von 25 Geschäftsbereichen aussteigen wolle.
Die Experten der britischen Barclays Bank finden das Ausmass des Abbaus der Investmentbankrisiken von 300 auf 155 Milliarden Franken eher enttäuschend. Von einer Enttäuschung spricht auch der Bankenanalyst der Zürcher Kantonalbank, Andreas Venditti: «Die Investmentbanking-Strategie wird weniger stark geändert als erwartet.»
Weitere Schritte später?
Möglicherweise halte sich der erst zu Beginn der Woche zum permanenten Chef beförderte Ermotti mit grösseren Abbauplänen zurück, um eine Kündigungswelle bei wichtigen Mitarbeitern zu verhindern, erklärte ein Nomura-Analyst in London. Später könnten ja weitere Schnitte Vorgenommen werden.
Ermotti will mit der UBS künftig eine Rendite auf dem Eigenkapital von 12 bis 17 Prozent erwirtschaften. Unter seinem Vorgänger Oswald Grübel lag das Zielband noch bei 15 bis 20 Prozent. Die neuen Pläne sind in den Augen der Analysten realistisch. Barclays meint aber, dass in der Investmentbank angesichts der schwierigen Finanzmärkte eher 12 als 17 Prozent Eigenkapitalrendite drinlägen.
Dividendenauszahlung umstritten
Schon im nächsten Jahr will die UBS - zum ersten Mal seit 2007 - wieder eine Dividende ausschütten. Für 2011 sollen pro Aktie 10 Rappen ausgezahlt werden. Später soll Kapital an die Aktionäre zurückgegeben werden.
Weil die UBS seit einiger Zeit aber keine Steuern mehr bezahlt, löst diese Ankündigung in Schweizer Politik eher Unverständnis aus. Bankexperten unterstützen die Wiedereinführung einer Dividendenauszahlung allerdings.
Professor Maurice Pedergnana von der Hochschule Luzern erklärt, die UBS erweitere damit den Kreis möglicher Investoren und stütze damit indirekt den Kurs der Aktie. Vor allem in den USA investierten viele Anleger nur in Firmen, die auch eine Dividende garantierten.
Nie wieder Steuergelder
Für die Politik steht vor allem im Vordergrund, dass die UBS nie mehr mit Steuergeldern gerettet werden muss. SVP-Nationalrat Hannes Germann hätte lieber gesehen, wenn sich die Bank aufgeteilt hätte. Das Vermögensverwaltungsgeschäft wäre so weniger den Risiken des Investmentbankings ausgesetzt. Letztere müssten auch mit der neuen Strategie zwangsläufig eingegangen werden, ist Germann überzeugt.
SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer sieht die neue UBS-Strategie als logische Folge der «Too-big-to-fail»-Vorlage. Nun gelte es aber mit einer Verschärfung der Richtlinien noch einen Schritt weiterzugehen, fordert Leutenegger-Oberholzer.
Für derzeit ausreichend hält hingegen FDP-Nationalrat Philipp Müller die Risikobegrenzung bei der UBS. Man könne davon ausgehen, dass wenn die angekündigten Massnahmen umgesetzt würden, das Systemrisiko der Grossbank für die Schweiz reduziert werde.
Reiche und Ultrareiche im Visier
Hauptpfeiler der UBS soll künftig eindeutig die Verwaltung der Vermögen reicher und ultrareicher Kunden auf der ganzen Welt werden. Das Nachsehen hat die Investmentbank: Sie wird gestutzt, bekommt weniger Kapital und muss auf risikoreiche Geschäfte verzichten.
Für viele Investmentbanker wird die neue Strategie den Verlust ihrer Stelle nach sich ziehen. Die Bank hatte bereits bekannt gegeben, dass sie ihren globalen Mitarbeiterstamm von knapp 66'000 um etwa 3500 Stellen kürzen werde, nun werden etwa 400 mehr gestrichen.
UBS bleibt Schweizer Kleinkunden treu
Schon heute gehört die UBS mit 1,4 Billionen Franken verwalteten Vermögen zu den führenden Vermögensverwaltern der Welt. Nicht zur Debatte steht trotz diesen globalen Ambitionen der Heimmarkt: Aus historischen Gründen ist die Schweiz das einzige Land, wo die UBS Kleinkunden betreut und auch kleine Unternehmen finanziert.
Dass die Investmentbank, die zuletzt durch einen Betrugsfall mit einem Milliarden-Debakel in London für negative Schlagzeilen gesorgt hatte, Federn lassen muss, war bekannt, nicht aber das Ausmass.
Trennen will sich die UBS auch von jenen Risiken, die ihr die Milliardenverluste in der Finanzkrise 2007/2008 eingebrockt haben. So sind die Verbriefung von festverzinslichen Wertpapieren und komplexe strukturierte Produkte, die zudem viel Kapital brauchen, laut Investmentbank-Chef Carsten Kengeter nicht mehr attraktiv. (brar/luek/pet, sda/reuters)
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