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Freitag, 13.8.2010

Demokratie leidet unter «Gratis-Kultur»

Um die Qualität der Schweizer Medien steht es schlecht, stellt das Jahrbuch «Qualität der Medien» fest. Grund dafür seien die «Gratis-Kultur» im Internet und Gratiszeitungen wie «20Minuten». Diese Tendenz schade der Demokratie.

Online-Journalismus im Fokus

Vor allem durch den Online-Journalismus dreht sich das Karussell der Aktualität immer schneller. Reflexion und demokratischer Diskurs litten darunter, sagen die einen, von einer Bereicherung sprechen dagegen die anderen.

Hören

Die Schweizer Demokratie leidet unter der schlechten Qualität der Medien: So lautet der Befund des Jahrbuchs 2010 «Qualität der Medien». Schuld an der Medienkrise seien vor allem die «Gratis-Kultur» im Internet und bei Pendlerzeitungen sowie der Spardruck auf den Redaktionen.

Qualität ist nicht gratis
Die Gratis-Kultur führe direkt zum Spardruck, erklärte Mark Eisenegger, Mitautor der Studie: Denn wegen der «Gratis-Kultur» fehle in den Redaktionen das Geld für guten Qualitätsjournalismus, so Eisenegger gegenüber Schweizer Radio DRS.

Und mit der Abwanderung von Werbung in die auflagestarken Gratisblätter und immer mehr ins Internet verstärke sich dieser Spardruck zusätzlich.

Aufklärung der Bürger zweitrangig

Anstatt ausgewogen über politische Debatten zu berichten, beherrschten Formfragen die Mediendiskurse, schreiben die Wissenschaftler der Universität Zürich in der Studie. Die Informationsmedien vernachlässigten ihre Funktion, die Bürgerinnen und Bürger über das politische Geschehen aufzuklären.

Wenn Softnews und Agentur-Meldungen immer mehr Platz einnehmen, habe dies langfristig negative Auswirkungen auf die öffentliche Meinung, warnt Medienforscher Eisenegger: Die Qualität der Medien sei unmittelbar entscheidend für die Qualität der Demokratie.

Mehr Softnews als Polit-Debatten
Bei der Untersuchung habe man festgestellt, dass die Schweiz mit Debatten über den festgesetzten Filmregisseur Roman Polanski und die Fussball-WM zusammengehalten werde, die wirklich wichtigen politischen Probleme in den Medien aber zusehends weniger abgehandelt würden, so Eisenegger.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender der SRG SSR idée suisse von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen SF stehen gemäss den Autoren des Buchs unter dem Druck des so genannten Infotainment. Trotzdem bieten sie aber im Vergleich die höchste Medienqualität - zusammen mit den Kauf-Zeitungen.

Jugendliche kennen nur Gratis-Kultur
Ein Ende der negativen Entwicklung ist gemäss den Forschern des Bereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich nicht in Sicht. Die publizistische Versorgung durch qualitätsschwache Medien im Internet und der gedruckten Presse werde weiter zunehmen. Denn vor allem jüngere Mediennutzer zwischen 15 und 34 Jahren seien mit der «Gratis-Kultur» gross geworden.

Finanziert und gefördert wird das Jahrbuch «Qualität der Medien» durch die gemeinnützige Stiftung «Öffentlichkeit und Gesellschaft». Zum Stiftungsrat gehören unter anderem der Soziologe Kurt Imhof, die Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi oder der ehemalige Bundesratsspecher Oswald Sigg. (pet, zumm, sda)

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Audio-Beiträge:


Schweizer Medien im Umbruch. (Monika Zumbrunn, 13.8.2010)
Hören (2:39)

Wie lässt sich die Qualität der Medien messen? (Christoph B. Keller, 13.8.2010)
Hören (4:31)

Weiterführender Link zum Beitrag:

  • Das Jahrbuch zur Qualität der Medien auf der Webseite der Uni Zürich

Verantwortlich für diesen Beitrag:

news.online


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