Krankenkassen prangern hohe Arzneimittelpreise an
Medikamente kosten in der Schweiz deutlich mehr als in grossen Teilen Europas. (Keystone)
Von Inlandredaktor Dominik Meier
Von der Pharmafirma zum Zwischenhändler, dann weiter in die Apotheke oder in die Arztpraxis: Auf dem Weg zu den Patienten wird ein Medikament teurer - zum Fabrikpreis kommt die so genannte Marge hinzu. Der Wettbewerb ist nicht frei: Der Bund legt die Margen fest. Und diese, so sagt Stefan Holenstein, Direktor des Krankenkassenverbandes Santésuisse, seien zu hoch. Dort bestehe durchaus Einsparpotenzial. «Und wir denken, dass wir dies den Versicherten zugute kommen lassen sollten.»
Santésuisse hat die Margen aller rezeptpflichtigen Medikamente mit denjenigen in sechs anderen europäischen Staaten verglichen. Fazit: Selbst wenn man die hohen Schweizer Kosten etwa durch die Löhne berücksichtige, lägen die Schweizer Margen um rund ein Viertel über dem europäischen Durchschnitt. Genau um dieses Viertel müssten die Margen nun sinken, so Holenstein. Er macht an dieser Stelle ein Einsparpotenzial von 300 Millionen Franken aus und rechnet um: «Das entspricht 1,5 Prämienprozenten.»
Kritik auch vom Preisüberwacher
Die Krankenkassen stehen nicht alleine da. Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans verlangt tiefere Margen. Vor anderthalb Jahren aber ist er damit bei Gesundheitsminister Didier Burkhalter abgeblitzt. Jetzt freut sich der Preisüberwacher über die Unterstützung durch die Kassen. «Das ist eine erfreuliche Bestätigung, dass man hier zum gleichen Resultat kommt.» Meierhans spricht von «erfreulichem Rückenwind».
Im Visier hat der Preisüberwacher Ärzte, die selber Medikamente verkaufen, aber auch die 1700 Apotheken in der Schweiz. Sie sollen weniger verdienen mit Pillen und Tabletten. Die Betroffenen wehren sich: Heute bereits sei die Situation vieler Apotheken prekär, sagt Marcel Mesnil vom Apothekerverband Pharmasuisse. Ein Drittel sei in Schwierigkeiten.
Apotheker warnen, betroffen wären vor allem Randregionen. Preisüberwacher Meierhans hält dies für Schwarzmalerei. Dass einzelne Apotheken schliessen müssten bei tieferen Margen, schliesst aber auch er nicht aus. «Es kann nicht sein, dass man über eine Sozialversicherung Ineffizienzen oder falsche Strukturen subventioniert», so Meierhans. «Insofern wäre das ein Argument, das jedem Prämienzahler einleuchten dürfte.»
Burkhalters Departement lässt sich Zeit
Entscheiden muss Gesundheitsminister Didier Burkhalter. Er solle sofort handeln, fordert der Preisüberwacher. Die Krankenkassen ihrerseits wollen die Preise künftig gar selbst aushandeln dürfen.
Auf die Schnelle bietet das Departement Burkhalter zu beidem nicht Hand: Man prüfe die Situation, heisst es lediglich. Die Verantwortlichen beim Bund lassen auch durchblicken: Für sie spielen die Sorgen um das Überleben der Apotheken in den Randregionen auch eine Rolle. Bundesrat Didier Burkhalter will erst im Verlauf des nächsten Jahres entscheiden. (ank/meid)
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