1. Mai: «Eure Krise zahlen wir nicht!»
An den Krawallen in Zürich waren auffallend viele Jugendliche beteiligt. (Reuters)
Die 1.-Mai-Feiern haben dieses Jahr in der Schweiz im Zeichen der Wirtschaftskrise gestanden. Tausende demonstrierten für Arbeitsplätze und soziale Sicherheit.
Am meisten Leute versammelten sich zur 1.-Mai-Kundgebung in Zürich. Die mindestens 12'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekamen auch eine schärfere Rethorik zu hören als in früheren Jahren.
Auffallend viele junge Krawallmacher
Nach dem friedlichen Aufmarsch in Zürich kam es aber im Langstrassenquartier zu stundenlangen Scharmützeln. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Gummischrot ein. Sie kontrollierte über 300 Personen, 83 nahm sie fest.
Ein Viertel der festgenommenen Krawallmacher sind jünger als 18 Jahre, vereinzelt waren sogar Kinder auszumachen. Vielen kann die Polizei Brandstiftung oder Steinwürfe nachweisen. Videobilder sollen als Beweismittel dienen. Die Sachbeschädigungen waren vergleichsweise gering.
Calmy-Rey: Arbeitnehmer zahlen Zeche
Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätten keine Fehler gemacht, sagte Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in Bülach. Sie würden aber trotzdem die Zeche für eine Krise bezahlen, die den Finanzakteuren zu verdanken sei.
Rechsteiner: Gewerkschaften stärken
Die Gewerkschafter gaben sich vor dem Hintergrund der Krise und der steigenden Arbeitslosigkeit kampfbereit. Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), rief in Zürich zu einer Stärkung der Gewerkschaften auf.
Er bezeichnete das staatliche Hilfspaket für die UBS als gigantischen und in der Schweiz nie da gewesenen Verfassungsbruch. Es sei pervers, dass die grösste Staatsausgabe aller Zeiten am Parlament und an der Demokratie vorbeigeschleust worden sei.
Levrat: Richtiges Konjunkturpaket
SP-Präsident Christian Levrat forderte an der 1.-Mai-Kundgebung in Pratteln (BL) vom Bundesrat ein richtiges Paket zur Konjunkturankurbelung und warnte vor ultrapatriotischen Appellen zur nationalen Einheit. «Es herrscht Notstand, und es muss unverzüglich gehandelt werden», sagte der Freiburger Nationalrat.
Öffentliche Kampagnen gegen die deutschen Nachbarn und nationalistische Rückzüge angesichts der Angriffe aufs Bankgeheimnis seien fehl am Platz.
«Eure Krise zahlen wir nicht!»
An der Kundgebung in Zürich nahmen zwischen 12‘000 und 15‘000 Personen teil, ihr Motto lautete «Eure Krise zahlen wir nicht!». Unter den Demonstranten befanden sich neben zahlreichen Gewerkschaftern auch ausländische Vertreter linker Parteien und Organisationen.
In Bern nahmen laut den Organisatoren rund 3000 Personen an der Veranstaltung auf dem Bundesplatz teil. Rund 2500 Personen waren es in Basel, rund 5000 in Genf.
Strassenschlachten in Istanbul und Athen
Aus mehreren Städten Europas wurden Ausschreitungen an Kundgebungen zum 1. Mai gemeldet. In Istanbul lieferten sich Polizei und linke Demonstranten Strassenschlachten. Auch in Athen gab es Krawallen.
In Russland wurden zahlreiche Oppositionsanhänger auf Kundgebungen gegen die Anti-Krisen-Politik des Kremls festgenommen.
Massenaufmarsch in Paris
In Frankreich hatten die Gewerkschaften erstmals geschlossen zu den traditionellen Kundgebungen aufgerufen. Allein in Paris nahmen laut Gewerkschaften 160‘000 Menschen an der Protestkundgebung teil.
Krawalle bei Aufmarsch Rechtsextremer
In mehreren deutschen Städten kam es bei Demonstrationen linker und rechter Gruppen zu Krawallen und Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Bei einem Aufmarsch von rund 1000 Neonazis in Ulm wurden Polizisten und Demonstranten durch Stein- und Flaschenwürfe von linken Gewalttätern verletzt. (cdm/bat/acd, ap/sda)
