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Donnerstag, 11.3.2010

Generalstreik legt Griechenland lahm

In Griechenland haben die Gewerkschaften mit einem Generalstreik das Land nahezu lahmgelegt. Die Protestierenden wehrten sich gegen die Sparpläne der Regierung. Vereinzelt kam es zu Ausschreitungen.

Tausende Griechen protestieren in Athen. (Keystone)

Mit einem 24-stündigen Generalstreik haben die griechischen Gewerkschaften das wirtschaftlich angeschlagene Land nahezu völlig lahmgelegt. Aus Protest gegen die drastischen Sparpläne der sozialistischen Regierung gingen in Athen mehr als 20'000 Staatsbedienstete, Beschäftigte der Privatwirtschaft, Rentner und Arbeitslose auf die Strassen.

Im Zentrum der Hauptstadt setzte die Polizei Tränengas gegen Hunderte randalierende Demonstranten ein. Busse und Züge blieben in ihren Depots, Schiffe in den Häfen. Flüge von und nach Griechenland wurden gestrichen. Schüler hatten unterrichtsfrei, Museen und andere touristische Sehenswürdigkeiten wie die Akropolis blieben geschlossen.

300 Milliarden Euro Schulden
Mit grosser Aufmerksamkeit wurde das Geschehen im Ausland verfolgt. Im Gegensatz zur griechischen Bevölkerung begrüssen führende Politiker in der Europäischen Union die Sparpläne der Regierung in Athen.

Ministerpräsident Jiorgos Papandreou sieht sich unter Zugzwang, Märkte und Gläubiger zu überzeugen, dass sein Land trotz des immensen Schuldenbergs von 300 Milliarden Euro einen Staatsbankrott abwenden kann.

Sparen ja, aber
Die meisten Griechen sind Umfragen zufolge zwar grundsätzlich für einen Sparkurs. Das dazu vergangene Woche beschlossene Regierungsprogramm, das unter anderem durch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen knapp fünf Milliarden Euro bringen soll, lehnen sie jedoch ab. Nach Auffassung der Mehrheit trifft das Paket die Falschen in dem auch von Steuerhinterziehung und Korruption gebeutelten Land.

«Wo ist all das Geld hin?»
«Die Massnahmen sind unfair», klagte ein 60-jähriger Demonstrant. «Wir schaffen das nicht, wir haben Kinder, Familien. Die Banken und die Reichen sollten für diese Krise zahlen.»

Demonstranten, die trommelnd und mit Megafonen durch die Hauptstadt zogen, skandierten: «Wo ist all das Geld hin?» und «Recht ist das Recht des Arbeiters». Sie forderten das griechische Volk zum «Aufstand» auf.

Vereinzelt Ausschreitungen
Die Stimmung war aufgeheizt. Bei den Zusammenstössen zwischen der Polizei und den meist linksgerichteten Jugendlichen in Athen wurden nach offiziellen Angaben 13 Beamte und zwei Demonstranten verletzt. 16 Randalierer wurden in Gewahrsam genommen. Es flogen Molotow-Cocktails und Steine, Schaufenster wurden zertrümmert und Mülltonnen in Brand gesetzt.

20'000 Griechen demonstrieren
An der Demonstration in Athen beteiligten sich rund 20'000 Menschen -  etwas mehr als bei dem ersten landesweiten Ausstand vor zwei Wochen. Die Gewerkschaften sprachen von 50'000 Demonstranten.

Zu dem Streik hatten die grösste griechische Privatwirtschaftsgewerkschaft GSEE und ihre Schwesterorganisation für den öffentlichen Dienst, Adedy, aufgerufen. Zusammen vertreten sie etwa die Hälfte der fünf Millionen Erwerbstätigen in Griechenland. Auch Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute und Steuerbeamte beteiligten sich an dem Ausstand. (acd, reuters/ap)

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Hintergrund: Die Verschuldung der Euro-Länder

Nicht nur in Griechenland wächst der Schuldenberg immer weiter. Der Abbau der immensen Staatsverschuldung gehört zu den vorrangigen Zielen im Euroraum. Ein Überblick.

Schuldenstand Ende 2008 in Prozent des BIP in Milliarden Euro
Italien 105,8 1663,0
Griechenland 99,2 237,2
Belgien 89,8 309,6
Frankreich 67,4 1314,1
Portugal 66,3 110,3
Deutschland 65,9 1644,4
Malta 63,8 3,6
Österreich 62,6 176,6
Niederlande 58,2 346,7
Zypern 48,4 8,4
Irland 44,1 80,2
Spanien 39,7 432,1
Finnland 34,1 63,0
Slowakei 27,7 18,6
Slowenien 22,5 8,3
Luxemburg 13,5 5,3

(nab, dpa)


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