Mitschuld Kaczynskis an Flugzeugabsturz?
Trümmerteile der Unglücksmaschine, in der Polens Präsident Kaczynski mitflog. (Reuters)
Beim Absturz eines polnischen Flugzeugs südlich von Smolensk sind vermutlich alle Insassen ums Leben gekommen. Dabei sind nach Angaben der russischen Behörden alle 96 Passagiere ums Leben gekommen - darunter Polens Präsident Lech Kaczynski, der sein Amt seit Dezember 2005 ausübte.
Viele Persönlichkeiten an Bord
An Bord waren neben dem 60-jährigen Kaczynski und seiner Frau unter anderen der polnische Notenbankchef Slawomir Skrzypek, Generalstabschef Franciszek Gagor, der Vizeaußenminister Andrzej Kremer und der stellvertretende Parlamentspräsident Jerzy Szmajdzinski.
Die ranghohe Delegation war unterwegs zu einer Gedenkfeier zu Ehren tausender Polen, die vor 70 Jahren in Smolensk, Katyn und weiteren Städten vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordet worden waren.
Warnung in Wind geschlagen
Trotz der Warnung durch Fluglotsen soll der Pilot der Unglücksmaschine viermal zum Landeanflug angesetzt haben. Ihm war angesichts des dichten Nebels und dem fehlgeschlagenen Landeanflug eines anderen Flugzeugs geraten worden, nach Minsk in Weissrussland auszuweichen.
Der Flugschreiber wurde wenige Stunden nach dem Absturz in den Trümmern gefunden. Die Daten werden jetzt von Experten ausgewertet.
Mitschuld Kaczynskis an Unglück?
Ein Luftfahrtexperte von der Technischen Hochschule in Breslau erinnerte an einen Vorfall aus dem Sommer 2008. Damals hatte sich ein Pilot wegen akuter Gefahrenlage über die Order des Präsidenten, direkt nach Georgien zu fliegen, hinweggesetzt und war in einem Nachbarland gelandet.
Lech Kaczynski musste mit einem Auto nach Tiflis chauffiert werden. Das Staatsoberhaupt warf dem Piloten damals Befehlsverweigerung vor.
Weltweit Betroffenheit
Politiker aus aller Welt kondolierten dem polnischen Volk, so etwa Russlands Präsident Dmitri Medwedew oder die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. «Der heutige Verlust ist verheerend für Polen, die USA und die Welt», hiess es aus dem Weissen Haus in Washington. Auch Bundespräsidentin Doris Leuthard drückte Polen ihr tiefes Beileid aus.
Gestorben sei die «Elite der Nation», sagte Polens Ex-Präsident und früherer Vorsitzende der Gewerkschaft Solidarnosc Lech Walesa. Regierungschef Donald Tusk sprach vom «tragischsten Ereignis in der Nachkriegsgeschichte» seines Landes.
Einwöchige Staatstrauer
Der polnische Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski hat nach dem Tod von Kaczynski und weiterer Politiker eine einwöchige Staatstrauer angeordnet. «Es gibt heute keine Rechte und keine Linke, keine Differenzen», betonte der Parlamentschef, der nach der Verfassung die Geschäfte des Staatsoberhaupts übernommen hat.
Komorowski soll nun innerhalb von 14 Tagen den Termin der Präsidentenwahl bekanntgeben. Die Verfassung sieht für den Fall, dass ein amtierender Staatschef stirbt, Neuwahlen binnen zwei Monaten vor. Regulär hätten im Herbst Präsidentenwahlen in Polen stattfinden sollen.
Absturz beim Landeanflug
Die Tupolew 154 sei kurz vor der Landung am Flughafen der westrussischen Stadt Smolensk abgestürzt, sagte der Gouverneur der gleichnamigen Region, Sergej Anufrijew, im russischen Staatsfernsehen. Zum Zeitpunkt des Absturzes um 10.50 Uhr Ortszeit (8.50 MESZ) war das Anfluggebiet nach Angaben des Zivilschutzministeriums in dichten Nebel gehüllt.
An der Unglücksstelle lagen zahlreiche Wrackteile des in den polnischen Farben Rot und Weiss gestrichenen Flugzeugs verstreut. Das russische Fernsehen zeigte, wie Feuerwehrleute das brennende Wrack zu löschen versuchten. (haem, dpa/ap/reuters)
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