Zweite Flutwelle in Pakistan befürchtet
Millionen Pakistaner sind auf Nothilfe angewiesen. (Keystone)
Am stärksten trifft die Flut die Schwächsten
Bei der Flutkatastrophe in Pakistan steht gemäss der Meteorologiebehörde des Landes das Schlimmste noch bevor. Nach Regenfällen im Norden zu Wochenbeginn rolle nun eine zweite Flutwelle durch die zentralpakistanische Provinz Punjab und weiter nach Süden, sagte der Behördenchef.
Millionenstadt könnte überflutet werden
Die Wassermassen liessen den Fluss Chenab anschwellen und könnten trotz Schutzmassnahmen die Stadt Multan mit ihren rund 4,5 Millionen Einwohnern treffen. Das wäre die bislang grösste von der Flut betroffene Stadt.
Bereits jetzt sind etwa 14 Millionen Menschen in Pakistan von der Katastrophe betroffen, davon sechs Millionen Kinder. Sechs Millionen Menschen benötigen dringend Überlebenshilfe.
Erste Pegel fallen - nun drohen Seuchen
In den am heftigsten betroffenen Provinzen Sindh und Punjab fielen zwar erstmals die Pegel von mehreren Flüssen und Staudämmen. Allerdings wurden in der Stadt Muzaffargarh erneut 400'000 Menschen vor den anrollenden Fluten evakuiert.
Für die kommenden Tage rechnen die Meteorologen nur noch mit vereinzelten Niederschlägen. Dagegen leiden die Flutopfer nun unter glühender Hitze; die Gefahr von Krankheiten und Seuchen steigt dadurch an. Die Uno warnte deswegen vor einer «zweiten Welle von Toten» und ermahnte die Weltgemeinschaft zu schnellerer Hilfe.
Nach Angaben eines Uno-Sprechers entstanden im Punjab erste Zeltstädte. «Wir schätzen, dass mindestens zwei Millionen Menschen dringend Obdach brauchen, einem Viertel von ihnen haben wir bereits helfen können».
Hunderttausende Tonnen Getreide vernichtet
Durch die Flutkatastrophe entstehen auch Milliardenschäden für die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft macht in Pakistan mehr als ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Landes aus, hier arbeitet fast jeder zweite Beschäftigte.
Die Bauern rechnen nun mit grossen Ernteausfällen bei Weizen, Zucker, Reis und Baumwolle. Bis zu 500'000 Tonnen der Weizenernte seien weggespült worden, teilte die Vereinigung der Landwirte mit. Pakistans Bauern ernteten 2009/10 knapp 24 Millionen Tonnen Weizen. Viele Bauern sind Selbstversorger. Sie haben mit der Flut ihre Lebensgrundlage verloren.
Zardari liess auf sich warten
Erstmals reiste am Donnerstag Präsident Asif Ali Zardari in die Flutgebiete. Er besuchte in der Provinz Sindh im Süden ein Flüchtlingslager und einen Staudamm.
Zardari war trotz beginnender Katastrophe zwei Wochen lang durch Europa gereist und dafür von seinen Landsleuten heftig kritisiert worden. Und obwohl die Lage täglich dramatischer wurde, kehrte er wie geplant erst am Dienstag zurück.
Im «Wall Street Journal» hatte Zardari sich verteidigt. Persönlich hätte er sicher vom «politischen Symbol» eines Besuchs vor Ort profitiert, schrieb er. «Doch hungrige Menschen können keine Symbole essen. Die Situation verlangte nach Aktion, und ich habe gehandelt und die Welt mobilisiert». (pet, sda/dpa/Reuters/afp)
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