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Sonntag, 22.8.2010

Iran nimmt Atomkraftwerk in Betrieb

Der Iran hat mit russischer Hilfe ein erstes Kernkraftwerk in Betrieb genommen. In der Hafenstadt Bushehr brachten Nuklearexperten aus Moskau die ersten der mehr als 160 Brennstäbe in den Reaktor.

Erstes iranisches Atomkraftwerk in Bushehr in Betrieb. (Reuters)

Von dem am Wochenende in Betrieb genommenen ersten Atomkraftwerk des Iran geht nach Einschätzung der USA keine Gefahr für die Verbreitung von atomwaffenfähigem Material aus. Der mit russischer Hilfe gebaute Reaktor in der Hafenstadt Bushehr zeige, dass Teheran für die zivile Nutzung von Kernenergie nicht selbst Uran anreichern müsse, teilte das US-Aussenministerium mit. Israel rief den Westen dagegen auf, den Druck auf den Iran zu erhöhen.

IAEA kontrolliert Vorgang
Nach mehr als 30 Jahren Bauzeit begannen russische und iranische Techniker am Samstag, die Anlage in Bushehr mit atomaren Brennstäben zu bestücken. Die Arbeit unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) soll in zwei Wochen abgeschlossen sein.

Die IAEA kündigte die Fortsetzung ihrer strengen Kontrollen an. Bis in zwei Monaten soll der Reaktor 50 Prozent seiner Leistungskraft von 1000 Megawatt erreichen. Ende Oktober könnte das Kraftwerk ans Stromnetz angeschlossen werden.

Anlage mit «internationalem Charakter»
Nach Angaben des Chefs der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, symbolisiert die Inbetriebnahme der Anlage die Entschlossenheit des Iran, sein «friedliches Atomprogramm» fortzuführen.

Der ebenfalls bei der Eröffnung anwesende Leiter der russischen Atombehörde Rosatom, Sergej Kirijenko, hob den «internationalen Charakter» der Anlage hervor, die unter der Kontrolle der IAEA stehe und an der «mehr als zehn Länder» mitgewirkt hätten.

Siemens startete den Bau 1979
Der deutsche Siemens-Konzern hatte den Bau des Kraftwerks noch vor der Iranischen Revolution im Jahr 1979 begonnen, im Zuge des Iran-Irak-Krieges waren die Arbeiten 1980 eingestellt worden. Russland liefert und entsorgt Brennstäbe.

Iran unter Verdacht, Atomwaffen herzustellen
Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Atomenergie heimlich nach Atomwaffen zu streben, was Teheran zurückweist. In dem seit Jahren schwelenden Streit hatte der Uno-Sicherheitsrat im Juni die bestehenden Sanktionen gegen Teheran verschärft, weil der Iran ungeachtet der internationalen Warnungen an seiner Urananreicherung festhält.

Aufforderung zu Verhandlungen
Frankreich rief Iran auf, sämtliche «Aktivitäten» zur Anreicherung von Uran einzustellen. Die Anlage in Bushehr zeige, dass dies für die zivile Nutzung der Atomenergie nicht nötig sei, teilte das Aussenministerium in Paris mit. Grossbritannien verlangte von der Regierung in Teheran, mit der internationalen Staatengemeinschaft wieder über das Atomprogramm zu diskutieren.

Israel gegen Inbetriebnahme
Israel reagierte kritisch auf die Inbetriebnahme der Anlage in Bushehr. Das israelische Aussenministerium erklärte, es sei «unverständlich», dass ein Land, das gegen die IAEA-Regeln verstosse, von den «Früchten der Atomenergie» profitieren könne. (rend, sda/afp)

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