In Pakistan droht Hungersnot
Die internationale Hilfe erreicht Flutopfer. (Keystone)
Pakistan kämpft seit Ende Juli gegen die schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte. Zuerst war vor allem der Norden und das Zentrum des Landes betroffen. Ab Mitte August verschlimmerte sich auch die Lage im Süden des Landes.
Das von der schwersten Flutkatastrophe seit Jahrzehnten heimgesuchte Pakistan kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Tausende bereits ihr Hab und Gut verloren haben, droht nun eine Hungersnot. Bereits Millionen von Menschen in den Krisengebieten würden Hunger leiden, teilte ein Sprecher des Uno-Welternährungsprogramms (WFP) in Islamabad mit.
Reisanbaugebiete zerstört
Der Hunger schwächt die Flutopfer und macht sie noch anfälliger für Krankheiten. Die Überschwemmungen haben grosse Teile der pakistanischen Reisanbaugebiete zerstört. Zunehmend betroffen ist dabei auch die südliche Provinz Sindh, die als Kornkammer des Landes gilt.
30'000 Säuglinge vom Tod bedroht
Nach Einschätzung der deutschen Regierung sind 30'000 Neugeborene vom Tod bedroht, wenn sie nicht rasch Hilfe bekommen. Es werde erwartet, dass in den kommenden Wochen 90'000 Kinder in den Überschwemmungsgebieten und Lagern zur Welt kämen, sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung in Berlin nach der Rückkehr von einem mehrtägigen Besuch in Pakistan.
Ein Drittel dieser Kinder sei akut gefährdet, solange sauberes Trinkwasser, Lebensmittel und eine medizinische Versorgung fehlten. Auch ältere Kinder seien sehr anfällig für Krankheiten: 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren seien unterernährt und damit schon vor dem Hochwasser geschwächt gewesen.
Etwa 1,5 Millionen Flutopfer müssten medizinisch versorgt werden, sagte Uno-Sprecher Maurizio Giuliano. Besonders häufig seien Durchfall und Hauterkrankungen
Mindestens 40 zusätzliche Helikopter nötig
Das WFP benötigt zur Versorgung der Flutopfer nach eigenen Angaben mindestens 40 zusätzliche Helikopter, um Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete zu transportieren.
Der Bundesrat hatte am letzten Mittwoch entschieden, Pakistan drei Maschinen vom Typ Alouette III zu schenken. Wie die Geräte in das Land transportiert werden, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsdepartements VBS.
Weitere Dämme geborsten
Binnen 24 Stunden flüchteten laut den Behörden im Süden Pakistans rund 200'000 weitere Menschen aus ihren Häusern. Die Wassermassen wälzten sich durch Reisanbaugebiete immer weiter vor und durchbrachen Dämme. Einige Bewohner öffneten auch Deiche und Strassen, um die Fluten umzuleiten und ihre Häuser zu retten.
Nach neuesten Uno-Angaben sind insgesamt 16,68 Millionen Pakistaner von der Flut betroffen. Etwa 800'000 davon hätten bislang noch keinerlei Hilfe erhalten. Vor allem am Unterlauf des Indus im Süden des Landes ist die Lage weiterhin angespannt.
Gebiete im Norden auf Landweg kaum zu erreichen
Zahlreiche Regionen sind noch immer von der Aussenwelt abgeschnitten, da das Hochwasser viele Strassen und Brücken zerstört hat. So ist es Helfern erst in den vergangenen Tagen gelungen, in entlegene Gebiete der Gebirgsdistrikte Shangla und Kohistan im Norden des Landes vorzudringen, die bereits vor drei Wochen von Überschwemmungen heimgesucht worden waren.
Bis zu 3400 Menschen sind bisher ums Leben gekommen. Strassen, Brücken und ganze Dörfer wurden zerstört, mehr als vier Millionen Menschen sind obdachlos.
800 Millionen Dollar gespendet
Pakistan hat bisher Spenden und Hilfszusagen in Höhe von gut 800 Millionen Dollar erhalten. Die Resonanz der Staatengemeinschaft sei überwältigend, sagte Aussenminister Shah Mehmood Qureshi in Islamabad. Die Uno hatte um 460 Millionen Dollar Soforthilfe gebeten, allerdings braucht das Land vermutlich deutlich mehr Hilfe als bisher veranschlagt. (bat/haem/rend, sda/dpa)
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