Iran brüskiert die USA
Iran hat die EU, Russland, China und weitere Länder, nicht aber die USA, eingeladen, seine Atomanlagen zu besichtigen. Demnach schlug Teheran für den Besuch das Wochenende des 15. und 16. Januar vor. Ins Auge gefasst würden Treffen mit hochrangigen Vertretern der angesprochenen Staaten, hiess es in dem Schreiben, das der Agentur AP vorliegt.
Nächste Verhandlungsrunde im Visier
Mit dem Angebot will sich die iranische Regierung offenbar Unterstützung sichern, bevor die Verhandlungen mit den fünf ständigen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats und Deutschland fortgesetzt werden.
In dem auf den 27. Dezember datierten Schreiben, das am Montag der Nachrichtenagentur zugänglich gemacht wurde, ist von einem «Besuch der iranischen Atomanlagen» die Rede, für den sämtliche Kosten übernommen würden. Ein Gewährsmann der AP bei der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) in Wien erklärte, das Schreiben sei an Russland, China, Ägypten, Kuba, die Gruppe der Blockfreien und die Mitglieder der Arabischen Liga sowie an Ungarn als derzeitige EU-Ratspräsidentschaft gerichtet.
USA sind brüskiert
Keine Einladung hat demnach Washington erhalten. Der Sprecher des US-Aussenministeriums, Philip Crowley, sprach von einem «cleveren Trick». Entscheidend sei, dass Teheran seine Atomanlagen der IAEA öffnen müsse. Auch von europäischer Seite gab es verhaltene Reaktionen.
Die USA und andere westliche Staaten verdächtigen Iran, den Bau von Atomwaffen vorzubereiten. Teheran weist diese Anschuldigung zurück.
Besuche in Bushehr und Natans
Es sollen die Anlagen in Bushehr und Natans besichtigt werden, sagte der bei der IAEA akkreditierte Diplomat. Ausserdem seien Treffen mit dem amtierenden iranischen Aussenminister geplant, der Leiter der iranischen Atombehörde ist.
Die Reaktoranlagen in Bushehr, die vermutlich noch im Februar in Betrieb gehen sollen, bereiten der internationalen Gemeinschaft indes wenig Sorgen: Es ist sichergestellt, dass die abgebrannten Brennstäbe nach Russland gebracht werden und nicht für den Bau von Atomwaffen missbraucht werden können. Deutlich kritischer wird die Anlage in Natans gesehen, wo in knapp 9000 Zentrifugen Uran angereichert wird.
Vorgängige Gespräche gescheitert
Anfang Dezember hatten sich iranische Beamte mit Vertretern aus Deutschland, den USA, China, Russland, Frankreich, Grossbritannien und der EU in Genf getroffen, um über das Teheraner Atomprogramm zu verhandeln. Die Gespräche gingen ohne konkrete Ergebnisse zu Ende, vereinbart wurde lediglich ein weiteres Treffen zu Beginn dieses Jahres in der Türkei.
Bei den Gesprächen in Genf zeigte sich die iranische Delegation nach Angaben von Diplomaten nicht zu Gesprächen über die Forderungen des Uno-Sicherheitsrats nach einem Stopp der Urananreicherung bereit. Iranische Unterhändler lehnten es ausserdem ab, über das Thema bei einem nächsten Treffen zu diskutieren. (bat, sda/dapd)
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