Guttenberg verzichtet vorläufig auf den Doktor
Will erstmal kein Doktor mehr sein: Der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg. (Reuters)
Für seine Reaktion auf die Plagiatsvorwürfe hat der deutsche Verteidigungsminister am Morgen nicht die übliche Runde der Berliner Journalisten gewählt. Die Einladung erging stattdessen nur an ausgewählte Journalisten.
Die Bundespressekonferenz - ein Zusammenschluss der Hauptstadt-Korrespondenten - protestierte gegen dieses Vorgehen. Der Vorstand beschwerte sich in einem Brief an Guttenberg darüber, dass er zeitgleich zur routinemässigen Regierungspressekonferenz nur wenige Journalisten überstürzt ins Ministerium geladen habe.
Guttenberg bedauerte in seiner Antwort «die Parallelität der Presseunterrichtungen». Er betonte: «Leider wird es gerade in meinem Ressort immer wieder Ereignisse geben, die einen gesetzten Zeitplan durcheinanderbringen.» Dies wolle er in Zukunft möglichst vermeiden. «Ich hoffe auf Ihr Verständnis.»
In Deutschland zieht Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Konsequenzen aus der so genannten Copy-and-Paste-Affäre rund um seine Doktorarbeit. Er hat sich entschuldigt und will nach den Plagiatsvorwürfen der vergangenen Tage nun vorerst darauf verzichten, seinen Doktortitel zu führen.
Dies gelte bis zum Abschluss der Überprüfung seiner Doktorarbeit durch die Universität Bayreuth, sagte Guttenberg vor Journalisten in Berlin. Die von ihm verfasste Dissertation sei in mehreren Jahren neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter und Pflichten als Familienvater in mühevoller Kleinarbeit entstanden.
«Kein Plagiat»
Die Arbeit sei kein Plagiat, so der Minister. Er räumte aber ein, dass sie «fraglos Fehler» enthalte. Über jeden einzelnen sei er selbst am unglücklichsten. Zu keinem Zeitpunkt habe er allerdings bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft einzelner Teile der Dissertation nicht kenntlich gemacht, betonte der Minister.
Guttenberg sagte, dass er zu seiner Dissertation jetzt nur noch mit der Universität kommunizieren wolle. Er werde die Überprüfung seiner Doktorarbeit aktiv unterstützen. Ansonsten werde sich auf seine Arbeit als Verteidigungsminister konzentrieren.
Aus Regierungskreisen hiess es, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe trotz der Affäre «volles Vertrauen in ihren Minister. Sie hatte sich am späten Donnerstagabend mit Guttenberg getroffen. Auch CSU-Chef Horst Seehofer sicherte Guttenberg «volle Solidarität und Unterstützung» zu. «Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seiner heutigen Erklärung eine sehr respektable Haltung gezeigt.»
Universität Bayreuth: «Nehmen Vorwürfe ernst»
Die Universität Bayreuth, an der Guttenberg 2007 promoviert worden war, hat Guttenberg aufgefordert, innerhalb von zwei Wochen zu den Plagiatsvorwürfen Stellung zu nehmen. Universitäts-Präsident Rüdiger Bormann sagte, es gebe keine Hinweise darauf, dass das Promotionsverfahren nicht ordnungsgemäss verlaufen sei. «Wir haben sehr strenge Qualitätsmassstäbe», sagte er. «Wir sind gut beraten, diese einzuhalten.»
Der Universitäts-Präsident geht davon aus, dass Guttenberg die von allen Doktoranden geforderte ehrenwörtliche Erklärung abgegeben hat, wonach er die Arbeit selbstständig verfasst und alle Quellen offengelegt hat. «Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst», sagte Bormann. (ank, dpa/reuters)
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