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Montag, 14.3.2011

Ghadhafi nutz diplomatisches Tauziehen für Luftangriffe

Während der Uno-Sicherheitsrat weiter über eine Flugverbotszone diskutiert, bombardieren Ghadhafis Kampfjets Gebiete im Osten Libyens und drängen die leicht bewaffneten Gegner weiter zurück.
Karte: Libyen

Die Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats haben keine Einigung über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen erzielt.

Viele offene Fragen
Nach Gesprächen hinter verschlossener Tür sagte der deutsche Uno-Botschafter Peter Wittig, die Bundesrepublik habe noch Fragen zu dem Plan, die beantwortet werden müssten. Auch Russland, Brasilien und Südafrika zeigten sich skeptisch.

Insbesondere Frankreich und Grossbritannien haben zur Einrichtung einer Zone gedrängt, um die Angriffe der libyschen Luftwaffe gegen Aufständische zu unterbinden.

Ghadhafi Jets bedrängen Rebellen
Am Montag bombardierten Kampfflugzeuge des libyschen Machthabers Muammar Ghadhafi die östliche Küstenstadt Brega sowie Ajdabiya, die grösste Stadt zwischen der Front und der Rebellenhochburg Benghasi. Laut den Rebellen waren Waffenlager Ziel der Angriffe, um den Aufständischen den Nachschub abzuschneiden.

Die Luftangriffe bedeuten für die nur leicht bewaffneten Regimegegner einen bedeutenden strategischen Nachteil. «Wir brauchen Waffen von der internationalen Gemeinschaft, um Ghadhafi bekämpfen zu können», sagte ein Rebellen-Kommandant in Benghasi. Stattdessen sehe die Welt zu, wie «dieser Kriminelle» sein Volk abschlachte.

Unklare Lage in Brega
Ajdabiya liegt rund achtzig Kilometer östlich der Ölstadt Brega, um die sich Ghadhafi-Streitkräfte und Rebellen am Wochenende heftige Kämpfe geliefert hatten. Inzwischen melden die Aufständischen, den Hafen von Brega wieder zu kontrollieren.

Von Ajdabiya zum Zentrum der Rebellen in Benghasi sind es rund 160 Kilometer; dieses streben Ghadhafis Kräfte offenbar an. An der Strasse zwischen Ajdabiya und Benghasi, flohen am Montag viele Zivilisten mit Lastwagen in Richtung Osten, die LKW beladen mit Koffern, Taschen und Matratzen. In der gesamten Region blies ein Sandsturm.

IKRK zieht Personal ab
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat wegen Sicherheitsbedenken einen Teil seines Personals aus dem Osten Libyens versetzt. Das IKRK habe sich aus Adschdabija zurückgezogen und 20 Delegierte umquartiert, sagte ein IKRK-Sprecher der Nachrichtenagentur SDA.

Das IKRK habe keine genügenden Sicherheitsgarantien erhalten, um sich nach Ras Lanouf und Brega zu begeben, wo sich Aufständische und Truppen Ghadhafis in den vergangenen heftige Kämpfe lieferten, fügte der Sprecher hinzu. Zum Westen Libyens hat das IKRK weiterhin keinen Zugang.

Libanon unterstützt Flugverbot
Nach Angaben von Diplomaten könnte Libanon die Forderung der Arabischen Liga nach einem Flugverbot in den Sicherheitsrat einbringen. Er ist derzeit das einzige arabische Land im mächtigsten Uno-Gremium.

Die Arabische Liga hatte das höchste Uno-Gremium am Wochenende aufgefordert, ein solche zu verhängen, um die Bevölkerung vor Luftangriffen der Truppen von Diktator Muammar Ghadhafi zu schützen.

Türkei gegen Nato-Intervention
Derweil hat sich die Türkei entschieden gegen einen Nato-Einsatz in Libyen ausgesprochen. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan sagte in Istanbul, er glaube, dass ein militärisches Eingreifen der Nato sich nicht lohnen würde und gefährliche Folgen haben könnte. Die Türkei ist Nato-Mitglied, das einzige muslimische.

Ein sypathischer Präsident für Libyen
Später in einem Interview schlug Erdogan dem libyschen Machthaber Ghadhafi vor, für eine Übergangsperiode einen Präsidenten zu ernennen. Im arabischen Fernsehsender Al-Arabia sagte der türkische Regierungschef, um die Krise in Libyen zu beenden, müsse Ghadhafi einen populären Mann an die Spitze des Landes setzen.

Gaddafi hat seit vier Jahrzehnten die Macht im Land, führt jedoch nicht den Titel eines Präsidenten. Er bezeichnet sich selbst als Revolutionsführer. (brar/rend, afp/reuters/dpa)

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Audio-Beiträge:


NZZ-Korrespondent Viktor Kocher: «Der Westen kann nicht einfach unliebsame Staatschefs entmachten.»(Simone Fatzer, 14.3.2011)
Hören (4:54)

NZZ-Korrespondent Viktor Kocher: «Ich glaube nicht, dass der Westen einfach zuschauen kann, wie das freie Libyen untergeht.» (Daniel Schmidt, 13.3.2011)
Hören (3:14)

Dossier: Libyens Aufbruch in eine ungewisse Zukunft

Ghadhafi-Zitate: Weltbild eines Unberechenbaren

Libyens rivalisierende Stämme

Der Ghadhafi-Clan (Bildstrecke)
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