Kältefrei in Serbien
Blick auf die teilweise zugefrorene Donau in Belgrad: Die serbische Regierung hat für die kommende Woche kältefrei gegeben, um Strom zu sparen. (Reuters)
Heftige Schneefälle haben grosse Teile der Balkanhalbinsel in neues Chaos gestürzt. Um Strom zu sparen, bestimmte die serbische Regierung die nächste Woche als arbeitsfrei. Staatsunternehmen und Behörden bleiben geschlossen, private Firmen sollten ihren Mitarbeitern ebenfalls freigeben. «Wir reden über die Gefahr, dass das Stromsystem auseinanderfliegt», begründeten die Behörden ihren Schritt. Heizkraftwerke liefen an ihren Kapazitätsgrenzen.
Nach Angaben des Notfallstabes sind im ganzen Land derzeit 50'000 Menschen eingeschneit. 19 Menschen starben an den Folgen der Kälte. Unzählige Strassen sind nach wie vor nicht befahrbar.
In Serbien und Bosnien-Herzegowina dürfen Schüler und Studenten eine weitere Woche zu Hause bleiben. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die Regierungen beider Länder die Schulen und Universitäten geschlossen.
Italien stöhnt unter Schnee und Kälte
Die ungewöhnlich strenge Witterung versetzt auch Italien weiterhin in einen Ausnahmezustand. Medienberichten zufolge starben seit Freitag sechs Menschen - seit Beginn der Kältewelle sollen es mindestens 53 gewesen sein. Viele Opfer waren obdachlos, andere starben in ihren Wohnungen an Kohlenmonoxidvergiftungen, bei Autounfällen oder weil wegen verschneiter Strassen Rettungskräfte bei medizinischen Notfällen zu spät kamen.
Die Haupstadt Rom erlebt in diesen Tagen die heftigsten Schneefälle seit den 1980-er Jahren. In der Nacht auf Samstag durchwehte ein eisiger Sturm die Stadt, seit Freitagnachmittag schneit es fast ununterbrochen. In der 3,5 Millionen-Einwohner-Metropole sorgte das zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage für Chaos. Der Verkehr kam praktisch zum Erliegen. Die grosse Stadtumfahrung musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.
Römer sollen aufs Auto verzichten
Auch auf dem Flughafen Fiumicino kam es zu chaotischen Zuständen. Am Freitagabend wurden 20 Flüge gestrichen, 2000 Passagiere mussten die Nacht im Flughafen verbringen. Die Züge zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum waren nur mit grossen Verspätungen unterwegs. Teile des regionalen Bahnverkehr brachen zusammen. Bürgermeister Gianni Alemanno rief die Römer auf, nicht das Auto zu nutzen.
Begeistert vom Schnee waren die Touristen. Die Spanische Treppe, der Trevi-Brunnen oder die Piazza Navona im Schnee waren ein beliebtes Sujet bei den Fotografen. Wegen des Schnees blieben aber viele Touristen-Attraktionen geschlossen: Kolosseum, Forum Romanum, der Palatinshügel sowie andere archäologische Stätten. Auch der Petersplatz im Vatikan war eingeschneit.
Armee im Einsatz
Die Kältewelle lähmt ganz Italien. Die Armee ist in mehreren Regionen im Einsatz, um die Strassen in eingeschneiten Bergdörfern zu befreien. Tausende Menschen sind nach Berichten italienischer Nachrichtenagenturen von ihrer Umwelt abgeschlossen. In Berggebieten der Region Abruzzen berichteten die Einwohner von ausgehungerten Wölfen, die sich auf der Suche nach Nahrung den Häuser genähert hätten. Schneefälle wurden auch aus dem Süden des Landes gemeldet. (ank, dpa/sda/apa)
