Ghadhafi bezeichnet Uno als Diktatur
Muammar Ghadhafi vor der Uno-Vollversammlung. (Reuters)
US-Präsident Barack Obama hat in seiner ersten Rede vor der Uno die Staatengemeinschaft aufgerufen, die weltweiten Probleme gemeinsam anzugehen. Damit rückte er vom Führungsanspruch der USA in der Welt ab.
«Diejenigen, die früher Amerika für Alleingänge gerügt haben, können nun nicht einfach nur herumstehen und darauf warten, dass Amerika die Probleme der Welt alleine löst», sagte der US-Präsident.
Um eine friedliche und prosperierende Zukunft zu sichern, seien vier Voraussetzungen notwendig, erklärte Obama: die nukleare Abrüstung, die Förderung von Frieden und Sicherheit, die Rettung der Erde und die Sicherung einer Weltwirtschaft, die allen Menschen eine Chance biete.
Protest gegen Ghadhafi
Obama erhielt für seine Rede viel Applaus. Selbst der libysche Staatschef Muammar Ghadhafi zollte ihm Respekt. Als aber Ghadhafi ans Rednerpult trat, gab es Unruhe im Publikum. Rund die Hälfte der Anwesenden verliessen den Saal, unter ihnen auch US-Aussenministerin Hillary Clinton und die amerikanische Uno-Botschafterin Susan Rice.
In seiner rund eineinhalb stündigen Rede warf Ghadhafi der Uno vor, sie habe sich zunehmend zu einer Diktatur der Grossmächte entwickelt. Um das Gremium demokratischer zu machen, müssten mehr Länder in den Uno-Sicherheitsrat aufgenommen werden. Ausserdem müsse das Veto-Recht abgeschafft werden, das die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats innehaben, verlangte Ghadhafi.
Libyen hat in diesem Sitzungsjahr turnusgemäss den Uno-Vorsitz inne. Deshalb trat Ghadhafi zum ersten Mal vor der Vollversammlung auf.
Ghadhafs Graffito und sein Zelt
Schon vor seiner Rede hatte sich Ghadhafi im Uno-Gebäude verewigt. Er liess sich kurz nach seiner Ankunft in New York den Platz des Vorsitzenden zeigen. Der libysche Staatschef zückte seinen Stift und schrieb in arabischer und englischer Sprache «Wir sind hier» auf den Platz.
Laut US-Medienberichten hat der libysche Staatschef inzwischen auch endlich einen Platz gefunden, wo er sein Beduinenzelt aufschlagen kann - nämlich auf einem Anwesen, das dem Immobilienmogul Donald Trump gehört.
Zwei Bundesräte in New York
Am Donnerstag wird Bundespräsident Hans-Rudolf Merz seine Rede vor der Uno-Vollversammlung halten. Seit Montag befindet sich auch Aussenministerin Micheline Calmy-Rey in New York. Sie wohnt der Eröffnung der Generaldebatte bei und präsidiert ein Ministertreffen zum 60-jährigen Bestehen der Genfer Konventionen.
Die Staats- und Regierungschefs oder Aussenministern aller 192 Mitgliedsländer der Uno sind in New York für die sogenannte Generaldebatte zusammengekommen. Das fünftägige Treffen soll eine offene Aussprache zwischen allen Teilnehmern sein. (cdm, ap/dpa/reuters/sda)
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