Gelbe Karte für Thilo Sarrazin
Sarrazin zeigt sich von der Entrüstung unbeeindruckt. (Keystone)
Begleitet von massiver Kritik hat das Vorstandsmitglied der deutschen Notenbank, Thilo Sarrazin, sein umstrittenes Buch zur Migration vorgestellt - und nichts zurückgenommen.
«Ich lade alle ein, Unstimmigkeiten in meiner Analyse zu finden», sagte er bei der Vorstellung von «Deutschland schafft sich ab» in Berlin. Das werde aber nicht einfach sein. Sarrazin, der früher Finanzminister des Stadtstaats Berlin war, erteilte auch all den Rücktrittsforderungen eine Absage: «Ich werde auch in einem Jahr noch im Amt sein.»
Verwarnung von der Bundesbank
Sein Arbeitgeber, die Bundesbank, erteilte ihm allerdings eine Verwarnung. Zwar beschloss der Vorstand in einer Sondersitzung, dass Sarrazin bis auf weiteres tatsächlich bleiben darf. Allerdings distanzierte sich die Führungsspitze um Bundesbankchef Axel Weber «entschieden von diskriminierenden Äusserungen» Sarrazins.
Über die Zukunft des 65-jährigen, der der Bundesbank durch seine Äusserungen Schaden zufüge, solle aber erst nach einem Gespräch mit ihm «zeitnah» entschieden werden. Sarrazin nahm wegen seiner Buchvorstellung nicht an der Sitzung teil.
SPD treibt Ausschluss voran
Auch aus seiner Partei, der SPD, weht Sarrazin ein rauer Wind entgegen. Dort wird der Ausschluss des langjährigen Mitglieds vorangetrieben.
Der Hamburger SPD-Landeschef Michael Müller erklärte, Sarrazin habe mit seinen Provokationen, seiner Wortwahl und seiner Haltung deutlich gemacht, «dass er ganz offensichtlich in einer ganz anderen Gesellschaft lebt und leben will als wir». Dies mache klar: «Er gehört nicht mehr zu uns», so Müller.
Umstrittene Äusserungen
Vorab veröffentlichte Passagen aus dem Buch Sarrazins hatten mit Thesen zur Integration grosse Empörung ausgelöst. Sarrazin warnt in seinem Buch davor, dass die Deutschen zu «Fremden im eigenen Land» werden könnten. Das deutsche Volk und der deutsche Staat stünden «an einer Zeitenwende - besonders wegen demografischer Verwerfungen. Das deutsche Volk ist rein quantitativ auf dem Weg, sich selbst abzuschaffen.»
Sarrazin wirft den Muslimen in Deutschland mangelnden Integrationswillen vor. Das Problem sei nicht die ethnische Herkunft, sondern liege in der islamischen Kultur und Religion.
Regierung macht Druck
Nach Ansicht der Bundesregierung hat Sarrazin mit seinen Äusserungen das weltweit hohe Ansehen der Bundesbank geschädigt. Dies erklärte der Sprecher der Regierung in Berlin. Damit bekräftigte er die scharfe Kritik der Bundeskanzlerin. Angela Merkel hatte Sarrazins Äusserungen als inakzeptabel bezeichnet. Er mache ganze Gruppen in einer Gesellschaft verächtlich, so Merkel. (ank/bat, sda/dpa/reuters/ddp)
