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  • Zurück zum Dossier «Die Indianer und die Olympischen Spiele»

Beteiligung und Kritik von Seiten der Indianer

Die Olympischen Winterspiele von Vancouver haben auf Land stattgefunden, das vier eingeborene Völker als ihr Territorium betrachten. Die Haltung der Indianer zum Riesenanlass ist sehr unterschiedlich.

Manche Indianer in Britisch Kolumbien sahen die Spiele als herausragende Gelegenheit, die reichhaltige Kultur ihrer Völker der Weltöffentlichkeit zu präsentieren - und gleichzeitig auch auf ihre Probleme und Anliegen aufmerksam zu machen.

Das Organisationskomitee der Spiele (Vanoc) unternahm einiges, die Ureinwohner Kanadas einzubeziehen. Das Emblem der Spiele ist einem Inukshuk nachempfunden, einem «Steinmännchen», das früher die Inuit im hohen Norden als Wegmarke aufstellten. Es wird heute als Symbol der Gastfreundschaft bezeichnet. Der traditionelle Fackellauf führte durch ganz Kanada und besuchte auch über 100 Siedlungen der Indianer, Inuit und Métis.

Indianische Medaillen
Die Medaillen für die Spiele wurden von der Künstlerin Corinne Hunt gestaltet, die zum Volk der Komoyue (ein Unterstamm der Kwakiutl) auf Vancouver Island gehört. Sie liess sich dabei von traditionellen Motiven inspirieren, welche einen Raben und einen Schwertwal darstellen. Diese Tiere spielen in der Mythologie der Indianer an der Nordwestküste Kanadas eine grosse Rolle.

Auch wurden indianische Künstler und Firmen an den Bauarbeiten für die Spiele beteiligt. Gemäss kanadischen Medienberichten gingen gut 50 Millionen kanadische Dollar an indianische Unternehmen, ein hochwillkommener Impuls für die Wirtschaft auf den «Reserves», wo die Arbeitslosigkeit wesentlich höher ist als ausserhalb. Wie viele der Jobs nach den Spielen erhalten bleiben, ist allerdings eine offene Frage.

Indianische Gastgeber
Die Agglomeration von Vancouver und die zwei Autostunden nördlich davon liegende Region von Whistler liegen auf dem traditionellen Territorium von vier indianischen Völkern, die in Kanada heute First Nations genannt werden: den Lil'wat, den Squamish, den Tsleil-Wau-Tuth und den Musqueam.

Vertreter dieser First Nations wurden schon 2003 bei der Kandidatur um die Austragung der Spiele und später bei der Planung einbezogen. Der Häuptling der Squamish, Gibby Jacob, ist Mitglied des 20köpfigen Direktoriums.

Die vier Völker bildeten auch eine eigene Organisation, die Four Host First Nations. In Whistler und in Vancouver wurden Millionen investiert in zwei Kulturzentren, in denen sich Touristen auch noch lange nach den Spielen über die Kultur und frühere Lebensweise der eingeborenen Gastgeber informieren können.

Angst um Umwelt
Doch vor allem bei den Lil'wat, die nördlich von Whistler leben, gibt es auch kritische Stimmen. Die Gegend von Mount Currie ist bis jetzt weitgehend verschont geblieben von touristischen Anliegen und Immobilienboom. Die Befürchtung ist, dass der Druck auf dieses Gebiet zunimmt.

Seit 1990 verfolgt Nancy Greene-Raine, 1968 Abfahrts-Olympiasiegerin von Grenoble, ein Projekt für ein neues 11'000-Betten-Ski-Resort im Cayoosh-Tal östlich von Mount Currie. Die Lil'Wat haben dieses Projekt mehrmals vehement abgelehnt.

Die olympischen Wettkämpfe von Whistler fanden allerdings in Gebieten statt, in denen schon länger Wintersport betrieben wurde. Neu gebaut wurde im bisher wenig berührten Callaghan-Tal der Whistler Olympic Park, mit Stadien für Biathlon und Langlauf sowie den Sprungschanzen. Doch wird Langlauf im Callaghan-Tal schon seit Mitte der 1990er Jahre betrieben.

Viele Obdachlose
In Vancouver lösten vor allem die hohen Kosten für die Spiele Kritik aus. Die Zeitung «Vancouver Sun» schätzte schon vor einem Jahr, dass diese um die 6 Milliarden kanadische Dollar betragen werden. Darin eingerechnet sind unter anderem auch der Ausbau der Strasse nach Whistler, eine Schnellbahn vom Flughafen in die Innenstadt und die Kosten für Tausende von Sicherheitsleuten.

Dieses Geld hätte man besser in Schulen, in das Gesundheitswesen und in sozialen Wohnbau gesteckt, machte das Olympic Resistance Network geltend, in dem auch viele Indianer aktiv sind.

Soziale Institutionen wiesen darauf hin, dass seit der Vergabe der Spiele 2003 viel günstiger Wohnraum für ärmere Schichten verloren ging. Nach Angaben der Stadt stieg die Zahl der «homeless people» seit 2002 stark an, von rund 1100 auf rund 2600 im Jahre 2008. Viele von ihnen leben in billigen Hotels, andere auf der Strasse.

«Spiele auf gestohlenem Land»
Und immer wieder wiesen indianische Kritiker darauf hin, dass in Britisch Kolumbien die indianischen Völker nie einen Vertrag mit der britischen Krone oder der kanadischen Regierung abgeschlossen hatten über die Abtretung ihres Landes. Die Spiele hätten deshalb «auf gestohlenem Land» stattgefunden. (acct)

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Weiterführende Links zum Beitrag:

  • Das Organisationskomitee der Olympischen Winterspiele.
  • Die vier gastgebenden «First Nations».
  • Die Stadt Vancouver im Web.
  • Die Organisation der Olympia-Gegner.
  • Eine weitere Organisation von Olympia-Gegnern.

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