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(Keystone)

Teerklumpen verschwunden - Angst bleibt

Ein Jahr nach der verheerenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko halten Experten ein weiteres Unglück ähnlichen Ausmasses jederzeit für möglich. Sie beklagen die weiterhin ungenügenden Regelungen für Tiefseebohrungen.

Die Explosion der BP-Bohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko hat am 20. April 2010 die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst. Ein Jahr später hat sich das Ökosystem zwar offenbar überraschend gut erholt und die meisten Strände sind gereinigt. Doch die Angst vor den Spätschäden durch das abgelagerte Öl und sieben Millionen Liter versprühter chemischer Ölbekämpfungsmittel ist geblieben.

Die Ölindustrie sei schlecht auf mögliche Unglücke vorbereitet, sagt Charles Perrow, Professor an der Yale University. Der Experte für Unfälle beim Einsatz hochriskanter Technologien glaubt nicht, dass die Ölindustrie «Wege gefunden hat, um die Unternehmenskultur ausreichend zu verändern, um künftige Unglücke zu vermeiden».

Perrow: Weitere Öllecks wahrscheinlich
Perrow hält es für wahrscheinlich, dass es in den kommenden fünf Jahren mindestens ein grösseres Ölleck geben werde. «Selbst wenn sich jeder viel Mühe gibt, wird es ein Unglück geben, verursacht durch Kostensenkung und Druck auf Arbeiter», sagt er.

Die Ölfirmen «sind Geld verdienende Maschinen und sie machen Geld, in dem sie Dinge bis an die Grenze treiben», sagte Perrow.

Neues Sicherheitssystem umstritten
Seit der Katastrophe ist die Ölindustrie zwar mit der Einführung neuer Technologien konfrontiert und Aufsichtsbehörden verstärkten die Kontrolle. Doch viele dieser Neuerungen bleiben nicht ohne Kritik. Unter anderem gibt es Zweifel an der Wirksamkeit eines viel gepriesenen neuen Systems, das austretendes Öl an einem beschädigten Bohrloch auffangen soll.

Nach Angaben der Ölfirmen kann das System austretendes Öl in bis zu rund 2400 Meter Tiefe schnell eindämmen und bis zu 60'000 Barrel Öl pro Tag auffangen. Zum Vergleich: Am Höhepunkt der Ölpest im Golf von Mexiko Mitte Juni 2010 waren täglich etwa 57'000 Barrel Öl in einer Tiefe von rund 1500 Meter ausgelaufen. Im Meer wurde das System allerdings noch nie getestet. Laut den Ölfirmen ist dies nicht nötig.

Kritik an der Vergabe neuer Bohrlizenzen
Kritiker bemängeln auch, dass Bohrlizenzen vor der Genehmigung der Katastrophenpläne erteilt würden. Auf Druck von Ölindustrie und Abgeordneten hatte die Regierung von US-Präsident Barack Obama nach einem einmonatigen Moratorium die Erteilung von Bohrlizenzen Anfang dieses Jahres wieder aufgenommen.

Nach der Explosion der «Deepwater Horizon» waren Ölproduzenten wie BP für Mängel in den gesetzlich vorgeschriebenen Katastrophenplänen kritisiert worden. Unter anderem hätten Firmen die Zeit, die auslaufendes Öl braucht, um die Küste zu erreichen, erheblich unterschätzt, hiess es.

Aufsichtsbehörde lässt sich Zeit
Die für die Genehmigung solcher Pläne zuständige US-Aufsichtsbehörde teilt mit, dass sie für die Bearbeitung der Katastrophenpläne zwei Jahre Zeit habe. Auch wenn die Pläne noch nicht abgesegnet seien, könnten Ölkonzerne ihre Antragstellung auf eine Bohrgenehmigung fortsetzen und eine Lizenz bekommen.

Die Firmen müssten dabei schriftlich bescheinigen können, dass sie mit einem Ölleck umgehen könnten, erklärte Behördensprecherin Eileen Angelico.

«Dies ist die gleiche Art von Rücksichtnahme auf angebliche (Öl)Firmenexpertisen, die geradewegs zu dem BP-«Deepwater Horizon»-Desaster führte», kritisierte der leitende Anwalt der Umweltorganisation National Ressources Defense Council.

Zuversicht bei der Ölindustrie
Während Kritiker Unzulänglichkeiten bei Technik und Regelungen sehen, äussern sich Vertreter der Ölindustrie zuversichtlich, eine Katastrophe wie die des Vorjahres verhindern zu können. Der Ölkonzern BP teilt mit, man sei inzwischen eine viel sicherere Firma. Während der letzten Ölpest seien  Fortschritte gemacht worden. Das Unternehmen sei in der Lage, auf ein Ölleck zu reagieren, sagt BP-Sprecher Daren Beaudo.

Bei der Explosion der BP-Plattform «Deepwater Horizion» waren elf Menschen ums Leben gekommen. Bis das Bohrloch gestopft war, flossen während fünf Monaten insgesamt rund 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf. Über 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt.

Mysteriöse Spätfolgen
Hunderttausende Tiere starben in den Ölfluten. Zurzeit macht die Verschlechterung verschiedener Indikatoren den Wissenschaftern Sorgen. Sie verweisen unter anderem auf das mysteriöse Sterben hunderter junger Delfine und Schildkröten, merkwürdige Flecken auf Krebsen und abgestorbene Stellen auf dem Meeresboden.

Kritik an Entschädigungspolitik
Die Folgen der Katastrophe für Fischer und Anwohner wie auch den Tourismus  waren gravierend. Zehntausende Geschäftsleute und Einzelpersonen warten noch immer auf Gelder aus dem von BP mit 20 Milliarden Dollar ausgestatteten Entschädigungsfonds. Viel Geld war an die Gemeinden geflossen, die frei über den Einsatz verfügen konnten. Die Privaten kritisieren, BP habe sich damit das Wohlwollen von Politikern und Medien erkauft. (bru, sda/dapd)

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