(Reuters)
Sri Lanka: Ein jahrzehntelanger Konflikt
Ein Fünftel der Einwohner Tamilen
Drei Viertel der insgesamt rund 20 Millionen Bewohner des Inselstaates an der Südspitze Indiens sind, meist buddhistische, Singhalesen. Die Tamilen - etwa 3,8 Millionen Menschen - machen 18 Prozent aus. Sie sind überwiegend hinduistisch.
Briten holten Tamilen ins Land
Zwei Drittel der Tamilen in Sri Lanka sind Jaffna-Tamilen (Ceylon-Tamilen) und leben im Norden und Osten des Landes, wo die Rebellen der «Befreiungstiger von Tamil Eelam» (LTTE) ihre Machtbasis hatten.
Die übrigen Tamilen (Indien-Tamilen) sind Nachfahren indischer Teepflücker, die die britischen Kolonialherren ins Land holten und im zentralen Hochland ansiedelten. Die Briten vertieften die seit Jahrhunderten bestehenden Rivalitäten zwischen den Ethnien, indem sie die Tamilen den Singhalesen bevorzugten.
Singhalesen dominieren Politik
Nach der Unabhängigkeit 1948 dominierten Singhalesen die Staatsführung. Diese stellten sich - unter Einrechnung der 60 Millionen Tamilen im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu - als bedrohte Minderheit in einer tamilisch dominierten Region dar.
Jahrelange Diskriminierung führt 1983 zum Bürgerkrieg
Singhalesische Nationalisten erinnern bis heute daran, dass jahrhundertelang Hindu-Eroberer aus Indien auf die Insel kamen und feiern den buddhistischen König Dutthagami (161-137 v.Chr.) als Helden, weil er die tamilischen Besatzer vertrieb.
Von 1956 an benachteiligte der damalige Regierungschef Solomon Bandaranaike mit seiner Politik die Tamilen. Diese protestierten gegen die Unterdrückung ihrer Volksgruppe in Sri Lanka - Gewalt war die Folge. Nach einem Massaker an Soldaten kam es 1983 zu Pogromen gegen Tamilen. Der Bürgerkrieg begann.
LTTE: Schlagkräftige Guerilla
Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) unter ihrem Führer Velupillai Prabhakaran galt wegen ihrer eisernen Disziplin und ihrer blutigen Kriegsführung lange als eine der schlagkräftigsten Guerillagruppen weltweit.
Die Organisation schmückte sich mit dem Emblem eines brüllenden Tigers im Gegensatz zum Löwen, der die Staatsflagge von Sri Lanka ziert. Berüchtigt waren die LTTE-Kindersoldaten und Selbstmordanschläge der Tamiltigers.
Morde und Selbstmordanschläge
Auf das Konto der Rebellenorganisation gingen zahlreiche Morde, sei es an politischen Rivalen aus dem eigenen Lager der Tamilen oder an Vertretern der Regierung in Colombo.
So wurde der ehemalige indische Premierminister Rajiv Gandhi im Mai 1991 Opfer einer tamilischen Selbstmordattentäterin. Zwei Jahre später wurde der sri-lankische Präsident Ranasinghe Premadasa ermordet.
Zivilisten als «Schutzschilder»
Ein im Februar 2002 von Norwegen ausgehandelter Waffenstillstand wurde seit Ende 2005 faktisch nicht mehr eingehalten und Anfang 2008 von der Regierung aufgekündigt. Die Gewalt nahm daraufhin deutlich zu.
Die Kämpfe zwischen der LTTE und der sri-lankischen Armee forderten allein im Frühjahr 2009 laut Angaben der Vereinten Nationen fast 6500 Todesopfern. Rund 200‘000 Menschen mussten die von den Rebellen gehaltene Region verlassen und konnten nur unzureichend versorgt werden.
Ende des Bürgerkriegs
Angesichts der Geländegewinne im Mai 2009 erklärte Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse am 16. Mai 2009 die LTTE für besiegt und den Bürgerkrieg für beendet.
Nach Angabe der sri-lankischen Armee wurde der Führer der Tamilen-Rebellen Velupillai Prabhakaran, wie auch die gesamte Führungselite der LTTE, bei der Flucht von Regierungstruppen am 18. Mai 2009 erschossen. (pet/sam, dpa/sda)
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