Autorin Asli Erdogan: Pilgerreise ins literarische Zürich
Ein wenig wie in Istanbul: die türkische Autorin Asli Erdogan auf der Quaibrücke. (SRF)
Seit dem 1. Dezember wohnt und schreibt die 45-jährige Türkin Asli Erdogan in Zürich. Im Rahmen des Stipendiums «Writers in Residence» erhält sie von der Stiftung PWG (Preisgünstiger Wohnen in Zürich) eine Wohnung, Stadt und Kanton bezahlen die Lebenskosten und das Literaturhaus kümmert sich um Administration und literarische Integration.
Asli Erdogan schreibt Erzählungen, Gedichte und Romane. Zwei sind ins Deutsche übersetzt: «Der wundersame Mandarin» und «Die Stadt mit der roten Pelerine». Und sie schreibt eine Kolumne in einer kurdischen Zeitung und engagiert sich in der Türkei für die Rechte der Kurden.
Die Schweiz als literarische Heimat
In der Türkei wird sie deshalb von der Polizei schikaniert - und lebt mit der konstanten Angst, verhaftet zu werden. Das Schreiben fällt Asli Erdogan in der Türkei deshalb immer schwerer. Der Aufenthalt in Zürich lässt sie aufatmen.
Kommt hinzu: schon den Entscheid, voll aufs Schreiben zu setzen, fällte Asli Erdogan in der Schweiz. Anfang der 90er Jahre arbeitete sie als Physikerin am CERN in Genf - bis sie eines Tages realisierte, dass nicht mehr die Physik, sondern das Schreiben ihre Welt ist. «Die Schweiz symbolisiert für mich meine literarische Seite», sagt Asli Erdogan deshalb. Und: «Die Reise nach Zürich ist wie eine Pilgerreise.» Denn sie habe gewusst, dass sie hier, in Zürich, sicher wieder schreiben könne.
Am Donnerstag, 9. Februar 2012, liest Asli Erdogan im Literaturhaus Zürich aus ihrem Roman «Die Stadt mit der roten Pelerine». (fren)
