Imame sollen in der Schweiz ausgebildet werden
Imam Mouwafac el-Rifai predigt im islamischen Zentrum in Lausanne. (Keystone)
Behörden, Hochschulen und die muslimische Gemeinde sind sich einig, dass an Schweizer Hochschulen künftig auch Imame ausgebildet werden sollen. Das geht aus einer Untersuchung des Schweizerischen Nationalfonds hervor.
Für die Studie «Imam-Ausbildung und islamische Religionspädagogik in der Schweiz» - sie entstand im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft» (NFP 58) - führten Forscher der Universität Zürich rund 100 Interviews mit Exponenten der islamischen Gemeinde.
Zudem befragten sie etwa 40 Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, Behörden, Parteien, Hochschulen sowie Rechtsexperten.
350'000 Muslime in der Schweiz
Mehrheitlich sprachen sich die Befragten dafür aus, Imame - die Vorbeter in einer Moschee - und islamische Religionslehrer in der Schweiz auszubilden. Bislang werden die Imame der Schweizer Muslime im Ausland ausgebildet, für moslemische Religionslehrer gibt es in der Deutschschweiz einen privaten Kurs.
Die muslimische Gemeinde ist mit schätzungsweise 350'000 Mitgliedern die zweitgrösste Religionsgemeinschaft der Schweiz. Die befragten Vertreter der Muslime wünschen sich akademisch ausgebildete Imame, die neben fundierten Islamkenntnissen auch über gute Kenntnisse der lokalen Landessprache, des Rechts und der Politik verfügen.
Sie sollen mit der Schweiz vertraut sein. Zudem sollen sie Kontakte mit den anderen Religionsgemeinschaften pflegen.
Keine rechtlichen Hindernisse
Rechtlich bestünden für die Einführung einer Imam-Ausbildung in der Schweiz keine Hindernisse. Da das Religions- und Bildungswesen in erster Linie Sache der Kantone ist, seien kantonale Akteure besonders gefordert, heisst es in der Studie.
Kurzfristig könnten für Imame, die im Ausland ausgebildet werden, in der Schweiz Zusatzkurse angeboten werden, die sie mit den Verhältnissen in der Schweiz vertraut machen.
Finanzierung noch offen
Unklar ist allerdings noch, wie eine Ausbildung für Imame finanziert werden soll. Peter Schmid, Präsident der Fachhochschule Nordwestschweiz, betonte gegenüber Schweizer Radio DRS, es müsse eine landesweite Lösung angestrebt werden. Bund und Kantone müssten bei dieser Frage kooperieren.
Neue Lehrstühle an Hochschulen werden mitunter auch mit Drittmitteln finanziert. An der Universität Basel gab es bereits Gespräche mit arabischen Institutionen, die an einer schweizerischen Imam-Ausbildung interessiert waren.
Doch die Gespräche sind inzwischen ins Stocken geraten, denn die Geldgeber wollten auch auf die Auswahl der Dozenten Einfluss nehmen. Das lässt sich aber mit der Unabhängigkeit von Lehre und Forschung an Universitäten nicht vereinbaren.
Unter anderem auch aus diesem Grund meldet Karin Pauleweid, Leiterin der Stelle für Hochschulbildung im Kanton Luzern, Zweifel an. Die Imam-Ausbildung sei ein heikles Thema, sagte sie gegenüber Schweizer Radio DRS. Sie sei nicht sicher, ob es schon reif sei.
Unbehagen gegenüber islamischen Geistlichen
Der Wunsch nach einer Imam-Ausbildung war ursprünglich unter den Schweizer Muslimen entstanden und 2004 von den Landeskirchen aufgenommen worden. Hintergrund war ein Unbehagen darüber, dass viele islamische Geistliche in Europa nicht mit den europäischen Verhältnissen vertraut waren und teilweise extremistische Lehren verbreiteten.
In der Folge wurden auf lokaler Ebene verschiedene Projekte lanciert. Neben dem bestehenden Kurs für Religionslehrer starten diesen Herbst an der Universität Freiburg und an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur Lehrveranstaltungen zur Aus- und Weiterbildung von islamischen Religionsvertretern.
Bundesrat zurückhaltend
Der Bundesrat war bislang in dieser Frage zurückhaltend. In einer Antwort auf ein Postulat aus dem Nationalrat zur Ausbildung von Imamen in der Schweiz erklärte er Ende Mai, er wolle erst die Nationalfonds-Studie abwarten, bevor entsprechende Massnahmen diskutiert werden könnten. (ank/cdm/schs, sda)
