Alarmsystem bei Entführungen ab 2010
In Frankreich arbeitet die Polizei bereits seit drei Jahren mit einem landesweiten Entführungsalarm. (Reuters)
Lehren aus dem Fall Ylenia
Ein neues, national koordiniertes Alarmsystem bei Entführungen soll mithelfen, die Opfer rasch zu finden. Wenn ein Kind entführt wird, dann sind vor allem die ersten Stunden entscheidend für einen Fahndungserfolg und die Rettung des Opfers.
Gunst der Stunde nutzen
Vor allem sei in den ersten Stunden nach der Entführung die Erinnerung von möglichen Tatzeugen noch frisch, sagt Stefan Blättler, der Kommandant der Kantonspolizei Bern, gegenüber Schweizer Radio DRS.
«Wir möchten diese Erinnerungen sofort abrufen können», so Blättler. So könne innert Minuten etwas an den Dispositiven geändert werden. «Nach drei Stunden sind aus Erfahrung - das wissen wir aus anderen Ländern - diese Möglichkeiten nicht mehr in gleichem Masse gegeben.»
Alarmmeldung in vier Sprachen
Radio- und Fernsehsender der SRG informieren künftig die Bevölkerung sofort über die Entführung. Die Meldung erscheint auch auf Autobahn-Anzeigetafeln und ertönt per Durchsagen an Bahnhöfen und Flughäfen.
Den Alarm, der auch von den Nachrichtenagenturen weiterverbreitet wird, lösen kantonale Strafverfolgungsbehörden aus. Sie sind für den Inhalt der Alarmmeldung zuständig, die in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch verfasst wird.
Allerdings soll der Alarm nur ausgelöst werden, wenn man ernsthaft befürchten müsse, dass ein entführtes Kind misshandelt oder getötet werden könne, sagt Stefan Blättler. Erfahrungen aus dem Ausland zeigten, dass ein zu häufiger Entführungsalarm die Bevölkerung abstumpfe und so seine Wirkung verliere.
Callcenter nimmt Hinweise entgegen
Die Alarmmeldung wird während drei Stunden übermittelt, danach stoppt die Verbreitung automatisch, auch wenn Opfer und Täter nicht lokalisiert sind. Bei neuen Erkenntnissen kann ein Alarm um maximal zwei Stunden verlängert werden. Dank der Meldung sollen im Bundesamt für Polizei (Fedpol) bei einem Callcenter Hinweise aus der Bevölkerung eingehen.
Eine Studie bei Swisscom, Sunrise und Orange soll zeigen, ob die Alarme per SMS auf Mobiltelefone von freiwillig registrierten Benützern übermittelt werden könnten. Zudem wird geprüft, ob das System auch bei Entführungen von Erwachsenen eingesetzt und auf Grenzregionen ausgeweitet werden soll.
Vorbild Frankreich
Den Anstoss für das Alarmsystem gab die Entführung der fünfeinhalbjährigen Ylenia am 31. Juli 2007 in Appenzell. Der Nationalrat überwies im April 2009 stillschweigend eine parlamentarische Initiative vom damaligen Ständerat und jetzigen Bundesrat Didier Burkhalter (FDP/NE).
Der Vorstoss forderte eine Partnervereinbarung als Grundlage für den Entführungsalarm. Der Bundesrat und die zuständigen Stellen der Kantone hatten daraufhin die Arbeit an dem Alarmsystem aufgenommen. Es orientiert sich an einem französischen Modell. (pet/acd, sda)
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