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Mittwoch, 21.10.2009

Streit um Schweinegrippe-Impfstoff

In der Schweiz ist ein Streit unter Experten um die Schweinegrippe-Impfung entbrannt. Auslöser ist, dass die Zulassungsbehörde für Medikamente offenbar Schwangeren eine Impfung ohne Zusatzstoff verabreichen will. Das birgt Zündstoff: Ist die Impfung mit Zusatzstoff ein Gesundheitsrisiko?

Die Schweiz bestellte im Frühsommer unter Zeitdruck 13 Millionen Dosen Schweinegrippe-Impfstoff zwei verschiedener Hersteller - genügend Dosen um die ganze Schweizer Bevölkerung vor der Schweinegrippe zu schützen.

Beide Impfstoffe sind fertig produziert und teilweise in der Schweiz bereits vorrätig. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Zulassung der Schweizerischen Arzneimittelbehörde Swissmedic. Und dieser Entscheid lässt auf sich warten.

Expertenstreit mit Zündstoff
Offenbar ist hinter den Kulissen eine Diskussion darüber entbrannt, ob beide oder ob nur ein Impfstoff zugelassen werden soll. «Wir haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen, sie wird vor Ende Oktober vorliegen», sagt Swissmedic Sprecher Joachim Gross gegenüber Schweizer Radio DRS. «Ich kann noch nicht sagen, ob wir ein oder zwei Impfstoffe zulassen», so Gross.

In Fachkreisen kursieren Informationen, dass Swissmedic mit grosser Wahrscheinlichkeit vorerst nur den Impfstoff des Pharmakonzerns Glaxo Smith Kline zulassen wird. Der Grund: Dieser Impfstoff ist auch erhältlich ohne die so genannten Adjuvantien. Diese Zusatzstoffe verstärken die Immunreaktion einer Impfung und verbessern die Impfwirkung.

Impfstoff mit Wirkverstärker gebräuchlich
Die Zusatzstoffe sind in den meisten Vorsorgeimpfungen gegen die saisonale Grippe sowie anderen Impfungen ebenfalls vorhanden, erklärt Kathrin Mühlemann, Infektiologin am Insel Spital Bern und Mitglied der eidgenössischen Kommission für Impffragen. «Es gibt genügend Daten, die zeigen, dass die Immunantwort auf einen adjuvantierten Impfstoff besser ist», so Mühlemann gegenüber Schweizer Radio DRS.

Nicht nur die Wirkung sei besser, sagt die Infektiologin, es brauche auch weniger Impfstoff pro Impfung. Bei der begrenzten Impfstoffmenge, die weltweit zur Verfügung stehe, sei das ein entscheidendes Kriterium gewesen. Auch aus diesem Grund habe sich die Schweiz im letzten Frühling für Impfstoffe mit dem Adjuvans entschieden.

Risiko für schwangere Frauen?
Nun hat sich in der Zwischenzeit herausgestellt, dass insbesondere schwangere Frauen von der Schweinegrippe am stärksten bedroht sind und daher geimpft werden sollten. Und ausgerechnet für diese schwangeren Frauen gibt es erst wenig Untersuchungen zur Sicherheit dieser Adjuvantien.

Es bleibt ein Restrisiko, dass sich bei Schwangeren Nebenwirkungen gegen diese Zusatzstoffe entwickeln könnten. «Das ist sicher richtig und das dürfte letzten Endes auch der Grund sein, weshalb Swissmedic hier eine Zurückhaltung übt», sagt Pietro Vernazza, Infektiologe am Universitätsspital St. Gallen, gegenüber Schweizer Radio DRS.

Experten uneinig über Impfung von Schwangeren
Pietro Vernazza kritisiert trotzdem das Zaudern der Behörde. Denn erstens gäbe es keine Hinweise darauf, dass Adjuvantien irgendwie gefährlich sein könnten für Schwangere und zweitens kompliziere sich nun die öffentliche Kommunikation. Denn plötzlich gäbe es eine Wahl einer Impfung mit und ohne diesen Zusatzstoff - das sei verwirrlich.

Sein Kollege Christoph Hatz, Leiter Epidemiologie an der Universität Zürich, hat eine etwas andere Sicht. Er empfiehlt Schwangeren und auch immungeschwächten Menschen derzeit lieber einen Impfstoff ohne das Adjuvans.

«Bei Schwangeren wurde natürlich dieses Adjuvans nicht bewusst getestet», sagt Hatz gegenüber Schweizer Radio DRS. «Auf der anderen Seite besteht nicht ein grosses Risiko, dass schwangere Frauen jetzt ein Problem mit diesem Adjuvans bekommen würden», so Hatz.

Kritik an den USA
Doch die ganze Diskussion birgt Zündstoff: Denn was heisst das für alle anderen Impfwilligen - ist der Impfstoff mit Zusatzstoff ein Gesundheitsrisiko? Die USA beispielsweise verzichten bei ihren Impfstoffen ganz auf den Zusatzstoff, insbesondere weil sie die Diskussion um die Nebenwirkungen vermeiden wollten.

Um trotzdem eine hohe Schutzwirkung durch die Impfung zu erzielen, wird der weltweit knappe Impfstoff einfach höher dosiert. Diese Strategie lehnen Schweizer Experten durchwegs ab. «Wenn ein Land deutlich viel mehr der gesamten Virusproduktion für die eigene Bevölkerung hortet», wie beispielsweise die USA, «dann finde ich das eine egoistische Haltung, wenn wir das Ganze etwas globaler anschauen», sagt Pietro Vernazza.

Christoph Hatz, der auch am Tropeninstitut in Basel arbeitet, erzürnt die amerikanische Strategie ebenfalls. Das Adjuvans könne zwar Nebenwirkungen wie Gliederschmerzen oder Rötungen an der Einstichstelle erzeugen. Doch es sei sicher und für die breite Bevölkerung unbedenklich. «Deshalb ist es auch eine Frage der Solidarität, dass wir möglichst wenig von diesem Impfstoff für uns verwenden, damit weltweit genügend Impfstoff vorhanden ist», sagt Hatz. (heuc/acd)

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Expertenstreit über den Schweinegrippe-Impfstoff mit Zündstoff. (Christian Heuss, 21.10.2009)
Hören (4:26)

Mittwoch, 21.10.2009

Schweinegrippe: Bund ändert offenbar Impfstrategie

Wegen möglicher Nebenwirkungen prüfen die Behörden in der Schweiz anscheinend, auf einen anderen Schweinegrippe-Impfstoff für Kinder und Schwangere auszuweichen. Dieser soll angeblich ohne die umstrittenen Zusatzstoffe auskommen, um die es zuletzt immer wieder Diskussionen gegeben hatte.   Mehr



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