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Samstag, 21.11.2009

Verständnis für Studierende

Gleich von verschiedener Seite hat es - mehr oder weniger - Verständnis für die Studentenproteste in der Schweiz gegeben. Die Studierenden wollen aber weiter gegen die Bologna-Reform demonstrieren.

Studenten der Uni Bern besetzen die Aula aus Protest gegen die Ökonomisierung der Bildung. (Keystone)

Stipendienwesen reformieren

Viele Studierende protestieren seit Wochen gegen die Bologna-Reform. Diese Reform bedeute oft, dass manche sich ein Studium nicht mehr leisten könnten, weil Arbeit und Studium nicht unter einen Hut gehen. Jetzt kommt vom Staatssekretär für Bildung, Mauro Dell'Ambroggio, ein Vorschlag: Neuausrichtung des Stipendienwesens.

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Antonio Loprieno, Rektor Uni Basel

Für die protestierenden Studenten ist klar: Die Universitäten sind seit der Bologna-Reform zu sehr zu Schulen geworden; es geht im Studium nur noch um Punkte statt um Inhalte. Selbständiges Denken wird zu wenig gefördert. Was sagt der Rektor der Uni Basel, Antonio Loprieno, zu diesen Vorwürfen?

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Hintergrund: Die Bologna-Reform

Die Bologna-Reform der Hochschulen wurde 1999 von 29 europäischen Staaten unterzeichnet, darunter die Schweiz. Inzwischen beteiligen sich 49 Länder an der Reform.

Die Studierenden in Zürich und Bern protestieren weiter gegen die Bologna-Reform. Auch aus Basel ertönen Kampfparolen. So sieht der Staatssekretär für Bildung, Mauro Dell'Ambrogio, Handlungsbedarf bei der Vergabe von Stipendien Und auch der Rektor der Uni Basel, Antonio Loprieno, zeigt gegenüber Schweizer Radio DRS Verständnis für die Studierenden.

Stipendienwesen neu ausrichten
Die Studierenden kritisieren, das Geld für Stipendien und Darlehen sei in den letzten 15 Jahren um ein Viertel gesunken. «Es ist leicht, immer mehr Geld zu verlangen», sagt der Schweizer Staatssekretär für Bildung und Forschung, Mauro Dell'Ambrogio gegenüber Schweizer Radio DRS.

Aber auch er sieht Handlungsbedarf bei der Vergabe von Stipendien - Arbeiten dazu seien im Gang. Er schlägt vor, Stipendien auf der Bachelor-Stufe grosszügiger und sozialer zu verteilen. Auf der Master-Stufe könnten dann weniger Stipendien vergeben werden - dafür gezielter.

Das würde also bedeuten: Es gäbe mehr Geld für die ersten drei Jahre bis zum Bachelor-Abschluss, mehr Studierende könnten profitieren. Für die nächsten rund zwei Jahre bis zum Master hingegen könnten nur noch die Besten auf finanzielle Hilfe hoffen.

Bologna-Reform gelungen
Unter dem Strich sei die Bologna-Reform gelungen, aber es gebe Probleme. So sei das Korsett der studentischen Pflichten sei schon etwas eng. Ein Bachelor-Studium dauere nur drei Jahre, da sei die Versuchung gross, dass alle Lehrstühle vertreten sein wollen.

Dadurch werde «die Flexibilität und Freiheit der Studierenden beschränkt, das ist sicher eine Tatsache», sagt der Staatssekretär. Es sei an jeder einzelnen Universität, dies zu verbessern.

Verständnis für Kritik
Der Rektor der Universität Basel, Antonio Loprieno, zeigt gegenüber Schweizer Radio DRS Verständnis für die Studierenden. Es sei so, dass es Studierende, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen müssten, schwerer hätten. Es sei auch so, dass die versprochene Mobilität innerhalb Europas und die Anerkennung der Abschlüsse an jeder Hochschule noch nicht zufriedenstellend seien.

Teilweise sei die Kritik nachvollziehbar, meint Loprieno. Zum Beispiel stimme es schon, dass das Studium verschult würde, mehr Strukturen hineingebracht worden seien. «Hier haben wir es mit einer Entwicklung zu tun, die zum Teil genau so verlaufen ist, wie die Studierenden feststellen, zum anderen aber - und das wird häufig so nicht genügend berücksichtigt - genau so gewollt ist», sagt Loprieno.

Die Bildungsminister hätten mehr Struktur und Organisation in die Studienlehrgänge bringen wollen, als sie vor zehn Jahren beschlossen hätten, mit der Bologna-Reform die Studie in Europa einheitlicher zu gestalten. Loprieno räumt ein, dass es schwieriger geworden sei, neben dem Studium zu arbeiten.

«Das ist einfach nicht realistisch»
Mit der Bologna-Reform sollte es für Studierende auch einfacher sein, an Universitäten in anderen Ländern einen Teil ihres Studiums zu absolvieren. Loprieno gibt zu, dass es auch damit noch hapert.

«Sie können nicht erwarten, dass dadurch, dass Bachelor-Master von Finnland bis Portugal genau so organisiert werden, tatsächlich impliziert, dass ein Studium an der Universität Oxford und ein Studium an einer Universität in einem anderen Land, plötzlich inhaltlich identisch wären - das ist einfach nicht realistisch», so Loprieno.

Verbesserungen sind nötig
An der Bologna-Reform müssten schon noch Verbesserungen angebracht werden, sagt der Rektor der Universität Basel weiter. Abbrechen, dürfe man sie aber nicht. Dies würde zu einer Reformitis führen. (acd/jaga/chrn)

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