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Letztes Update: Montag, 23.11.2009

Bär Finn noch nicht über dem Berg

Dem angeschossenen Bären Finn aus dem Berner Bärenpark geht es etwas besser. Aber er ist noch nicht über dem Berg. Der Gesundheitszustand des geistig behinderten Mannes, den Finn angegriffen hatte, ist unverändert.

«Es gibt keine absolute Sicherheit»

Noch immer weiss man nicht, warum am Samstag ein Mann in den Berner Bärenpark geriet. «Es gibt keine absolute Sicherheit», sagt Tierparkdirektor Bernd Schildger. «Wildtiere in Menschenobhut bleiben Wildtiere und werden immer wie solche reagieren.»   Mehr

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Über 100'000 besuchten Bärenpark

Bis zum Vorfall vom Samstag ist der neue Berner Bärenpark trotz massiver Kostenüberschreitungen eine Erfolgsgeschichte gewesen. Seit der Eröffnung seien bereits über 150'000 Besucherinnen und Besucher verzeichnet worden, sagte Gemeinderat Reto Nause. Nach dem Eröffnungsfest mit 40'000 Besuchenden seien an jedem Wochenende gegen 10'000 Menschen im Bärenpark angetroffen worden. Für Schlagzeilen gesorgt hat die massive Kostenüberschreitung des 6000 Quadratmeter grossen Geländes an einem Hang oberhalb der Aare: Ursprünglich sollte der Bärenpark rund neun Millionen Franken kosten. Schliesslich wurde die Anlage, in der die Bären möglichst naturgerecht gehalten werden sollen, gegen 24 Millionen Franken teuer.

Der Bär Finn hat am Samstagnachmittag im Berner Bärenpark einen geistig behinderten Mann verletzt. Der Mann befindet sich nicht Lebensgefahr. Der 25-Jährige sei am Kopf, am Oberschenkel und an einer Hand verletzt, gab Reto Nause von der Berner Stadtregierung am Sonntag an einer Medienkonferenz bekannt.

Der von einem Polizisten angeschossene Bär ist an der rechten Brustwand verletzt. Gemäss Angaben von Bernd Schildger, dem Direktor des Parks, geht es dem Bären inzwischen etwas besser. Er fresse wieder, erhalte aber weiterhin starke Medikamente. Ob das Tier die Verletzung überlebe, könne aber frühestens am Dienstag gesagt werden.

Mann klettert über Absperrung
Am Samstag war der geistig behinderte Mann beim Bärenpark über eine Abschrankung beim Treppenaufgang Nydeggbrücke geklettert und auf die Mauer gestiegen, die Besucher vom Bärenpark trennt. Von der Mauer fiel er aus ungeklärten Gründen ins Gehege.

Die Bilder der Überwachungskameras zeigten, dass er zuvor eine Zeit lang auf der Mauer gekauert sei, wie Gemeinderat Nause sagte.

Bär greift Eindringling an
Im Gehege habe er sich später auf den Bären zu bewegt, worauf der Bär Finn ihn angegriffen habe. Besucher des Bärenparks hätten vergeblich versucht, mit verschiedenen Wurfgeschossen den Bären abzulenken.

Der Mann sei durch den Angriff am Kopf, am Oberschenkel und an der Hand verletzt worden. Er schwebe nicht in Lebensgefahr. Ob er bleibende Schäden davontragen wird, war zunächst offen. Er konnte auch noch nicht besucht oder befragt werden.

Polizist schiesst auf Bären
Sieben Minuten nachdem der Mann ins Gehege gefallen war, sei der Bär von einem Polizisten angeschossen worden. Der verletzte Bär habe sich anschliessend in seine Höhle zurückgezogen. Der Polizist verwendete für seinen Schuss aus einer Maschinenpistole Stoppmunition, die beim Aufprall in den Körper aufplatze und schwere innere Verletzungen verursachen kann.

Bär überlebt vielleicht nicht
Finn habe unter anderem Antibiotika erhalten, damit die Partikel im Körper keine Infektion verursachen. Die Kugel traf den Bären an der rechten Brustwand. Direktor Schildger wies am Sonntag darauf hin, dass der Polizist das einzig Richtige getan habe. Eine Narkotisierung sei nicht in Frage gekommen, da es vier bis zehn Minuten gedauert hätte, bis die Wirkung eingetreten wäre.

Das Verhalten des Bären sei völlig natürlich gewesen: «Er hat reagiert, wie ein Bär eben reagiert», sagte Schildger. Der Bär habe sich gegen den Eindringling wehren wollen.

Bär Finn war am 15. Januar 2006 im Zoo von Helsinki geboren worden und im März 2008 in den Tierpark Dählhölzli gekommen. Vor einem Monat wurde er in den neuen Bärenpark umgesiedelt, den er mit Weibchen Björk in zwei getrennten Gehegen bewohnt.

Warum kein Betäubungsgewehr?
Inzwischen entflammte eine Diskussion darüber, warum der Polizist nicht mit einem Betäubungsmittelgewehr geschossen hat und warum er keinen Warnschuss abgegeben hat. Laut Tierpark-Direktor Schildger handelte der Polizist absolut richtig.

So sei der Einsatz von Narkosemittel nicht möglich gewesen, weil der Bär bereits am Mann gewesen sei. Ein Schuss mit dem Betäubungsmittelgewehr hätte den Bären zunächst noch mehr gereizt, das Mittel wirkt erst nach vier bis zehn Minuten. «In dieser Zeit hätte der Bär den Mann töten können», erklärte Schildger. Auch für einen Warnschuss sei das Risiko zu gross gewesen.

Sicherheitsanpassung offen
Nause wie Schildger wiesen darauf hin, dass beim Bau des Bärenparks alle nur erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden seien. Einen absoluten Schutz gebe es jedoch nicht. «Wir werden nie verhindern können, dass jemand aktiv ins Gehege eindringt», sagte Nause.

Der Bärenpark sei aber gemäss modernsten Erkenntnissen gebaut worden und verfüge rundum über Zäune. Offen sei, ob die Sicherheitsvorkehrungen für den Bärenpark angepasst werden müssten, so Nause. Das hänge nicht zuletzt von den Ergebnissen der polizeilichen Ermittlungen ab.

Bisher vier tödliche Vorfälle
Laut Schildger gab es vor dem aktuellen Zwischenfall fünf Vorfälle mit Bären in Bern, wovon vier tödlich endeten. Der letzte Vorfall geht auf das Jahr 1998 zurück, als ein betrunkener Mann in den Bärengraben gelangte und dort von einer Bärin verletzt wurde. (pet/acd, sda/ap)

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Auf Besuch im neuen Bärenpark (Bildstrecke)
Auf Besuch im neuen Bärenpark
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Sonntag, 25.10.2009

Berner erfreuen sich am Bärenpark

Tausende Menschen sind am Sonntag an das grosse Fest zur Eröffnung des Bärenparks in Bern gepilgert. Rund um das neue, endlich artgerechte Zuhause des Bärenpaars Björk und Finn fanden mehrere musikalische Darbietungen und Workshops zum Mitmachen statt.  Mehr


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