Junge Brasilianerin schuldig gesprochen
Im Prozess gegen die 27-jährige Brasilianerin, die im Februar 2009 einen Neonazi-Angriff vortäuschte, hat das Zürcher Bezirksgericht einen Schuldspruch gefällt. Wegen Irreführung der Rechtspflege verurteilte das Gericht die Frau zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 120 Franken.
Realität und Irrealiät nicht auseinanderhalten
Die Probezeit beträgt zwei Jahre, wie das Gericht weiter bekannt gab. Das Urteil liegt unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 70 Franken beantragt.
Der Verteidiger hatte für einen Freispruch plädiert - zumindest nach dem Prinzip «Im Zweifel für den Angeklagten». Seine Mandantin könne zeitweise Realität und Irrealität nicht voneinander unterscheiden, sagte er.
Neonazi-Überfall erfunden
Anfang Februar 2009 hatte sich die Brasilianerin, eine in der Schweiz tätige Juristin, beim Bahnhof Zürich-Stettbach mit einem Messer zahlreiche Schnittwunden am ganzen Körper zugefügt, darunter Hakenkreuze und «SVP». Der Polizei erzählte sie, drei Neonazis hätten sie überfallen und misshandelt, worauf sie ihre ungeborenen Zwillinge verloren habe.
Im Zuge der Ermittlungen gab die Frau zu, dass die Geschichte erfunden war. Auch eine Schwangerschaft hatte zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht bestanden. Die Frau hatte offenbar im Alleingang gehandelt. Ihr Schweizer Freund hatte laut Ermittlungen nichts davon gewusst.
Lügengebilde um Schwangerschaft
Gemäss dem Staatsanwalt hatte sich die Frau mit dem vorgetäuschten Angriff aus einem Lügengebilde befreien wollen. Sie hatte ihrem Freund vorgemacht, mit Zwillingen schwanger zu sein. Dazu habe sie aus dem Internet ein Ultraschall-Bild ausgedruckt.
Der Freund habe sich sehr gefreut, ihr einen Heiratsantrag gemacht. Sogar das Kinderzimmer sei schon eingerichtet gewesen. Auf den Tag nach dem vorgetäuschten Überfall sei der Termin beim Frauenarzt angesetzt gewesen, der das Lügengebilde zum Einsturz gebracht hätte. (pet, sda)
