Bologna-Reform braucht Korrekturen
Bildungsminister posieren zum zehnjährigen Jubiläum der Bologna-Reform. (Reuters)
1999 wurde in Bologna beschlossen, dass das Bachelor- und Master-System zum Standard werden soll. Zehn Jahre danach haben die Bildungsminister und Staatssekretäre zum Abschluss der Bologna-Konferenz in Wien Fehler bei der Umsetzung der Reformpläne eingeräumt.
«Jeder, der sagt, dieser Prozess sei perfekt, sagt nicht die Wahrheit», räumte der ungarische Kultus- und Bildungsminister Istvan Hiller ein. Jedoch gebe es keine Alternative zu der Bologna-Reform. «Lasst uns nicht die Kriege der Vergangenheit kämpfen, sondern die Siege der Zukunft erringen», erklärte der rumänische Bildungsminister Daniel Petru Funeriu.
Kritischen Stimmen besser zuhören
Die Teilnehmenden aus 47 europäischen Ländern versprachen, kritischen Stimmen künftig mehr Gehör zu schenken. «Wir müssen diesen Stimmen zuhören, dann können wir erwarten, dass sie auch unserer Stimme zuhören werden», sagte Hiller mit Blick auf die zahlreichen Studentenproteste der vergangenen Monate.
Die Länder wollen sich ausserdem dafür einsetzen, dass künftig mehr Hochschüler im Rahmen ihres Studiums ins Ausland gehen können. Deshalb sollen die europäischen Hochschulen ihre Lehrpläne besser aufeinander abstimmen.
Reform in Schweiz fortgeschritten
In der Schweiz sei die Bologna-Reform bereits weit fortgeschritten, teilte das Staatssekretariat für Bildung und Forschung mit. Die Umsetzung bedürfe jedoch weiterer Anstrengungen und Korrekturen. Um bestehende Probleme aufzuzeigen, werde an Universitäten und Fachhochschulen ein Monitoring durchgeführt.
Kritik an Verschulung
Auch für Bernhard Pulver, Berner Erziehungsdirektor und Präsident der Schweizerischen Universitätskonferenz, braucht die Bologna-Reform Korrekturen. Pulver zeigte sich überzeugt, dass die Universitäten mittelfristig wieder weniger verschult sein werden.
«Eine Uni bildet nicht in erster Linie Berufsleute für heute aus. Diese Aufgabe haben die Fachhochschulen», sagte er in einem Interview mit der «Basler Zeitung» vom Freitag. «Die Uni muss ein Ort des freien Denkens sein und Absolventen hervorbringen, welche die Gesellschaft und die Wirtschaft von morgen ermöglichen», erläuterte Pulver.
Die Universitäten hätten mit der Bologna-Reform umgesetzt, was die Politik in den letzten 20 Jahren verlangte: mehr Struktur und kürzere Studiengänge. Das habe vor allem bei den Geisteswissenschaften in eine Richtung geführt, die ihn nicht überzeuge. (acd, sda/dpa)
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