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Freitag, 12.3.2010

Bologna-Reform braucht Korrekturen

Tausende Studierende in Europa machten im letzten Jahr gegen Bologna mobil. Nun räumen die Bildungsminister Fehler bei der Umsetzung der Reform ein und gelobten Besserung. So soll es in Zukunft einfacher sein, im Ausland zu studieren.

Bildungsminister posieren zum zehnjährigen Jubiläum der Bologna-Reform. (Reuters)

1999 wurde in Bologna beschlossen, dass das Bachelor- und Master-System zum Standard werden soll. Zehn Jahre danach haben die Bildungsminister und Staatssekretäre zum Abschluss der Bologna-Konferenz in Wien Fehler bei der Umsetzung der Reformpläne eingeräumt.

«Jeder, der sagt, dieser Prozess sei perfekt, sagt nicht die Wahrheit», räumte der ungarische Kultus- und Bildungsminister Istvan Hiller ein. Jedoch gebe es keine Alternative zu der Bologna-Reform. «Lasst uns nicht die Kriege der Vergangenheit kämpfen, sondern die Siege der Zukunft erringen», erklärte der rumänische Bildungsminister Daniel Petru Funeriu.

Kritischen Stimmen besser zuhören
Die Teilnehmenden aus 47 europäischen Ländern versprachen, kritischen Stimmen künftig mehr Gehör zu schenken. «Wir müssen diesen Stimmen zuhören, dann können wir erwarten, dass sie auch unserer Stimme zuhören werden», sagte Hiller mit Blick auf die zahlreichen Studentenproteste der vergangenen Monate.

Die Länder wollen sich ausserdem dafür einsetzen, dass künftig mehr Hochschüler im Rahmen ihres Studiums ins Ausland gehen können. Deshalb sollen die europäischen Hochschulen ihre Lehrpläne besser aufeinander abstimmen.

Reform in Schweiz fortgeschritten
In der Schweiz sei die Bologna-Reform bereits weit fortgeschritten, teilte das Staatssekretariat für Bildung und Forschung mit. Die Umsetzung bedürfe jedoch weiterer Anstrengungen und Korrekturen. Um bestehende Probleme aufzuzeigen, werde an Universitäten und Fachhochschulen ein Monitoring durchgeführt.

Kritik an Verschulung
Auch für Bernhard Pulver, Berner Erziehungsdirektor und Präsident der Schweizerischen Universitätskonferenz, braucht die Bologna-Reform Korrekturen. Pulver zeigte sich überzeugt, dass die Universitäten mittelfristig wieder weniger verschult sein werden.

«Eine Uni bildet nicht in erster Linie Berufsleute für heute aus. Diese Aufgabe haben die Fachhochschulen», sagte er in einem Interview mit der «Basler Zeitung» vom Freitag. «Die Uni muss ein Ort des freien Denkens sein und Absolventen hervorbringen, welche die Gesellschaft und die Wirtschaft von morgen ermöglichen», erläuterte Pulver.

Die Universitäten hätten mit der Bologna-Reform umgesetzt, was die Politik in den letzten 20 Jahren verlangte: mehr Struktur und kürzere Studiengänge. Das habe vor allem bei den Geisteswissenschaften in eine Richtung geführt, die ihn nicht überzeuge. (acd, sda/dpa)

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Hintergrund: Die Bologna-Reform

Die Bologna-Reform der Hochschulen wurde 1999 von 29 europäischen Staaten unterzeichnet, darunter die Schweiz. Inzwischen beteiligen sich 49 Länder an der Reform.

Sie haben sich dazu verpflichtet, an ihren Universitäten ein Kreditpunkte-System und ein zweistufiges System von Studienabschlüssen nach angloamerikanischem Vorbild einzuführen. Die Vereinheitlichung soll es Studierenden erleichtern, im europäischen Ausland zu studieren und sich auf die Arbeitswelt vorzubereiten.

In der Schweiz wurde der rechtliche Rahmen für die Umsetzung der Bologna-Reform 2003 verabschiedet. Die so genannten Bologna-Richtlinien der Schweiz sehen einen dreistufigen Studienabschluss vor, den Bachelor, den Master und das Doktorat.

Bachelor
Für die erste Studienstufe, die mit dem Bachelor abgeschlossen wird, sind demnach 180 Kreditpunkte nötig. Vollzeitstudierende müssen diese Stufe in höchstens vier Jahren absolvieren. Der Bachelorabschluss sollte den Eintritt ins Berufsleben ermöglichen und erlaubt zugleich einen bedingungslosen Zugang zu allen Masterstudiengängen in der entsprechenden Studienrichtung.

Master
Für das Masterstudium, das auf dem Bachelor aufbaut, werden nochmals 90 bis 120 Kreditpunkte benötigt. Im Vollzeitstudium werden dafür eineinhalb bis zwei Jahre benötigt. Das Masterdiplom entspricht dem früheren Lizentiat und ist die Voraussetzung zum Doktorat, der dritten Stufe.

Credits
Die Richtlinien bildeten auch die Grundlage zur Einführung des Credit-Systems ECTS, wonach ein Credit einem Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Stunden entspricht. Seit 2005 wird das frühere Lizenziat oder Diplom als gleichwertig mit dem Masterabschluss anerkannt. (nab)


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