Bistum Basel kannte Vorgeschichte des Schwyzer Pfarrers
Das Bistum Basel versucht in der Missbrauchsgeschichte um den Pfarrer aus dem Kanton Schwyz Licht ins Dunkel zu bringen. Bei Recherchen im Archiv stellte das Bistum Basel fest, dass die Verantwortlichen im Bistum informiert waren über die Missbrauchsvorwürfe aus Deutschland und Österreich - und stellten ihn trotzdem an.
16 Jahre lang gedeckt
Obwohl der Pater «die vorherigen Einsatzorte wegen unerlaubter sexueller Handlungen hatte verlassen müssen», war er ab 1971 insgesamt 16 Jahre für das Bistum tätig: zunächst sieben Jahre als Aushilfspriester, ab 1978 dann als Vikar.
In Absprache mit dem Ordensvorgesetzten sei damals einem Einsatz zugestimmt worden - unter der Auflage der «ärztlichen Behandlung und Begleitung durch den zuständigen Pfarrer als Vorgesetzten und ‹geistlichen Vater›».
«Unvertretbare Fehleinschätzung»
«Obwohl die Bistumsleitung bis zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Kenntnis davon hat, dass der Pater während der 16 Jahre seines Einsatzes im Bistum Basel pädophiler Handlungen schuldig geworden ist, müssen die Umstände seiner Anstellung (...) aus heutiger Sicht als unvertretbare Fehleinschätzung bezeichnet werden», schreibt das Bistum Basel weiter.
1987 wurde der Pater in sein Heimatkloster zurückberufen, «wegen drückendem Personalmangel», wie das Bistum in seiner Mitteilung weiter erklärt. Sein weiterer Berufsweg wurde nicht verfolgt. Auch seien niemals Anfragen von anderer Seite eingetroffen.
1992 wechselte der Pater nach Schübelbach im Kanton Schwyz und damit ins Bistum Chur, für das damals Wolfgang Haas als Bischof zuständig war.
Späte Selbstkritik
Das Bistum Basel zeigt sich in seiner Medienmitteilung selbstkritisch: «Bedauerlicherweise passt das Vorgehen ins Gesamtbild der damaligen Zeit, in welcher nicht nur, aber auch in der katholischen Kirche registrierte Täter im Amt bleiben konnten: ein entsprechendes Beziehungsnetz, der Missbrauch von Autorität oder direkte Vertuschung machten es möglich.»
Sexueller Missbrauch durch Geistliche ist jedoch nicht nur auf die «damalige Zeit» reduzierbar. Bei der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) sind in den vergangenen 15 Jahren 60 Meldungen eingegangen, sagte der Leiter des SBK-Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral», der Jurist Adrian von Kaenel.
Der Pfarr-Administrator aus dem Kanton Schwyz hatte Anfang Woche demissioniert, nachdem Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs bekannt geworden waren. Der Pater soll im österreichischen Vorarlberg und in Deutschland mehrere Ministranten missbraucht haben. (haem, sda)
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