Schweinegrippe - ein Jahr danach
Rückblick auf ein Jahr H1N1-Virus
Vor einem Jahr hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen des H1N1-Virus, besser bekannt als Schweinegrippe, weltweit Alarm geschlagen. Nun sind die Schlagzeilen weg, das Virus ist aber noch da.
In den letzten vier Wochen gab es in der Schweiz nur noch drei laborbestätigte Schweinegrippe-Fälle. Trotzdem herrscht noch die höchste Warnstufe.
Keine regionalen Abstufungen
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verweist auf die WHO. Diese sei zuständig für die Bestimmung der Pandemie-Stufe.
Laut Gregory Härtel, Sprecher der WHO gibt es noch immer Regionen auf der Welt, in denen die Krankheit aktiv ist. Regionale Abweichungen der Stufeneinteilung - zum Beispiel nur für Europa oder die Schweiz - gebe es nicht. Ausserdem rechnet die WHO mit dem Aufschwung der Grippe auf der Südhalbkugel ab Mitte Mai.
Welle in der Schweiz vorbei
Das Virus zirkuliere nach wie vor auf der Erde, sagte auch Patrick Mathys, Leiter Pandemievorbereitung beim BAG im Gespräch mit Schweizer Radio DRS. In der Schweiz sei die Pandemiewelle aber vorbei. Hier mache es Sinn, die Massnahmen zurückzufahren.
20 Opfer in der Schweiz
Seit Ausbruch der Krankheit starben in der Schweiz 20 Personen an der Schweinegrippe, 570 mussten ins Spital. Wie viele Leute tatsächlich in der Schweiz erkrankt seien, sei aber schwierig zu sagen, sagte Mathys weiter.
Das BAG gehe davon aus, dass sich bis zu 1,5 Millionen Menschen angesteckt haben. Rund 300'000 Personen gingen wegen Grippesymptomen zum Arzt.
Massnahmen analysieren
Im Hinblick auf mögliche künftige Seuchen werden sich die Gesundheitsbehörden auch hierzulande nun mit den Schwachstellen bei der Pandemie-Strategie auseinandersetzen müssen. Dazu gehören etwa die Informationspolitik oder die Impfplanung.
Wenig wirksamer Impfaufruf
Laut dem Bundesamt für Gesundheit haben sich nur rund 15 Prozent der Bevölkerung gegen Schweinegrippe impfen lassen. Für Mathys liegt der Grund für die tiefe Zahl vor allem im relativ harmlosen Krankheitsbild. Wenn die Krankheit schwerer verlaufen wäre, hätten sich bestimmt mehr geimpft, erklärte er.
Von den 13 Millionen eingekauften Impfdosen seien wahrscheinlich etwa 1,3 Millionen Dosen verimpft worden. Was mit dem übrigen Impfstoff geschehen werde, sei noch nicht klar, sagte Mathys weiter. Wahrscheinlich müsse aber ein grosser Teil vernichtet werden.
Mathys: Wieder gleich reagieren
Patrick Mathys verteidigte im Gespräch mit Schweizer Radio DRS die Massnahmen des BAG. Man sei vor einem Jahr mit einer neuen Krankheit konfrontiert gewesen und habe nicht gewusst, was auf die Schweiz zukomme.
In solchen Fällen müsse man «auf der sicheren Seite agieren». Er würde mit dem gleichen Wissen wieder gleich reagieren.
Einstufung der WHO in der Kritik
Gegen die WHO waren Forderungen laut geworden, Pandemien künftig nicht nur nach der Ausbreitung des Erregers, sondern auch nach dessen Gefährlichkeit zu bewerten. Die Organisation will ihren Umgang mit der Schweinegrippe zudem von unabhängigen Experten untersuchen lassen. (luek/saua, sda)
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