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Dienstag, 26.10.2010

Pro Juventute kämpft ums Überleben

Es werden immer weniger Briefmarken verkauft. Das macht auch Pro Juventute zu schaffen. Nun soll eine neue Kampagne wieder mehr Geld einbringen.

Aktivistinnen und Aktivisten werben mit Ballonen für den Fortbestand von Pro Juventute. (Keystone)

Der Fortbestand von Pro Juventute ist in Gefahr. Die grösste Kinder- und Jugendorganisation der Schweiz kämpft, zwei Jahre vor dem 100-Jahr-Jubiläum, mit finanziellen Schwierigkeiten. Die Organisation will das Ruder mit einer neuen Kampagne herumreissen.

Auch Süsses im Angebot
Pro Juventute fehle das Geld, weil der Verkauf von Briefmarken in den letzten Jahren stark zurückgegangen sei, sagte Stiftungsdirektor Stephan Oetiker vor den Medien in Bern. Die Organisation verkauft seit diesem Jahr nebst Briefmarken erstmals Süssigkeiten wie Tirggel. Das Vermögen der Stiftung habe im April 2009 15 Millionen Franken betragen.

Fünf Millionen Minus pro Jahr
Das Unternehmen gebe jedes Jahr fünf Millionen Franken mehr aus, als es einnehme. «Mit unserer Reserve können wir noch drei Jahre überleben», ergänzte Oetiker. Just zum 100-Jahr-Jubiläum Ende 2012 droht das Aus. Um dies zu verhindern, hat Pro Juventute Massnahmen ergriffen.

«Hausaufgaben gemacht»
Gemäss Oetiker sind 20 Vollzeitstellen abgebaut worden. Zudem ist im Stiftungsrat und der Geschäftsleitung Personal ausgewechselt worden. Die Überlebenschance sei von 20 Prozent für das Jahr 2009 auf 50 Prozent für 2010 gestiegen, sagte Oetiker. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Es ist an der Bevölkerung, uns zu helfen». Spendenaufrufe werden über Facebook, Twitter und auf Youtube veröffentlicht.

Pro Juventute «nimmt Arbeit ab»
Oetiker appellierte neben der Bevölkerung insbesondere an die Politik, die grösste Kinder- und Jugendorganisation der Schweiz im Kampf um ihren Fortbestand zu unterstützen. Für Pro Juventute stark machen sich die Zürcher Nationalrätinnen Barbara Schmid-Federer (CVP) und Doris Fiala (FDP). «Die Institution nimmt der Schule und der Gesellschaft viel Arbeit ab», sagte Fiala.

Benaglio und Burkhalter sind Botschafter
Neben der Politik unterstützen über dreissig Prominente die Kampagne von Pro Juventute und bekennen sich zur Botschaft «Ich bin Pro Juventute, weil...». Zu den Botschaftern zählt neben Diego Benaglio, Goalie der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, auch Bundesrat Didier Burkhalter, der sich für die Notfallnummer 147 einsetzt. Diese Hotline übernimmt gemäss Stiftungsdirektor Oetiker täglich 400 Beratungen von Jugendlichen.

Ferienpässe, Brieffreundschaften und Geld
Neben den Beratungen verkauft Pro Juventute auch Ferienpässe. Diese ermöglichen es Kindern und Jugendlichen, ohne Eltern zu verreisen. Die Organisation vermittelt zudem Brieffreundschaften und unterstützt Witwen, Witwer und Waisen in finanzieller Not.

Für Pro Juventute arbeiten insgesamt 165 Personen und rund 8000 Freiwillige. (luek, sda)

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