Immer mehr Menschen suchen Auskunft über Sekten
Die Sektenberatungsstelle Infosekta meldet eine starke Zunahme der Hilfesuchenden. Im letzten Jahr wurde 1517 Mal die Hilfe der Sektenberatung in Anspruch genommen, dies entspricht einer Zunahme von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Viele neue Anbieter mit unklarem Hintergrund
74 Prozent aller Anfragen betrafen kleine und unbekannte Anbieter aus evangelikalen Kreisen, Esoterik und Lebensberatung, darunter viele selbsternannte Therapeuten, Schamanen und Mentaltrainer. Oft finden die Ratsuchenden keine Angaben zu diesen Anbietern im Internet und wünschen sich von Infosekta eine Einschätzung.
Aber auch wegen Gruppierungen wurde häufig Hilfe gesucht, wie der Jahresbericht 2010 zeigt. Angerufen wurde oft wegen Scientology, dem evangelikalen International Christian Fellowship icf, den Zeugen Jehovas und dem Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis VPM, der zwar 2002 offiziell aufgelöst wurde, offenbar aber immer noch aktiv ist.
Evangelikale Freizeitangebote für Jugendliche
Wie der Jahresbericht zeigt, waren im letzten Jahr in 31 Prozent der Fälle Kinder und Jugendliche involviert. Diese riefen allerdings kaum je selber an. Es waren vielmehr Angehörige und Bekannte, die sich um deren Wohl sorgten.
Häufig registriert wurden Anfragen von Eltern, deren Kinder die Freizeitangebote von evangelikalen Gruppen nutzen - so etwa jene des icf. Viele dieser Jugendlichen würden grosse Nöte erleben, weil die nicht-bekehrten Familienmitglieder angeblich verloren gingen, schreibt Infosekta.
Auch mit der eigenen Sexualität gerieten diese Jugendlichen in Konflikt, da diese langsam erwache und von der evangelikalen Gemeinschaft aber als sündig betrachtet werde.
Warnung vor biblischen Erziehungsratschlägen
Infosekta beobachtet die evangelikalen Freikirchen aufmerksam. Für Schulleiter und Jugendarbeiter organisierte die Beratungsstelle im letzten Jahr eine Weiterbildung, in der über die Grundsätze des evangelikalen Glaubens und mögliche Gefahren für Kinder und Jugendliche informiert wurde.
Dazu gehört es auch, vor biblischen Erziehungsratgebern wie etwa «Eltern - Hirten des Herzens» von Tedd Tripp zu warnen. Darin werden Eltern explizit angeleitet, Kleinkinder zu schlagen, um ihnen die Autorität Gottes nahezubringen. (pet, sda)
