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Politische Folgen der Flut in Pakistan

Die politischen Folgen der Jahrhundertflut in Pakistan lassen sich erst erahnen. Die ohnehin schon schwache Regierung des Landes macht bei der Bewältigung der Katastrophe bisher eine schlechte Figur. Armee und Islamisten könnten profitieren.
Karte: Flut in Pakistan

Pakistan kämpft seit Ende Juli gegen die schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte. Zuerst war vor allem der Norden und das Zentrum des Landes betroffen. Ab Mitte August verschlimmerte sich auch die Lage im Süden des Landes.

Die Folgen der Überschwemmungen in Pakistan sind verheerend: Millionen Pakistani mussten vor dem Wasser fliehen und kämpfen angesichts der heftigen Überschwemmungen ums nackte Überleben. Die Infrastruktur ist grossflächig zerstört, Tausende Häuser sind beschädigt oder stehen nicht mehr, ein Drittel der Ernte wurde bereits vernichtet.

Doch es ist nicht nur eine humanitäre Katastrophe, die sich derzeit in Pakistan abspielt. Die Flut könnte politische Folgen haben.

Zardari macht schlechte Figur
Pakistans Staatschef Asif Ali Zardari agiert in der jetzigen Krisensituation bisher unglücklich. Zu Beginn der Katastrophe bricht er scheinbar unbeeindruckt eine Europareise, inklusive Übernachtungen in Luxushotels, nicht ab. Das verpatzte Krisenmanagement in der schwersten humanitären Krise des Landes kratzt an seinem ohnehin zweifelhaften Ruf. Zardari hat in der Vergangenheit bereits durch zahllose Korruptionsvorwürfe und Intrigen von sich reden gemacht.

Kritik an Zardari wächst
Dem 54-Jährigen schlägt eine Welle der Wut entgegen. Die Kritik an Zardaris Abwesenheit während der Katastrophe wird in Pakistan immer lauter. Bereits sprechen Beobachter von einer ausgewachsenen Regierungskrise.

Für Zardari sei es wichtiger mit denen Kontakt zu pflegen, die ihn an die Macht gebracht hätten und ihn dort hielten, sagt etwa die pakistanische Politikwissenschaftlerin Ayesha Siddiqa in Islamabad. Das sei eben nicht das pakistanische Volk, sondern die britische und amerikanische Regierung, die ihn als Partner bei der Terrorbekämpfung sehen. In Pakistan selbst sei Zardari als Politiker unwichtig.

Anklagen von Korruption bis Mord
Unbeliebt war Zardari bereits vor der grossen Flut - zu schwach ist seine Regierung, zu zahlreich sind die Korruptionsvorwürfe. Neue Klagen kann er derzeit nur deshalb abwehren, weil er bis zum Ende seiner Amtszeit politische Immunität geniesst.

Von 1997 bis 2004 war er inhaftiert. Die Liste der Vorwürfe ist lang: von Korruption und Erpressung über Drogenschmuggel bis hin zu einem Mordkomplott gegen seinen Schwager Murtaza Bhutto. Einige Vorwürfe wurden später fallengelassen.

Auch in die Schweiz führten Spuren des Ehepaars Asif Ali Zardari und Benazir Bhutto. 72 Millionen Franken waren jahrelang blockiert gewesen. Ermittlungen in Genf führten zu einem Urteil wegen Geldwäscherei, das aber nie rechtskräftig wurde. Pakistan hatte das Verfahren Mitte 2008 eingestellt.

Politische Puppe des Militärs
Zardari sei nur deshalb noch im Amt ist, weil er bisher von der militärischen Elite als politische Puppe geduldet wurde: Das Militär habe die indirekte Herrschaft über Pakistan und sei die einflussreichste Institution im Land, so Ayesha Sidika. Die Militärelite bestimme die Verteidigungsstrategie, die Aussenpolitik und verfüge über den grössten Teil der nationalen Ressourcen.

Das bedeute auch, dass längerfristig das Militär an die Macht zurückkehren werde, glaubt Ayesha Siddiqa. Vorderhand sei es für die Armee aber am bequemsten, Zardari im Amt zu belassen. Dieser alleine werde für die schleppende Hilfe im Krisengebiet verantwortlich gemacht, während die Armee die Führung übernommen habe und an Popularität dazugewinne.

Islamistische Gruppen im Aufwind
Neben der Armee nutzen aber auch islamistische Hilfsorganisationen die Katastrophe aus, um mit deren Hilfe ihr Image zu stärken. Diese Gruppierungen seien gut organisiert, vorbereitet und in der Gesellschaft besser verankert als der Staat. Von der Armee würden sie toleriert und unterstützt, so die pakistanische Politikwissenschaftlerin Ayesha Siddiqa.

Deshalb ist es wahrscheinlich, dass sich die islamistischen Kräfte in Pakistan einmal mehr gegen die gemässigte, aber schwache Regierung durchsetzen werden. (wenk/acd, sda/dpa)

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