Tausende Tonnen Munition bleiben in den Seen
Zwei Minengranaten, die 2008 aus dem Vierwaldstättersee gefischt wurden. (Keystone Archiv)
Im letzten Jahrhundert wurden 8210 Tonnen Armee-Munition in Schweizer Seen versenkt. Nach langen Untersuchungen ist nun klar: Die Munition soll dort bleiben. Nach einer neuen Analyse ist das VBS zum Schluss gekommen, dass die Bergung gefährlicher wäre als die Lagerung. Die betroffenen Kantone sind verantwortlich für die langfristige Überwachung.
Dies gab das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) an einer Medienkonferenz in Bern bekannt.
Wasser nicht übermässig belastet
Die vor allem im Thuner- (4600 Tonnen), Brienzer- (280 Tonnen) und Vierwaldstättersee (3330 Tonnen) gelagerten Munitionsrückstände der Schweizer Armee würden das Seewasser nicht belasten. Die Schwermetallgehalte lägen im Bereich der natürlichen Belastung.
Der grösste Teil der Objekte befindet sich heute zwischen 25 Zentimetern und zwei Metern unter dem Seegrund. Das Risiko einer selbstständigen Detonation der Munition sei «praktisch ausgeschlossen» und verkleinere sich von Tag zu Tag, sagte Heinz Habegger, Vorsteher des bernischen Amts für Wasser und Abfall (AWA).
Gefährliche und teure Bergung
Viel gefährlicher wäre dagegen die Bergung und Entsorgung der Munition. Diese würde das intakte ökologische Gleichgewicht in den betroffenen Seen schädigen. Beim Heben und Entsorgen bestünde zudem Explosionsgefahr, da die Munition weitgehend gut erhalten und kaum abgebaut sei.
Die Jahrzehnte dauernde Bergung würde laut VBS auf den Seen und in den Uferbereichen praktisch kaum umsetzbare Sicherheitsmassnahmen erfordern. Wahrscheinlich müsste das Seegebiet weiträumig abgesperrt und der Schiffsverkehr eingestellt werden, was auch immense Kosten zur Folge hätte.
Situation wird beobachtet
Trotzdem stellt eine regelmässige Überwachung der betroffenen Kantone sicher, dass rechtzeitig reagiert werden kann, falls sich die Situation entgegen den Erwartungen verändern sollte. Die Kosten dieser langfristigen Überwachung werden zwischen dem VBS und den Kantonen aufgeteilt.
Eine neue Lagebeurteilung soll gemäss VBS im Jahr 2015 erfolgen.
Umweltverbände: Entscheid «nachvollziehbar»
Nationalrätin Ursula Haller (BDP), die Ende 2005 eine Motion zur Bergung und Entsorgung der Munition in den Seen eingereicht hatte, zeigte sich mit dem Entscheid des VBS zufrieden. Die Hebung der Munition sei mit vielen Gefahren verbunden. Es sei aber unbedingt notwendig, die Qualität des Wassers «regelmässig und seriös» zu überprüfen, sagte Haller.
Markus Meyer, Präsident des Bernisch Kantonalen Fischerei-Verbands, sieht neben der regelmässigen Überwachung keinen weiteren Handlungsbedarf. Seine Befürchtungen, dass Giftstoffe aus der Munition entweichen und das Wasser verschmutzen könnten, hätten sich zum Glück nicht bewahrheitet.
Auch für Ion Karagounis, Geschäftsleiter der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz, ist der Entscheid des VBS «aus pragmatischen Gründen nachvollziehbar». Die Überwachung sei aber wichtig. «Was heute ist, muss in 50 Jahren nicht mehr so sein.» (luek, sda)
Mehr zu den Stichwörtern:
