Hummler gibt NZZ-Präsidium vorübergehend ab
Konrad Hummler. (Keystone/Archiv)
Der Zerfall der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin & Co. zieht weitere Kreise: Der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler gibt per sofort sein Verwaltungsratspräsidium der NZZ-Mediengruppe ab. Er will sich nach eigenen Angaben ganz auf die Auseinandersetzung mit den US-Steuerbehörden konzentrieren.
Die rechtlichen Auseinandersetzungen im Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz erforderten den Einsatz «sämtlicher physischer und intellektueller Kapazitäten», schreibt Hummler in einer Mitteilung. Um den nötigen Freiraum dafür zu gewinnen, habe er den Verwaltungsrat der AG für die «Neue Zürcher Zeitung» ersucht, das Amt des Präsidiums ad interim in andere Hände zu legen. Der Verwaltungsrat sei dieser Bitte nachgekommen.
«Aus freien Stücken»
Eine Sprecherin der NZZ-Mediengruppe sagte, Hummler habe den Entscheid zum temporären Rücktritt aus freien Stücken und ohne äusseren Druck getroffen. Sein Mandat im Verwaltungsrat soll Hummler behalten. Der Verwaltungsrat habe die Situation eingehend diskutiert und sei zum Schluss gelangt, dass man an Hummler als Mitglied in dem Aufsichtsgremium festhalten wolle, sagte die NZZ-Sprecherin weiter. Der Bankier aus St. Gallen war im vergangenen Jahr von der Generalversammlung für vier Jahre gewählt worden.
Bis auf Weiteres übernimmt der 68-jährige Verwaltungsrat Franz Steinegger den Vorsitz. Wie lange die Übergangslösung mit dem ehemaligen FDP-Nationalrat an der Spitze dauern soll, ist offen. Eine zeitliche Limitierung sei nicht beschlossen worden, erklärte die NZZ-Sprecherin. Je nach Ausgang des Steuerstreits mit den USA werde die Situation neu beurteilt.
Von US-Steuerbehörden bedroht
Konrad Hummler ist geschäftsführender Teilhaber der St. Galler Bank Wegelin & Co. Gegen die Bank haben die US-Steuerbehörden Anklage wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung erhoben. Wegelin zog deshalb vor zwei Wochen die Notbremse. Sie verkaufte ihr gesamtes Geschäft mit Ausnahme der Kundenbeziehungen zu US-Amerikanern an die Raiffeisen Bank. Nach diesem Schritt wurde Hummlers Engagement bei der NZZ in Frage gestellt.
Interims-VR-Präsident Steinegger will von einem Imageschaden für die NZZ nichts wissen. Die Redaktion habe ihre Unabhängigkeit in den vergangenen Wochen bei der Berichterstattung über die Wegelin-Affäre unter Beweis gestellt. Mit der nun getroffenen Lösung habe der Verwaltungsrat dies auch nach aussen deutlich machen wollen, sagte Steinegger in einem Interview mit Schweizer Radio DRS. Eine Rücktrittsforderung habe es im Verwaltungsrat nicht gegeben. (ank/basn, sda/reuters)
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