Bistum Chur untersucht Missbrauchsfälle
Das Bistum Chur untersucht aktuell rund zehn Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch von Seelsorgern. Betroffen sind die Kantone Zürich, Graubünden und Schwyz.
Hinweise habe das Bistum von Opfern, Opferangehörigen und von Drittpersonen bekommen. Keiner der Verdachtsfälle betrifft laut Casetti den Pfarrer aus dem Kanton Schwyz, dessen Missbrauchsgeschichte diese Woche ans Tageslicht kam.
Zwei der Fälle sind erst nach dem Bekanntwerden seiner Übergriffe gemeldet worden, die anderen schon vorher. Zum Teil liegen die Vorkommnisse Jahrzehnte zurück. In einem Fall ist der Täter bereits verstorben.
Suche nach weiteren Opfern
Das Bistum bittet allfällige weitere Opfer, sich bei den sechs Ansprechpersonen des Diözesanen Fachgremiums für sexuelle Übergriffe in der Seelsorge zu melden. Es handelt sich um Psychologen, Theologen und Juristen. «Wir wollen jetzt primär den Opfern helfen und aktuellen Hinweisen nachgehen», betonte Bischofsvikar Casetti.
Gleichzeitig sei man aber daran, sich einen Überblick über die Vorkommnisse der letzten 50 Jahre zu verschaffen. In seiner Funktion als Bischofsvikar, die er seit 1982 ausübe, habe er von rund einem halben Dutzend Übergriffen Kenntnis bekommen.
Unbekannte Dunkelziffer
«Ich weiss aber nicht von allen Vorfällen», räumte der Bischofsvikar ein. In einem Fall zeigte das Bistum zusammen mit dem Opfer den Täter an.
Das Bistum Chur erstattet nicht automatisch Anzeige, sondern nur wenn das Opfer einverstanden ist, wie Casetti ausführte. Man halte sich damit an die dringlichen Appelle der meisten Opferschutzorganisationen. Automatische Anzeigen würden die Opfer auch gegen ihren Willen erneut mit dem Geschehenen konfrontieren und sie teilweise in die Öffentlichkeit zwingen.
Bistum Chur wusste nichts
Zum Fall des Schwyzer Paters wiederholte Casetti seine Aussagen vom Mittwoch: Das Bistum Chur habe von der pädophilen Vorgeschichte des heute 69-jährigen Schweizers, der aus dem Kloster Mehrerau bei Bregenz im Vorarlberg rekrutiert worden war, nichts gewusst.
Im Gegensatz zu den Verantwortlichen des Bistums Basel, wo der Pater von 1971 bis 1987 tätig war, ist das Bistum Chur laut Casetti bei der Anstellung des Paters im Jahr 1992 vom Kloster Mehrerau nicht über dessen Übergriffe informiert worden.
Die Churer ihrerseits hätten abklärende Gespräche mit den Mehrerauern geführt und nach der Vergangenheit des Paters gefragt. Casetti betont: «Hätten wir von seinen Taten gewusst, wir hätten ihn nicht angestellt.»
Übergriffe auch in Einsiedeln
Im Kloster Einsiedeln ist es seit den 70-er Jahren ebenfalls zu sexuellen Übergriffen auf Schüler gekommen. Insgesamt haben sich fünf Klosterbrüder Verfehlungen zuschulden kommen lassen, wie das Kloster in einer Reaktion auf Enthüllungen der Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens schreibt.
Nicht alle Verfehlungen seien in der Stiftsschule erfolgt, heisst es in der Mitteilung. Strafanzeige sei in keinem Fall eingereicht worden, «weil entweder die Opfer darauf verzichtet haben oder die damals beigezogenen externen Experten die Handlungen als nicht strafrelevant betrachteten».
Die fünf Klosterbrüder lebten weiterhin in der klösterlichen Gemeinschaft, allerdings «ist keiner von ihnen mehr an der Schule tätig. Andere waren nie als Lehrer an der Schule». (haem, sda)
Mehr zu den Stichwörtern:
