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Porträt: Simonetta Sommaruga

Simonetta Sommaruga ist eine populäre Konsumentenschützerin mit Augenmass. Sie gilt als pragmatische Politikerin, die auch mit den Bürgerlichen gut zusammenarbeiten kann. Die Berner SP-Ständerätin bringt immer wieder Mehrheiten zustande und geniesst eine hohe Glaubwürdigkeit im Volk.

Simonetta Sommaruga gilt als fleissig, korrekt und umgänglich. Die Berner SP-Ständerätin ist im Bundeshaus bestens vernetzt, pflegt gute Kontakte auch ins bürgerliche Lager und erzielt bei Volkswahlen regelmässig beachtliche Resultate.

Doch unbestritten ist die 50-jährige Politikerin keineswegs. Widerstand kommt nicht zuletzt aus dem eigenen Lager: Dem linken Flügel der SP ist Sommaruga spätestens seit dem «Gurten-Manifest» von 2001 suspekt, als sie zusammen mit anderen SP-Reformern für mehr Markt und weniger ideologische Einengung einstand.

National bekannte Konsumentenschützerin
Ihrer Popularität hat dies nicht geschadet. Als Konsumentenschützerin machte sie sich schon ab 1993 national einen Namen; die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fand mit ihr als Geschäftsleiterin zu alter Stärke zurück. Das Engagement lancierte zugleich Sommarugas Polit-Karriere.

1999 schaffte sie den Sprung von der Exekutive der Berner Vorortsgemeinde Köniz in den Nationalrat. 2003 gelang es ihr sogar, Berns bürgerliches Bollwerk im Ständerat zu sprengen - weil sie selbst bei Bauern punkten konnte, zog sie mit einem noch besseren Resultat als der SVP-Vertreter ins «Stöckli» ein.

Auf tragfähige Lösungen aus

Im Bundeshaus gilt Sommaruga als pragmatische Politikerin, die sich über Parteigrenzen hinaus verständigen kann und tragfähige Lösungen sucht. Das zeigt etwa die im Juni eingereichte Motion für eine Modernisierung des Erbrechts, die von mehr als der Hälfte aller Ständeratsmitglieder unterschrieben wurde.

Sommaruga gehört nicht zum Gewerkschaftsflügel der SP, sie vertritt den Mittelstand und die Konsumenten. Dementsprechend nimmt sie nicht immer klassische linke Positionen ein. So weckte sie mit ihrer Haltung zu liberaleren Ladenöffnungszeiten den Argwohn der eigenen Partei.

Nur ein Mandat als Verwaltungsrätin
Punkten konnte sie dagegen bei den Linken unter anderem in der Finanzkrise, als sie den «strauchelnden Grossbankern und Finanzhaien» dezidiert gegenüber trat. Berühmt wurde im Februar 2009 ihr Auftritt  in der TV-Sendung «Club», wo sie Bankiers gekonnt in die Schranken wies. Auch Energiefragen treiben sie seit langem um.

Davon zeugen auch die aktuellen Parlamentsmandate: Sommaruga ist Vizepräsidentin der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, ausserdem ist sie Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und  Gesundheit und der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK).

Ihre ausserparlamentarischen Interessenbindungen sind klein an der Zahl. Sommaruga ist Stiftungsrätin beim Berner Bärenpark und beim Schweizerischen Roten Kreuz, bei Slow Food, dem Hilfswerk Swissaid und bei der Equam Stiftung, die für Qualitätssicherung in der Medizin einsteht. Dazu kommt ein einziges Mandat als Verwaltungsrätin - bei der Concret AG, die sich um Pflegequalität kümmert.

Mit Schriftsteller verheiratet
Verheiratet ist Sommaruga Hans-Rudolf Lehmann, besser bekannt als Schriftsteller Lukas Hartmann. Simonetta Sommaruga bezeichnet sich als «soziale Mutter» ihrer drei Stiefkinder und seit 2005 als Grossmutter eines kleinen Buben.

Sommaruga wuchs mit zwei Brüdern und einer Schwester in Sins im Aargau auf. Ihr Vater, ein Tessiner, arbeitete als Werkleiter bei der Lonza. Seine Tochter schickte er ins Gymnasium in Immensee im Kanton Schwyz. Am Konservatorium Luzern liess sie sich zur Pianistin ausbilden. Eine eigentliche Laufbahn als Musikerin machte sie aber nicht.

1986 trat sie der SP bei, setzte sich aber politisch zunächst nicht in Szene. In Freiburg begann sie 1988 ein Anglistik- und Romanistik-Studium, das sie nach drei Jahren abbrach. Kurz darauf stieg sie bei der Stiftung für Konsumentenschutz ein. (cdm/acd, sda)

Grafik: Politprofil von Simonetta Sommaruga

 

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Wer ist Simonetta Sommaruga? (Oliver Washington, 11.8.2010)
Hören (4:03)

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