Berufsverbot für frühere KPT-Verwaltungsratsspitze
KPT-Standort in Bern (Keystone)
Von Wirtschaftsredaktor Charles Liebherr
Der Präsident des Verwaltungsrates der Krankenkasse KPT, Walter Bosch, war bereits kurz vor Weihnachten zurückgetreten - ein bereits seit langem geplanter Generationenwechsel. Wenig später folgte ein weiterer Abgang bei der KPT - diesmal überraschender: Vizepräsident Bernhard Liechti trat mit sofortiger Wirkung am 4. Januar zurück. Sein Rücktritt, so hiess es damals, stehe nicht im Zusammenhang mit den Untersuchungen der Finanzmarktaufsicht Finma, die auch die Oberaufsicht über die Schweizer Krankenversicherungen hat. Wie sich heute zeigt, standen beide Rücktritte sehr wohl im Zusammenhang mit dem Verfahren der Finma.
Walter Bosch und Bernhard Liechti erhalten von der Finma ein Berufsverbot für vier Jahre. Ebenfalls müssen beide all ihre Einnahmen aus Beratungsmandaten für den Verwaltungsrat der KPT seit 2009 zurückbezahlen. «Ungeheuerlich», «unzutreffend» und «unakzeptabel» - schreibt Walter Bosch in einer ersten Stellungnahme.
Der Geldvermehrungstrick
Alles hatte im Mai 2010 begonnen: Geplant war die Fusion von «Erstklassig versichert» (Sanitas) mit «Einfach gut versichert» (KPT). «Erstklassig» und «einfach gut» hätte die Fusion vor allem für die Chefs der KPT werden sollen. Dank eines Aktienrückkaufprogramms, das kurz nach den Fusionsabsichten publik wurde, durften sie auf einen wundersamen Geldsegen in Millionenhöhe hoffen.
Der Verwaltungsrat der KPT zahlten sich selber als Lohn Aktien aus zu einem Wert von 40 Franken. Wenig später hätte ihr Unternehmen diese Aktien wieder zurückkaufen sollen, allerdings zu einem viel höheren Preis von 600 Franken. Die KPT stoppte den Geldvermehrungstrick wieder. Schliesslich platzte auch die Fusion mit Sanitas.
Keine Sanktionen gegen Geschäftsführer
Unklar war bis heute, wie es mit dem Geschäftsleiter und den anderen drei Mitgliedern im Verwaltungsrat weitergehen würde. Letztere müssen nach Anordnung der Finma zurücktreten. Der Geschäftsleiter kommt ungeschoren davon.
Die Finma setzt mit ihrem heutigen Entscheid auch eine externe Vertrauensperson ein, die einen neuen Verwaltungrat zusammenstellen muss. Nicht in Frage stellt die Finma das tägliche Geschäft der Krankenkasse KPT. Alle Ansprüche der Versicherten seien gesichert, das Unternehmen solide finanziert. Bis alles wieder «einfach gut» ist bei der KPT, wird es noch eine Weile dauern. (ank)
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