Lob und Tadel für Schweizer Gesundheitssystem
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben das Gesundheitssystem der Schweiz analysiert. Sie kommen zum Schluss: Das System ist leistungsstark und es befriedigt die Bedürfnisse der Patienten.
Für John Martin, Leiter der Direktion Soziales bei der OECD, gehört das Schweizer Gesundheitssystem zur Weltspitze, wie er bei der Präsentation des Berichts in Bern sagte. «Doch die Exzellenz hat ihren Preis.»
Gesundheitssystem verschlingt 11 Prozent des BIP
Das Lob wird allerdings relativiert: Denn das Schweizer Gesundheitssystem sei nach wie vor teuer, ineffizient und zu wenig transparent. Die Gesundheitsausgaben in der Schweiz lagen für das Jahr 2009 bei 11,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts.
Nur sechs OECD-Länder wiesen einen höheren Prozentsatz auf. Unter den 26 Reformempfehlungen, die im Bericht aufgelistet werden, befinden sich auch Vorschläge zur Kostenreduktion.
Mehr Vertragsfreiheit empfohlen
Der Bericht schlägt vor, die Vertragsfreiheit zwischen Versicherern und Leistungserbringern schrittweise zuzulassen. Zwar könne die Bevölkerung heute unter einer grossen Zahl von Versicherern auswählen. Dass der Prämienwettbewerb zwischen den Anbietern nur beschränkt spiele, zeige sich aber in der kleinen Zahl der Versicherten, die sich für einen Kassenwechsel entscheiden.
Auf die Möglichkeit einer Einheitskrankenkasse angesprochen sagte Martin, es gebe Argumente dafür und dagegen, die OECD habe aber diesbezüglich keine Präferenzen. Es sei nicht die Aufgabe einer internationalen Organisation, in dieser Frage Position zu beziehen.
Wenig Fortschritte bei Prävention
Der Bericht bemängelt zudem die bescheidenen Fortschritte in der nationalen Präventionspolitik.
Um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, müsse die Zusammenarbeit zwischen den Leistungserbringern und unter den Kantonen verbessert werden, heisst es weiter. Ausserdem müsse der demografischen Entwicklung besser Sorge getragen werden. Die immer älter werdende Bevölkerung erfordere eine Anpassung des Systems.
Ähnliches Ergebnis wie vor fünf Jahren
Der Bericht enthalte keine «spektakulären» Elemente, sagte der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Pascal Strupler, vor den Medien. Er bestätige aber, dass sich die Schweiz auf gutem Wege befinde. Die Analyse zeige aber auch auf, dass zusätzliche Anstrengungen bei der Prävention unternommen werden müssten.
OECD und WHO hatten das Schweizer Gesundheitssystem bereits 2006 unter die Lupe genommen. Die Kritik in der zweiten Analyse gleicht jener der ersten: Schon damals wurden die hohen Kosten und die fehlende Effizienz angeprangert. (bat/wues, sda)
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