Tamoil-Raffinerie in Collombey, Wallis. (keystone)
Kaum mehr Wirtschaftsbeziehungen
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Libyen haben sich nach der Verhaftung des Ghadhafi-Sohnes Hannibal Mitte 2008 stark abgekühlt. So wird nun massiv weniger Rohöl aus dem Wüstenstaat in die Schweiz importiert als vor der diplomatischen Krise.
Libysche Tamoil-Tankstellen
Noch im Jahr 2008 importierte die Schweiz für rund 3,3 Milliarden Franken Rohöl aus Libyen. 2009 waren es noch für gut 700 Millionen Franken. Die Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung für 2010 zeigen, dass der Abwärtstrend anhält. Allerdings führte dies in der Schweiz zu keinerlei Engpässen, da andere Lieferanten für Libyen eingesprungen sind.
Verarbeitet wird das libysche Rohöl in der Tamoil-Raffinerie in Collombey im Unterwallis und in der Petroplus-Raffinerie in Cressier im Kanton Neuenburg. Der Mineralölkonzern Tamoil, der sich zu 100 Prozent im Besitz einer libyschen Staatsholding befindet, betreibt zudem ein Netz mit über 320 Tankstellen in der Schweiz.
Die in der Schweiz verbrauchten Treib- und Brennstoffe werden zu zwei Dritteln bereits raffiniert in die Schweiz eingeführt, Rohöl spielt demnach sowieso nicht die Hauptrolle bei der fossilen Energieversorgung der Schweiz.
Nur wenig Handel mit Libyen
Abgesehen vom Öl war der restliche Handel mit Libyen für die Schweiz bereits vor Mitte 2008 relativ unbedeutend. Die Schweiz exportierte 2007 Waren im Wert von 279 Millionen Franken nach Tripolis - vor allem Maschinen, pharmazeutische Produkte sowie Landwirtschaftsprodukte.
In Folge der diplomatischen Krise wurde der Handel praktisch eingestellt. Grund dafür sind vom libyschen Regime verhängte Byokottmassnahmen gegen die Schweiz.
Ghadhafi zog Milliarden aus der Schweiz ab
Bei den Finanzbeziehungen mit der Schweiz führte Libyen lange Zeit die Liste der afrikanischen Länder an. Ende 2007 lagen nach Angaben der Schweizerischen Nationalbank auf Banken in der Schweiz libysche Guthaben in der Höhe von knapp 6 Milliarden Franken.
Der grösste Teil dieses Geldes zog Tripolis im Verlaufe des Jahres 2008 allerdings ab - Ende 2008 lagen gemäss Angaben der Schweizerischen Nationalbank noch 628 Millionen Franken libyscher Gelder auf Schweizer Konten.
Damit machte Staatschef Muammar Ghadhafi seine Drohung wahr, wegen der seiner Ansicht nach ungerechtfertigten Verhaftung seines Sohnes in Genf die libyschen Gelder aus der Schweiz abzuziehen.
Libysche Wirtschaft dreht sich vor allem ums Öl
Die libysche Wirtschaft konzentriert sich hauptsächlich aufs Ölgeschäft (rund 96 Prozent der Exporte) und erreicht damit ein durchschnittliches Wachstum von fünf Prozent pro Jahr.
Das Ölgeschäft generiert 79 Prozent des BIP und sichert rund 93 Prozent der Staatseinnahmen des nordafrikanischen Landes. Eine ineffiziente Bürokratie und die grosse soziale Ungleichheit bremsen die Wirtschaft jedoch.
Libyen versuchte in den letzten Jahren, seine Wirtschaft zu diversifizieren, etwa mit der Entwicklung des Tourismus. (ank, pet, ap/sda)
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