Streit um Lehrplan 21
Die Schülerinnen und Schüler sollen in allen Kantonen der Deutschschweiz das Gleiche lernen - egal ob sie in Aarau oder Zürich zuhause sind. Doch der Lehrplan 21 ist bereits umstritten, bevor er überhaupt vorliegt.
Bisher hat fast jeder Kanton einen eigenen Lehrplan. Dieser legt die Ziele für den Unterricht aller Stufen der Volksschule fest. Auch die Anzahl Unterrichtsstunden ist von Kanton zu Kanton verschieden.
Das führt zu Problemen, wenn Familien etwa in einen anderen Kanton ziehen. Aber auch die Chancengleichheit ist mitunter nicht gewährleistet. Mit dem so genannten Lehrplan 21 soll dem Kantönligeist der Garaus gemacht werden. Am Ende der obligatorischen Schulzeit sollen alle Schülerinnen und Schüler ungefähr über den gleichen Wissenstand verfügen.
| Ein Lehrplan für 21 Kantone | |
| Der Lehrplan 21 heisst so, weil er dereinst für alle 21 Kantone der Deutschschweiz gelten soll: Aargau, Appenzell Ausserhoden, Appenzell Innerhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Uri, Wallis, Zug, Zürich. |
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| Weshalb ein gemeinsamer Lehrplan? | |
| Im Mai 2006 stimmte das Schweizer Volk mit einer deutlichen Mehrheit für den neuen Bildungsartikel. Artikel 62 der Bundesverfassung verpflichtet die Kantone, die Ziele der Volksschule zu harmonisieren. In der Deutschschweiz wird am Lehrplan 21 gearbeitet, der die Ziele in der Volksschule kantonsübergreifend vereinheitlicht. Die Romandie ist da bereits weiter: Die Westschweizer Erziehungsdirektoren vereinbarten im Juni 2010 ihren Plan d'études romand (PER) von 2011 bis 2015 umzusetzen. |
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| Was ist der Unterschied zu Harmos? | |
| Der Auftrag zur Vereinheitlichung der Ziele gilt für alle Kantone, unabhängig davon, ob sie dem Harmos-Konkordat beigetreten sind oder nicht. Demnach ist der Lehrplan 21 nicht direkt mit Harmos verknüpft. Es gibt aber enge Bezüge zwischen dem Lehrplan und dem Konkordat. So definiert Harmos die Eckwerte des Schulsystems – etwa wie lange die Schulbank gedrückt werden muss. Was aber gelernt wird, also die Ziele und Inhalte des Unterrichts, legt der Lehrplan fest. |
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| Was legt der Lehrplan 21 fest? | |
| Der Lehrplan 21 bestimmt, was die Kinder und Teenager am Ende der 2., 6. und 9. Klasse wissen und können sollen. Überprüfbares Wissen und Kompetenzen werden verbindlich festgelegt. Dabei handelt es sich um Mindestansprüche. Ausserdem werden weiterführende Ziele formuliert, die auf diesen Mindestansprüchen aufbauen. Im Lehrplan wird nicht alles geregelt. Die Kantone und Schulen haben nach wie vor viel Gestaltungsspielraum, beispielsweise darin, wie die festgelegten Ziele erreicht werden sollen. |
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| Wann tritt der Lehrplan 21 in Kraft? | |
| Inzwischen haben alle 21 Deutschschweizer Kantone die Vereinbarung für die Ausarbeitung des Lehrplans unterzeichnet. Der neue, gemeinsame Lehrplan soll 2014 vorliegen. Das heisst aber noch nicht, dass der Lehrplan in allen Deutschschweizer Kantonen auch wirklich eingeführt wird. Darüber können die kantonalen Behörden entscheiden, wenn der Lehrplan ausgearbeitet ist. |
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| Der Lehrplan 21 ist umstritten. Was sagen die Kritiker? |
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| Die Harmos-Gegner ziehen auch gegen den einheitlichen Lehrplan ins Feld, allen voran die SVP. Sie steht dem Grossprojekt kritisch gegenüber. Die Partei befürchtet, dass der Lehrplan 21 leistungsfeindlich und wirtschaftsuntauglich sein werde. Ausserdem vermutet die SVP, dass der Lehrplan einen Harmos-Beitritt durch die Hintertür bringt. Deshalb lancierte die Volkspartei ein Gegenprojekt und arbeitet an einem eigenen Lehrplan. Dieser soll sich auf wenige Lernziele und auf die Fachbereiche Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen und Werken beschränken. |
(acd)
