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  • SP nominiert Sommaruga und Fehr:

Kandidaten-Karussell: Die Vorrunde

Schon lange vor der Wahl am 22. September begann sich das Karussell für die Nachfolge der Bundesräte Leuenberger und Merz zu drehen. Die Kantonalparteien präsentierten ungewöhnlich viele Kandidatinnen und Kandidaten. Wen sie ins Rennen schickten - ein Überblick.

Die Kantonalparteien von SP und FDP haben ihren Bundeshaus-Fraktionen insgesamt neun Kandidatinnen und Kandidaten für die frei werdenden Bundesratssitze unterbreitet.

Auch die Grünen erhoben Anspruch auf den FDP-Sitz, die Fraktion präsentierte drei mögliche Anwärterinnen und Anwärter. Bei der SVP, die sowohl den Freisinnigen wie auch der SP den Sitz streitig macht, fand sich jedoch nur ein einziger möglicher und williger Kandidat.

Kandidatinnen der SP
Bei der SP steht fest, dass der Sitz an eine Frau aus der Deutschschweiz geht. Die Kantonalparteien haben zuhanden der SP-Fraktion folgende Kandidatinnen nominiert:

Bild: zvg

Simonetta Sommaruga
Die Berner Ständerätin gilt als Kronfavoritin für die Nachfolge von Bundesrat Leuenberger.

Mit ihrem dezidierten Engagement für die Rechte der Konsumentinnen und Konsumenten ist Sommaruga laut Umfragen beim Volk sehr beliebt.

Innerhalb ihrer Partei ist die 50-Jährige hingegen umstritten. 2001 forderte sie öffentlich eine Liberalisierung der SP-Politik, was ihr einige Genossen und Genossinnen noch heute übel nehmen.

Bürgerliche Politiker und Politikerinnen schätzen ihre Kompromissfähigkeit.

Wer ist Simonetta Sommaruga? (Oliver Washington, 11.8.2010)


Bild: zvg

Hildegard Fässler
Auch die St. Galler Nationalrätin Hildegard Fässler möchte Bundesrätin werden.

Die 59-Jährige sitzt seit 1997 im Nationalrat. Von 2000 bis 2006 war sie Präsidentin der SP-Fraktion im Bundeshaus.

Die studierte Naturwissenschaftlerin und Mathematiklehrerin gilt als ausgewiesene Finanz- und Steuerpolitikerin. Sie will den politischen Fokus in der Schweiz weg vom Finanzplatz hin zum Werkplatz verschieben. Zudem will sich die St. Gallerin für die Sicherung der Sozialwerke und eine ökologische Steuerreform einsetzen.

Wer ist Hildegard Fässler? (Kathrin Hug, 19.8.2010)


Bild: zvg

Jacqueline Fehr
Die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr möchte ebenfalls die Nachfolge von Leuenberger antreten.

Die 47-Jährige sitzt seit zwölf Jahren in der grossen Kammer. Die gelernte Sekundarlehrerin aus Winterthur gilt als einflussreiche Persönlichkeit im Parlament mit einem grossen Netzwerk. Fehr ist SP-Vizepräsidentin und damit gut in der Partei verankert.

Fehr gilt als gute Allianzenschmiedin. Sie hat den Ruf seriös vorbereitet, pragmatisch und konstruktiv zu sein - was ihr auch die politischen Gegner anrechnen. So verhalf sie beispielsweise dem Mutterschaftsurlaub zum Durchbruch.

Im Rennen um den zweiten Ticketplatz neben Sommaruga dürften sich Fehr und Fässler ein spannendes Duell liefern.

Wer ist Jacqueline Fehr? (Klaus Ammann, 26.8.2010)


Bild: Keystone

Eva Herzog
Ebenfalls ins Rennen um den frei werdenden SP-Bundesratssitz steigt die national wenig bekannte Basler Finanzdirektorin Eva Herzog. Sie ist die gemeinsame Kandidatin beider Basler Kantonalparteien.

Die promovierte Historikerin wurde 2004 in die Regierung des Stadtkantons gewählt. Die 48-Jährige geniesst einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung. So wurde sie vor zwei Jahren mit einem Spitzenergebnis bestätigt.

Als Finanzdirektorin hat sich Herzog den Ruf einer erfolgreichen Konsenspolitikerin erworben, dies über die Parteigrenzen hinaus. Insbesondere bei schwierigen Dossiers wie der Sanierung der Pensionskasse des Kantons oder bei Steuergesetzrevisionen erwies sie sich als durchsetzungsfähig.

Wer ist Eva Herzog? (Beat Giger, 16.8.2010)

 

Kandidatinnen und Kandidaten der FDP
Für die FDP spielt das Geschlecht der Nachfolge für Bundesrat Hans-Rudolf Merz keine Rolle. Das sagte Fraktionschefin Gabi Huber am Tag von Merz' Rücktrittsankündigung: «Vier oder fünf Frauen im Bundesrat wären für die FDP kein Problem.» Eine Voraussetzung ist dagegen, dass die Person aus einem italienisch- oder deutschsprachigen Kanton kommt.

Die Kantonalparteien haben zuhanden der FDP-Fraktion folgende Kandidaten und Kandidatin nominiert:

Bild: Keystone

Johann Schneider-Ammann
Die FDP des Kantons Bern schickt Nationalrat Johann Schneider-Amann ins Rennen um die Nachfolge von Merz. Dem 58-jährigen Unternehmer werden sehr gute Wahlchancen eingeräumt.

Der Präsident des Industrieverbands Swissmem sitzt seit elf Jahren im Nationalrat. Er geniesst selbst im linken Lager grosses Ansehen. Es sei wichtig, dass jemand aus der Realwirtschaft in die Landesregierung einziehe, sagte etwa Corrado Padrini von der Gewerkschaft Unia.

Den Sympathien der Linken für den Patron zum Trotz, vertritt Schneider-Amman im Nationalrat seit 1999 in erster Linie wirtschaftsliberale Postionen. So spricht er sich dezidiert gegen jeglichen Ausbau der Sozialwerke aus und machte etwa gegen die Mutterschaftsversicherung Kampagne.

Wer ist Johann Schneider-Ammann? (Pascal Krauthammer, 18.8.2010)


Bild: Keystone

Karin Keller-Sutter
Die St. Galler Kantonalpartei hat die Regierungsrätin Karin Keller-Sutter als Bundesratskandidatin nominiert. Sie gilt neben Schneider-Ammann als Favoritin.

Die 46-jährige Keller-Sutter sitzt seit dem Jahr 2000 in der St. Galler Regierung und führt das Sicherheits- und Justizdepartement. Sie hat sich daher vor allem in der Ausländer- und der Sicherheitspolitik profiliert - und dabei wiederholt Pflöcke eingeschlagen, die schweizweit Beachtung fanden. National bekannt ist sie als Vizepräsidentin der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD).

Politisch gilt die Freisinnige als Hardlinerin. Diesen Ruf verdankt sie verschiedenen Verschärfungen im Asylwesen, ihrem harten Durchgreifen gegen Hooligans oder ihrem Kampf gegen häusliche Gewalt.

Wer ist Karin Keller-Sutter? (Roland Wermelinger, 20.8.2010


Bild: zvg

Peter Malama
Die FDP und die LDP Basel-Stadt wollen mit Nationalrat Peter Malama ins Rennen um die Nachfolge von Bundesrat Merz steigen.

Der 49-jährige Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt hatte 2005 bis 2009 im Basler Grossen Rat politisiert. Seit 2007 sitzt er im Nationalrat, wo er der sicherheitspolitischen Kommission und der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur angehört. Malama studierte Ökonomie und gibt als Muttersprache Französisch an - aufgewachsen ist er in einem zweisprachigen Elternhaus.

Für die Basler FDP ist Malama ein «liberaler Vollblutpolitiker», der «voll ins Bundesratsprofil» passt. Er sei ein volksverbundener Teamplayer und könne Allianzen bilden sowie Brücken bauen.


Bild: Keystone

Ruedi Noser
Der Zürcher Nationalrat Ruedi Noser steigt ebenfalls auf das Kandidatenkarussell.

Noser gehört dem Nationalrat seit 2004 an. Zehn Jahre lang war der Unternehmer Mitglied der Geschäftsleitung der FDP Schweiz, sechs Jahre lang Vizepräsident. Noser führt eine eigene Firma für Telekommunikation und Informatik.

Für den Zürcher Freisinn entspricht Noser dem Wunschprofil für einen Bundesrat. Er sei fähig, zwischen Werkplatz und Finanzplatz Brücken zu bauen. Der oft ungeduldige Querdenker eckte allerdings in der FDP Schweiz immer wieder an.

Wer ist Ruedi Noser? (Klaus Ammann, 18.8.2010)


Bild: Keystone

Ignazio Cassis
Auch der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis stellt sich für die Nachfolge von Merz zur Verfügung.

Der 49-Jährige sitzt seit 2007 im Nationalrat. Cassis war im Tessin elf Jahre lang als Kantonsarzt tätig; seit 2008 ist er Vizepräsident der Ärztevereinigung (FMH). Über Erfahrung in einer Exekutive verfügt er keine.

Der Arzt ist sich bewusst, dass seine Erfolgschancen gering sind. Er hält es aber aus Gründen des nationalen Zusammenhalts für wichtig, dass die italienische Schweiz ihre Ansprüche auf eine Vertretung in der Landesregierung mit einer Kandidatur unterstreicht.

 

Kandidat der SVP

Die SVP macht sowohl der SP als auch der FDP den Sitz streitig. Die Fraktion begründet ihre Kampfkandidatur für die frei werdenden Sitze damit, dass sie im Bundesrat untervertreten sei, räumt sich aber nur geringe Chancen ein.

Die Parteileitung hat der SVP-Bundeshausfraktion einen einzigen Kandidaten vorgeschlagen. Sie hätten fünf Interessierte geprüft, teilte sie mit. Namen nannte sie allerdings keine.


Bild: zvg

Jean-François Rime
Der 60-jährige Freiburger sitzt seit 2003 im Nationalrat und ist Inhaber einer Grosssägerei sowie Präsident der Schweizer Holzindustrie. Mit ihm wäre das Gewerbe im Bundesrat vertreten, sagt die SVP.

Rime sei Unternehmer und verfüge somit über Führungserfahrung. Ausserdem stamme er aus dem Kanton Freiburg, der eine Brücke zwischen den Sprachgemeinschaften bilde.

Bereits bei der Wahl des Nachfolgers von Bundesrat Pascal Couchepin 2010 hatte die SVP Rime ins Gespräch gebracht. Die Partei favorisierte damals aber den FDP-Kandidaten Christian Lüscher.

Wer ist Jean-François Rime? (Patrick Mülhauser 1.9. 2010)

 

Kandidaten der Grünen
Die Grünen wollen der FDP ihren Sitz im Bundesrat streitig machen. Damit unterstreichen sie ihren nach eigener Einschätzung überfälligen Anspruch auf «grüne Politik» in der Landesregierung. Die Partei begründet ihre Kampfkandidatur mit einem Wähleranteil von fast zehn Prozent. Die Wahlchancen halten sie selber für gering.

Die Fraktion hat drei mögliche Kandidaten präsentiert:

Bild: zvg

Geri Müller
Der Aargauer Nationalrat Geri Müller greift nach dem Bundesratssitz von Merz.

Der 50-Jährige sitzt seit sieben Jahren im Nationalrat. Bekanntheit erlangte er insbesondere als Präsident der Aussenpolitischen Kommission. Müller hat sich ausserdem als Energiepolitiker hervorgetan.


Bild: zvg

Brigit Wyss
Auch die Solothurner Nationalrätin Brigit Wyss steigt ins Rennen um den frei werdenden FDP-Bundesratssitz.

Die 50-Jährige wurde 2007 in den Nationalrat gewählt. Die national wenig bekannte Umweltjuristin beschäftigt sich vorab mit Themen der Raumplanung. Ausserdem habe sich Wyss als «Stimme gegen Atomkraftwerke» profiliert, so die Partei.


Bild: zvg

Marlies Bänziger
Die Zürcher Nationalrätin Marlies Bänziger kandidiert ebenfalls für den Sitz von Merz.

Die 50-Jährige ist seit 2007 Jahren im Nationalrat. Während sieben Jahren sass Bänziger im Gemeinderat von Winterthur. Seit zwölf Jahren ist sie Bezirksrätin. Die national relativ unbekannte Finanzpolitikerin setzt sich für den ökologischen Umbau der Wirtschaft ein.

(bat/cdm/acd, sda)

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