(keystone)
Bekannte Dopingfälle im Radsport
Seit es Sport-Wettkämpfe gibt, versuchen Athleten, mit Hilfe verbotener Substanzen schneller, stärker oder ausdauernder zu sein als der Gegner. Ein Überblick über die spektakulärsten Dopingfälle in der Geschichte des Radsports.
- Anti-Doping-Regeln werden erst aufgestellt, nachdem es in den 1960er Jahren zu einigen Todesfällen im Radrennsport kommt. Der Bekannteste ist jener des Radrennfahres Tom Simpson, der 1966 während der Tour de France bei einem Berganstieg tot vom Fahrrad fällt. In seiner Trikottasche werden Röhrchen mit Amphetaminen gefunden. Schon in den Jahren zuvor hatte es immer wieder Hinweise auf Doping gegeben. So hatte der Tour-Arzt Pierre Dumas 1960 entdeckt, wie sich der italienische Meister Gastone Nenzini im Hotel männliche Hormone per Infusion spritzte.
- 1969 wird Eddy Merckx vom Giro d'Italia wegen Dopings ausgeschlossen. Allerdings wird nie geklärt, welche Substanzen genau er genommen haben soll. 1973 und 1977 wird er bei Eintagesrennen erneut positiv getestet. Nach Ende seiner Karriere wird bekannt, dass er regelmässig Kortison eingenommen hat, das damals aber noch nicht auf der UCI-Dopingliste stand.
- 1978 kommt es zu einem jener Betrugsfälle, die wegen ihrer Dreistigkeit Schlagzeilen machen: Tour-Leader Michel Pollentier gibt bei einer Kontrolle fremden Urin ab.
- 1991 wird das komplette holländische PDM-Team wegen einer «Lebensmittelvergiftung» von der Tour zurückgezogen. Fünf Jahre später gibt der Deutsche Uwe Raab zu, dass es an einem unsachgemäss gelagerten Doping-Präparat lag. Der Belgier Eddy Planckaert, Gewinner des grünen Trikots 1988, gibt nach Ende seiner Laufbahn die Einnahme von Epo zu.
- 1998 kommt es zum bis dahin grössten Dopingskandal bei der Tour. Das gesamte Festina-Team wird ausgeschlossen. Betreuer Willy Voet war zuvor mit einem Auto voll unerlaubter Substanzen erwischt worden, vor allem Epo wird gefunden. Den Fahrern kann der Epo-Missbrauch zwar nicht direkt nachgewiesen werden, weil es zu diesem Zeitpunkt dafür noch keinen Test gibt. Die meisten Fahrer des Teams gestehen aber den Epo-Gebrauch. Im Team ist neben den Franzosen Richard Virenque und Laurant Brochard auch der Schweizer Alex Zülle. Der Skandal weitet sich auf die Teams von TVM und Once aus.
- 2002 fallen alle 141 durchgeführten Doping-Kontrollen negativ aus. Allerdings bleibt auch diese Tour nicht ohne komischen Beigeschmack: Am letzten Tag des Rennens wird Edita Rumsas, die Frau des Tour-Dritten Raimondas Rumsas, an der Grenze nach Italien gestoppt und mit erheblichen Mengen von Epo, Anabolika und Aufputschmitteln im Auto festgenommen. Ihr Mann reist gleich nach dem Ende der Tour nach Italien ab.
- 2004 wird das spanische Kelme-Team bereits im Vorfeld von der Tour ausgeschlossen, weil sich die Equipe nach Vorwürfen wegen Blutdopings bei der Tour 2003 verantworten muss. Unmittelbar vor dem Tour-Start wird Zeitfahr-Weltmeister David Millar wegen Epo-Verdachts ausgeschlossen. In polizeilichen Verhören gesteht er ausserdem, dass er bei seinem WM-Titel gedopt war. Den Titel ist er daraufhin los, er wird für zwei Jahre gesperrt. Millar ist nicht der einzige, der Schlagzeilen bei der Tour 04 macht: Während des Rennens werden Gorka Gonzalez (Sp), Christophe Brandt (Be), Stefano Casagrande (It) und Martin Hvastija (Tsch) erwischt.
- Am 22. Juli 2004 wird der Schweizer Oscar Camenzind bei einer Trainingsfahrt positiv auf Epo getestet. Am 9. August gibt der damals für das Phonak-Team fahrende Strassen-Weltmeister von 1998 seinen Rücktritt bekannt.
- 2005 werden erstmals Vorwürfe gegen den siebenfachen Tour-Sieger Lance Armstrong laut. Eine Urinprobe von 1999 wird angeblich nachträglich positiv getestet. Das Resultat ist bis heute offiziell unter Verschluss. Armstrong bestreitet vehement, jemals gedopt zu haben.
- 2006 ist das Jahr der «Fuentes-Affäre». In der Praxis des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes werden mehr als 200 Blutbeutel gefunden. Die Beutel sind mit Code-Namen angeschrieben, offenbar sind Dutzende Rennfahrer - und andere Sportler - in die Affäre verwickelt. Konsequenzen hat die Fuentes-Affäre aber bislang nur für einige wenige Fahrer wie etwa den deutschen Jan Ullrich (Tour-Sieger von 1997) und den Sieger des Giro d'Italia 2006, Ivan Basso. Beide werden für die Tour de France 2006 nicht zugelassen. Ullrich hat inzwischen seinen Rücktritt vom Radsport erklärt. Er behauptet nach wie vor «niemanden betrogen» zu haben, obschon ihm mehrere Blutbeutel aus Fuentes' Praxis mittels DNA-Test zugeschrieben werden konnten.
- Die Tour 2006 bleibt nicht nur wegen Fuentes in Erinnerung. Wenige Tage nach der Ankunft in Paris wird bekannt, dass Tour-Sieger Floyd Landis nach der 17. Etappe positiv auf Testosteron getestet wurde. Ihm wird nach langwierigen Gerichtsverfahren 2007 der Toursieg aberkannt.
- 2007 wird der Spitzenreiter, der Däne Michael Rasmussen, von seinem Team Rabobank aus dem Rennen genommen und kurz darauf entlassen. Er hatte falsche Angaben über seine Trainingsorte gemacht. Der Kapitän des Astana-Teams, Alexander Winokurow, wird des Blutdopings überführt. Er verlässt zusammen mit seiner Mannschaft die Tour. Die Mannschaft Cofidis steigt aus, nachdem Profi Cristian Moreni (Italien) positiv getestet wird. Auch der Spanier Iban Mayo ist positiv. Der Deutsche Patrick Sinkewitz wird wegen Dopings in der Tour-Vorbereitung von seiner Mannschaft suspendiert.
- Ebenfalls 2007 gibt es eine ganze Reihe von Doping-Geständnissen und Enthüllungen. Radprofi Bert Dietz gesteht, seit 1995 regelmässig mit Epo, Wachstumshormonen und Kortison gedopt zu haben. In diesem Zusammenhang werden auch Vorwürfe gegenüber angesehenen Sportärzten und Team-Pflegern laut. Für Aufsehen sorgt die Geständnisse der Deutschen Erik Zabel und Rolf Aldag. Auch der Tour-Sieger von 1996, Bjarne Riis, räumt Doping ein. Er wird aus der Siegerliste gestrichen. der Titel kann ihm aber nicht mehr aberkannt werden, weil Doping-Betrug nach acht Jahren verjährt.
- 2008 installiert die Tour-Leitung andere Verantwortlichkeiten bei den Doping-Kontrollen, droht mit drastischen Strafen und lässt das Astana-Team und Tom Boonen nicht starten. Trotzdem hat die Tour am 11. Juli ihren ersten diesjährigen Doping-Skandal: Der Spanier Manuel Beltran wird in der A-Probe positiv auf Epo getestet. Es dauert nicht lange, bis die nächsten Fälle auffliegen: Moises Duenas und Riccardo Ricco.
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