1 Euro kostet nur noch 1.40 Franken
Der Export leidet unter dem starken Franken
Die Euro-Schwäche - respektive die Franken-Stärke - wird für die Schweizer Wirtschaft zunehmend zum Problem. Die Schuldenkrise verschiedener Euro-Länder hat die Gemeinschaftswährung zum Franken auf ein Rekordtief gedrückt.
Nach Angaben von Devisenhändlern hat es die Schweizerische Nationalbank (SNB) aufgegeben, zur Stützung des Kurses Euro zu kaufen. Die SNB selber wollte die Kursbewegungen am Devisenmarkt wie gewohnt nicht kommentieren.
Ein Euro kostet noch 1.40 Franken
Kurz vor Donnerstagmittag stürzte der Euro innert weniger Minuten um 1 Rappen auf 1.4225 Franken. Er fiel damit unter die Marke von 1.43 Franken, über welcher er seit rund einem Monat gelegen hatte. Im Handel hiess es, die Schweizerische Nationalbank (SNB) habe ihre Interventionsmarke bei 1.4325 Franken nicht mehr halten können.
Bis zum Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Nachmittag sank der Euro weiter auf 1.4150 Franken. Nachdem die europäischen Währungshüter bekannt gaben, den Leitzins unverändert zu lassen, sank der Euro weiter und erreichte ein neues Rekordtief von 1.4046 Franken. Bis vor 18 Uhr konnte er sich wieder auf 1.4075 Franken erholen.
Schlecht für Export und Tourismus
Die SNB hatte im März 2009 begonnen, mit Euro-Käufen den Kurs des Franken zu beeinflussen. Ein schwacher Euro ermöglicht zwar den inländischen Konsumenten billigere Einkäufe im Euro-Land.
Umgekehrt leiden die Schweizer Exportindustrie und der Tourismus, weil die Schweizer Angebote für die Konsumenten im Euro-Raum teurer werden. Die Schweizer Unternehmen verdienen etwa jeden zweiten Franken im Ausland und davon rund die Hälfte im Euro-Raum.
«Wir hoffen, dass sich der Franken etwas abschwächt, damit unsere Spiesse wieder vergleichbar lang werden mit unserer internationalen Konkurrenz», sagte Johann Schneider Ammann, der Präsident des Branchenverbands der Schweizer Maschinen-, Elektro und Metallindustrie gegenüber Schweizer Radio DRS.
Nationalbank stösst offenbar an Grenzen
SNB-Präsident Philipp Hildebrand hatte vergangene Woche erklärt, eine Euro-Krise wäre auch für die Schweiz ein bedeutendes Risiko, vor allem wenn sich der Franken als «sicherer Hafen» stark aufwerten sollte. Die Nationalbank wolle einer übermässigen Aufwertung des Franken «entschieden entgegen wirken».
Bis Dezember hatte die SNB den Kurs durch Euro-Käufe bei über 1.50 Franken halten können. Die Interventionen sind allerdings sehr umfangreich: Im ersten Quartal 2010 türmten sich in den Büchern der SNB bereits 56,4 Milliarden Euro, nach 37 Milliarden Ende 2009.
Dollar vorübergehend auf 1.12 Franken
Anders ist die Situation beim Dollar. Die US-Währung hat in den vergangenen Wochen zum Franken an Wert gewonnen. Am Donnerstag legte sie am Vormittag bis auf über 1.12 Franken zu. Dann änderte sich die Tendenz: Am frühen Nachmittag mussten wieder nur noch 1.10 Franken pro Dollar bezahlt werden.
Der Euro notierte zum Dollar ebenfalls deutlich schwächer auf noch 1.2720. Das ist der niedrigste Stand seit 14 Monaten. Vom Rekordtief von 0.82 Dollar ist der Euro aber noch weit entfernt. (pet, sda/reuters)
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