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  • Zurück zum Dossier «Die Wirtschaftskrise in den USA»

(Keystone)

Zahlen und Hintergründe zur US-Autoindustrie

Die Unterstützung der US-Autoindustrie entwickelt sich zu einem Fass ohne Boden. Trotz Milliarden-Hilfen der Regierung mussten zwei der «grossen Drei», GM und Chrysler, vorübergehend Insolvenz anmelden, tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr. Ford, der zweitgrösste US-Autobauer, kommt derzeit trotz dramatischen Verlusten noch ohne Staatshilfe aus.

Staatshilfe
Nach zähen Diskussionen hat die US-Regierung den Autobauern milliardenschwere Staatshilfen zur Verfügung gestellt. Zwei der drei grossen Konzerne - General Motors und Chrysler - nahmen diese in Anspruch. Im Gegenzug mussten sie der Regierung Sanierungskonzepte präsentieren.

Zu einem Erfolg ist die Abwrackprämie geworden. Sie wurde Ende Juli 2009 eingeführt und belohnt - ähnlich wie die Modelle in Deutschland oder Frankreich - den Kauf eines Neuwagens mit bis zu 4500 Dollar, wenn das alte Auto dafür zur Schrottpresse gebracht wird. Anders als in Deutschland richtet sich die Höhe der Prämie danach, wie spritsparend ein Neuwagen ist.

Um die Entwicklung umweltfreundlicher Fahzeuge voran zu bringen, hat die US-Regierung zudem Kredite in Höhe von 8 Milliarden Dollar bereit gestellt.
General Motors
General Motors (GM) ist der grösste der «grossen Drei» der US-Autoindustrie. 2008 fuhr GM einen Verlust von 30,8 Milliarden Dollar ein. Im Jahr zuvor belief sich das Minus sogar auf 38,7 Milliarden.

Der Konzern beschäftigt nach einem Abbau von rund 15 Prozent der Stellen noch gut 200'000 Menschen und verfügt über Fabriken in 35 Ländern. GM entstand 1908 aus dem Zusammenschluss mehrerer kleinerer US-Autohersteller.
Insolvenzverfahren und Neugründung
101 Jahre nach der Firmengründung musste GM Ende Mai 2009 Gläubigerschutz beantragen. Das machte den Weg frei für einen Neuanfang. Bereits Mitte Juli - 40 Tage nach dem Insolvenzantrag und damit deutlich schneller als von Fachleuten erwartet hat - konnte GM die Insolvenz wieder verlassen.

Das neu gegründete Unternehmen ist deutlich kleiner und befindet sich vorerst in Staatsbesitz. Kanada und die USA halten zusammen knapp drei Viertel aller Aktien. Im Gegenzug greifen sie dem Autobauer mit rund 60 Milliarden Dollar Steuerhilfen unter die Arme.
Staatshilfe
Vor der Insolvenz erhielt der grösste US-Autobauer fast 20 Milliarden Dollar Staatshilfe, was jedoch nicht ausreichte. Nach der Neugründung half US-Präsident Barack Obama dem einst so stolzen Autobauer mit weiteren 30 Milliarden Dollar Steuerhilfen aus. Kanada stellte 9,5 Milliarden Dollar zur Verfügung. Die staatlichen Kredite müssten bis 2015 zurückgezahlt werden.

Bereits im April 2010 gab GM bekannt, die Rückzahlung von Finanzhilfen an die USA und Kanada abgeschlossen zu haben.  Mit der raschen Begleichung der Schulden beweise GM, dass sich das neue Unternehmen auf dem richtigen Weg befinde, sagte GM-Chef Ed Whitacre. Das US-Finanzministerium besitzt derzeit rund 60,8 Prozent der GM-Stammaktien.
Stellenabbau
Der Umstrukturierung bei GM fielen bereits gut 30'000 Stellen zum Opfer, es dürften weniger als 200'000 Jobs übrigbleiben. Bis Ende 2011 sollen allein in den USA 14 Werke geschlossen werden.

Künftig gibt es nur noch vier US-Marken: GMC, Chevrolet, Cadillac und Buick; Pontiac wurde eingestampft. Vom Geländewagenbauer Hummer trennte sich GM im Oktober 2009. Im Dezember 2009 gab GM die insolvente schwedische Tochter Saab nach einem gescheiterten Verkauf auf, sie soll nun ordnungsgemäss liquidiert werden. Und auch die US-Marke Saturn will der Autoriese abstossen.

Anders verhält es sich mit der langjährigen deutschen GM-Tochter Opel. Auch sie sollte ursprünglich verkauft werden. Doch nach einem monatelangen Verhandlungsmarathon beschloss GM Anfang November 2009, Opel doch zu behalten. Der Mutterkonzern will das Geschäft selber sanieren.
Chrysler
Der drittgrösste US-Autobauer Chrysler muss als Nicht-Aktiengesellschaft seine Zahlen nicht veröffentlichen, allerdings war im Januar 2009 von 13 Milliarden Dollar Schulden die Rede. Der 1925 gegründete Autobauer beschäftigte zuletzt rund 49'000 Menschen.
Insolvenzverfahren und Neugründung
Trotz monatelangen Verhandlungen musste Chrysler im April 2009 den Gang in die Insolvenz antreten. Nach nur gut fünfwöchigem Insolvenzverfahren besiegelte der Autobauer die Allianz mit dem italienischen Fiat-Konzern.

Fiat-Chef Sergio Marchionne wird künftig auch Chrysler führen. Die Italiener bekommen beim Einstieg zunächst 20 Prozent an Chrysler und können den Anteil langfristig bis auf 35 Prozent aufstocken. Bezahlt werden die Anteile nicht mit Geld, sondern mit Technologie. Fiat will vor allem kleine, emissionsarme Autos für den US-Markt bauen, weil in diesem Segment bei Chrysler eine grosse Lücke klafft.

Vorerst liegt die Mehrheit am neuen Unternehmen bei der Autogewerkschaft UAW - im Gegenzug für Milliarden-Zugeständnisse über ihren Betriebsrentner-Gesundheitsfonds. Den Rest bekommen die USA und Kanada. Fiat darf erst die Mehrheit übernehmen, wenn alle Schulden gegenüber den beiden Staaten abbezahlt sind.
Staatshilfe
Auch Chrysler war und ist auf Milliardenhilfe des Staates angewiesen. Der Konzern hatte Ende 2008 vier Milliarden Dollar Unterstützung erhalten, hätte aber für ein Überleben aus eigenen Kräften nach eigenen Angaben weit mehr benötigt.

Nachdem bekannt wurde, dass der italienische Autobauer Fiat bei Chrysler einsteigt, genehmigte die US-Regierung weitere vier Milliarden Dollar an Notkrediten. Während der Sanierung unter Gläubigerschutz wurde Chrysler mit zustätzlichen Milliarden vom Staat unterstützt.
Stellenabbau
Chrysler will in diesem Jahr 3000 Arbeitsplätze abbauen. Ausserdem will Chrysler den Bau von drei Fahrzeugmodellen einstellen. Ein Viertel der Chrysler-Autohäuser in den USA - nämlich 789 der insgesamt 3200 Geschäfte - wird geschlossen.
Ford
Der zweitgrösste US-Hersteller Ford ist nach einem schwierigen Jahr 2008 auf Sanierungskurs - und dabei anscheinend recht erfolgreich. Im zweiten Quartal 2009 verbuchte der Autobauer überraschend einen Überschuss von 2,3 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor stand noch ein Minus von 8,7 Milliarden Dollar in den Büchern.

Auch wenn ein Grossteil des Ergebnisses auf einem Sondereffekt beruht - Ford profitierte von einer milliardenschweren Umschuldung - und im operativen Geschäft ein Minus von knapp 640 Millionen Dollar resultierte, wertet der Konzern die Entwicklung als Erfolg. Profitieren konnte Ford unter anderem von der Abwrackprämie, mit der die US-Regierung den Absatz von Neuwagen ankurbeln will.

Anders als die anderen beiden grossen Autobauer musste Ford keine direkte Staatshilfe in Anspruch nehmen, um überleben zu können. Der Konzern erhält allerdings einen Kredit in Höhe von 5 Milliarden Dollar von der US-Regierung, mit dem die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge vorangetrieben werden soll.

Gegründet wurde der Autobauer 1903 von Henry Ford und beschäftigte Ende September 2008 noch rund 80'000 Mitarbeiter in den USA.
Zulieferer
Der Schleuderkurs der amerikanischen Autoindustrie betrifft auch die Zulieferer. Rund 70 Prozent eines Autos werden heute von Zulieferfirmen gebaut. Dort arbeiten rund 500'000 Menschen. Diese Zulieferer sind oft kleinere und mittlere Betriebe. Sie haben wenig Reserven und könnten einen Ausfall von einem der «grossen Drei» kaum verkraften.

Im vergangenen Jahr mussten laut dem Zulieferer-Verband bereits 40 Firmen Insolvenz anmelden. Gemäss einer Studie der Managementberatung A.T. Kearney droht mehr als der Hälfte der US-Autozulieferer in diesem Jahr die Insolvenz.

(acd/ank, sda/ap/dpa/reuters)

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