Streit um Poststellen-Schliessungen
Die Post steht unter Druck. Die meisten Leute schreiben heute nicht mehr Briefe, sondern E-Mails und sie zahlen ihre Rechnungen auch nicht mehr am Schalter, sondern elektronisch. Nach Angaben der Post gingen die Volumen an Briefen und Paketen zwischen 2000 und 2008 um 46 Prozent zurück und auch die Einzahlungen sanken um 17 Prozent.
Die «Post im Dorf» ist oft nicht mehr rentabel und auch nicht mehr ausgelastet. Hinzu kommt, dass die Post mit der Liberalisierung vor allem bei der Paketpost aber auch bei den Briefen Konkurrenz erhalten hat.
Verpflichtung auf Service Public
Die Post darf aber unrentable Poststellen nicht einfach schliessen. Das Parlament hat 2003 einer Änderung des Postgesetzes zugestimmt und verpflichtet die Post, ein flächendeckendes Poststellennetz zu betreiben. Sie muss ausserdem sicherstellen, dass die «Dienstleistungen des Universaldienstes in allen Regionen für alle Bevölkerungsgruppen in angemessener Distanz erhältlich sind», wie es im Gesetz heisst.
Die «Zugangspunkte» der Post
Die Post will sich dem veränderten Verhalten der Kunden und Kundinnen anpassen. Sie spricht deshalb heute nicht mehr von Poststellen, sondern von sogenannten Zugangspunkten. Im April 2009 hatte die Post noch 2380 solche Zugangspunkte:
Poststellen: An über 2000 Orten im Land ist die Post noch mit einem Schalterservice präsent. Teilweise wurden aber die Öffnungszeiten dieser Stellen eingeschränkt. Die Post verkauft in den Schalterräumen ausserdem seit einiger Zeit auch Papeterie- und Kiosk-Artikel.
Postagenturen: An rund 220 Orten hat die Post ihre Poststellen bis April 2009 durch eine Agentur ersetzt. Solche Agenturen sind häufig Lebensmittelläden, die einen Teil der Post-Dienstleistungen anbieten. Briefe und Pakete können aufgegeben, respektive abgeholt werden und Geldgeschäfte sind möglich.
Hausservice: Um abgelegene Gegenden zu versorgen und dem Postgesetz so Rechnung zu tragen, bietet die Post immer öfter den Haus-Service an. Briefe, Pakete, Ein- und Auszahlungen sowie weitere Dienstleistungen können beim Pöstler abgegeben und erledigt werden. Bargeld kann auf Voranmeldung bezogen werden. Wer möchte, dass der Pöstler klingelt, bringt ein Schild am Briefkasten an. Diese Form der Post-Dienstleistung wird an über 1000 Orten angeboten.
Überprüfung im Gang
Die Post ist laufend daran, ihre Standorte zu überprüfen. Mitte April 2009 hatte die Post angekündigt, bis 2011 insgesamt 421 Büros, vorwiegend in kleineren Ortschaften, unter die Lupe zu nehmen. Auf einer im Internet veröffentlichten Liste ist ersichtlich, welche Postschalter bereits überprüft worden sind, sowie in welcher Form und ob sie weiterbetrieben werden.
Unabhängige Kommission
Es gelten klare Vorgaben zum Verfahren bei Schliessungen oder Verlegungen von Poststellen: Die Post muss die Behörden der betroffenen Gemeinden anhören und eine einvernehmliche Lösung suchen. Wenn keine Lösung zustande kommt, können die betroffenen Gemeindebehörden eine Eingabe an die unabhängige Kommission Poststellen richten. Diese gibt eine Empfehlung ab, bevor die Post definitiv entscheidet.
Volksinitiative eingereicht
Gegen die Schliessung von Poststellen haben die Gewerkschaften und die SP die Volksinitiative «Für eine starke Post» eingereicht. Das Begehren verlangt ein flächendeckendes Poststellennetz. Finanziert werden soll dieses durch den Erhalt des Restmonopols auf Briefen und den Gewinnen der Postfinace.
Für die Initianten sind Agenturen und Haus-Service kein genügender Ersatz für den Postschalter. Weil die Angestellten eines Dorfladens nicht dem Postgeheimnis unterstehen, sei die Vertraulichkeit nicht garantiert, machen sie geltend. Gemäss der Initiative sollen in den Poststellen nur Angestellte der Post arbeiten dürfen. Eine Initiative ähnlichen Zuschnitts wurde 2004 an der Urne abgelehnt. (luek, sda)
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