Post-Verwaltungsrat Hug nimmt den Hut
Rudolf Hug ist nicht zufrieden mit Claude Béglé, er geht. (Keystone)
Die Schweizerische Post kommt nicht zur Ruhe
Post-Verwaltungsrat Rudolf W. Hug nimmt den Hut. In einer Mitteilung begründet Hug den Schritt mit «unüberbrückbaren Differenzen mit dem Präsidenten des Verwaltungsrats im Bezug auf Strategie und Führung des Unternehmens».
Seit 11 Jahren im Post-VR
Weitere Angaben zu seinem sofortigen Rücktritt machte der Zürcher Unternehmensberater und Panalpina-Präsident in seiner Mitteilung nicht. Er sitzt seit 1998 im Verwaltungsrat der Post. Nach dem Rücktritt von Reto Braun als Konzernchef hatte er das Unternehmen im Jahr 2000 sogar interimistisch geleitet.
Mit Hug verliert die Post einen hochkarätigen Wirtschaftsvertreter: Der 65-Jährige ist neben seinem Amt als VR-Präsident beim Weltkonzern Panalpina auch Mitglied des Verwaltungsrats von Orell Füssli, der Deutschen Bank (Suisse), des Immobilienkonzerns Allreal sowie Inhaber eines eigenen Unternehmens.
Im Verwaltungsrat der Post verbleiben damit neben Béglé Susanne Blank, Marco Durrer, Jean-Marc Eggenberger, Dominique Freymond, Andreas Schläpfer, Nicola Thibaudeau und Wolfgang Werlé. Die Post hat bisher nicht Stellung genommen zu Hugs Rücktritt.
Gelassenheit im Uvek
Im Departement von Postminister Moritz Leuenberger nahm man den Abgang gelassen hin: «Wir sind nicht überrascht», sagte Leuenbergers Sprecher Dominique Bugnon auf Anfrage. Hug hätte im Frühling ohnehin seinen Posten räumen müssen, weil die Amtszeit der Verwaltungsräte neu auf 12 Jahre beschränkt ist.
Ob man in Hugs Abgang ein Signal an die Politik sieht, wollte Bugnon nicht sagen. Nicht zu übersehen ist aber, dass seit dem Amtsantritt von Verwaltungsratspräsident Béglé bei der Post Feuer in Dach ist. Bisheriger Höhepunkt war vor gut einer Woche die Entlassung von Konzernchef Michel Kunz gewesen. Dieser hatte sein Amt erst am 1. April 2009 angetreten - zusammen mit Béglé.
Engagement im Ausland verstärken?
Der Verwaltungsratspräsident begründete den Schritt damals mit der mangelnden «Kompatibilität» des Chefs mit den Visionen des Verwaltungsrats. Während Kunz auf Sparmassnahmen setzte, sieht Béglé vor allem im Ausland gewinnbringende Geschäfte für die Post. Damit soll der Service Public im Inland finanziert werden.
Die Post müsse werden wie Nestlé, formulierte Béglé seine Vision gegenüber der Sonntagspresse. Mit «Swiss Post Solutions» setzt er vor allem auf das internationale Geschäftskundensegment, auf elektronische Post sowie auf mögliche Bankaktivitäten von Postfinance. Einen weiteren Stellenabbau hält Béglé für unvermeidlich. (pet, sda)
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