Hauptpreis von Locarno geht nach China
Überzeugte die Jury: Der chinesische Regisseur Li Hongqi. (Keystone)
Locarno-Bilanz mit Filmredaktor Michael Sennhauser
Der Hauptpreis des 63. Internationalen Filmfestivals von Locarno geht an den chinesischen Regisseur Li Hongqi für seinen Film «Winterferien» («Han Jia»). Der Spielfilm, der in langen, oft unbewegten Szenen vom trostlosen Leben in der chinesischen Provinz erzählt, überzeugte die Jury um Regisseur Eric Khoo aus Singapur.
«Han Jia» gehörte auch zu den Favoriten des Publikums und der Fachbesucher. Er erhielt zudem den Preis der internationalen Kritikervereinigung Fipresci.
Film über das trostlose Leben in der Provinz
«Han Jia» reflektiert anhand von Erlebnissen und Gesprächen einiger Halbwüchsiger in ihrer Freizeit und in der Schule auf subtile Weise die Realität im heutigen China zwischen Anpassung und Aufbruch.
Die Auszeichnung ist auch für das Festival selbst ein Erfolg: Im Vorjahr hatte das Drehbuch den Förderpreis der Festivalsektion «Open doors» gewonnen.
Überraschung bei den übrigen Preisen
Die übrigen Auszeichnungen kamen für viele Zuschauer und Kritiker überraschend. Den «Spezialpreis der Jury für den zweitbesten Film» gewann die französisch-rumänisch-ungarische Produktion «Morgen» von Regisseur Maria Crisan. Der leise Film schildert das triste Leben in der rumänisch-ungarischen Grenzregion.
Als bester Regisseur wurde der Kanadier Denis Côté für «Curling» geehrt. Er erzählt eine subtile Vater-Tochter-Geschichte.
Die Auszeichnung als beste Schauspielerin erhielt Jasna Duricic für ihre warmherzige Interpretation einer aufopferungsvollen Mutter in der deutsch-serbisch-schwedischen Gemeinschaftsproduktion «Belli beli svet» (White White World) des Serben Oleg Novkovic. Als bester Darsteller wurde Emmanuel Bilodeau, der Interpret des Vaters in «Curling», gekürt.
Schweizer gehen praktisch leer aus
Schweizer Filme konnten in Locarno kaum punkten. Ausser im nationalen Kurzfilmwettbewerb erhielten sie keine Preise. Auch die im Vorfeld als «pornografisch» verschrienen Beiträge «Homme au bain» und «LA Zombie» - beide mit dem französischen Pornostar François Sagat - fanden keinen Gefallen bei der Hauptjury. (ank, sda/dpa)
